
Der Filmemacher Oleg Sentsov wurde am 10. Mai 2014 vom russischen Geheimdienst FSB verhaftet. Seitdem sitzt er im Lefortowo Gefängnis in Moskau willkürlich in Haft. Er hatte sich für auf der Krim eingeschlossene Ukrainer und gegen die völkerrechtswidrige Annexion der Halbinsel durch Russland eingesetzt.
Russland: Regisseur Sentsov in Haft
Oleg Sentsov wurde am 13. Juli 1976 in der Ukraine in der Stadt Simferopol auf der Halbinsel Krim geboren. Er studierte unter anderem Filmregie und Drehbuch in Moskau. 2011 schaffte er seinen Durchbruch mit dem Spielfilm „Gamer“ beim Rotterdam International Film Festival. Nach dem Ausbruch der Euromaidanproteste im November 2013 wurde Sentsov Mitglied der Protestbewegung „AutoMaidan“. In der folgenden Krimkrise 2014 schickte er Nahrungsmittel an Ukrainer, die auf der besetzten Krim festsaßen. Sentsov sprach sich gegen die Annexion der Krimhalbinsel durch Russland aus.
Der russische Geheimdienst FSB verhaftete Sentsov am 10. Mai 2014 und brachte ihn in das Moskauer Lefortowo Gefängnis. Ihm wird die „Planung terroristischer Handlungen“ vorgeworfen. Der FSB behauptete, dass er Terroranschläge auf Brücken, Stromleitungen und öffentliche Denkmäler vorbereitet haben soll. Seit Mai 2014 sitzt Sentsov in Untersuchungshaft. Er bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Für den Fall einer Verurteilung drohen Sentsov bis zu 20 Jahre Haft. Die Europäische Filmakademie (EFA) fordert in einer Erklärung vom 19. Mai 2014 die sofortige Freilassung Sentsovs.
Sentsov wurde mehrfach gefoltert. Sicherheitskräfte schlugen ihn im Gefängnis wiederholt und drohten ihm mit Vergewaltigung. Auch Personen aus seinem Umfeld, die ebenfalls verhaftet wurden, geben an, gefoltert worden zu sein. Sentsov befürchtet, dass die unter Folter erzwungenen Aussagen in einem eventuellen Verfahren gegen ihn und seine Bekannten verwendet werden könnten. Der Besuch durch Angehörige wird Sentsov im Gefängnis verweigert.
Der hessische CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler äußert sich am 7. August 2015 empört über das Verfahren gegen den ukrainischen Regisseur: „Wie in Unrechtsstaaten üblich ist der wirkliche Grund für Verhaftung und Verfahren die politische Aktivität des Angeklagten. Die Vorwürfe gegen den Regisseur sind konstruiert und lächerlich. Solche Schauprozesse sollen andere einschüchtern, die sich gegen die illegale russische Annexion der Krim wenden. Ähnlich wie im Fall Sawtschenko hilft nur internationale Aufmerksamkeit und die fortgesetzte Forderung an die russische Regierung, die Gefangenen unverzüglich freizulassen. Da ein rechtsstaatliches Verfahren in diesem und anderen Fällen nicht zu erwarten ist, ist der ukrainischen Regierung im Zweifel zu empfehlen, gefangen genommene russische Soldaten gegen die inhaftierten Ukrainer auszutauschen.“
Michael Gahler (CDU) erklärt:
Der ukrainische Filmemacher Oleh Sentsov wird mit dem Sacharow-Preis für Geistige Freiheit des Europaparlaments ausgezeichnet. Damit würdigen wir sein friedliches Engagement für die Rechte der Ukrainer auf der russisch besetzten Krim und für die Freilassung der politischen ukrainischen Häftlinge aus russischen Gefängnissen.
Oleg Sentsov ist der erste europäische Sacharow-Preisträger seit zehn Jahren und der erste Preisträger aus der Ukraine. Ausschlaggebend für die Wahl Sentsovs war auch die Tatsache, dass seine Menschenrechte von Russland verletzt werden. Ich freue mich, auch in meiner Rolle als Ukraine-Berichterstatter des Europaparlaments, dass mein Vorschlag für den diesjährigen Sacharow-Preis erfolgreich war.
Oleg Sentsov hat niemals seine eigene Freilassung gefordert, obwohl er unschuldig jenseits des Polarkreises inhaftiert ist. Mit seinem Hungerstreik hat er den rund 70 anderen ukrainischen Häftlingen von der Krim eine Stimme verliehen.

MdEP Michael Gahler auf der Frankfurt Buchmesse 2018.

Lesungen mit dem Motto #saveOlegSentsov auf der Frankfurter Buchmesse 2018.