Iran: Mehr als Intervention gebraucht

Im Interview mit der Nachrichtenagentur IDEA spricht Valerio Krüger von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte über die Lage im Iran und warum das Land für eine demokratische Zukunft mehr als nur eine militärische Intervention braucht. Foto: Studenten demonstrieren im Iran mit der alten iranischen Flagge
IGFM: Der Iran braucht mehr als eine Intervention
Veröffentlicht von IDEA am 3. März 2026
Nach dem Überraschungsangriff auf den Iran am 28. Februar durch Israel und die USA stellt sich die Frage, wie es jetzt dort weitergehen könnte. IDEA hat dazu den Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Valerio Krüger (Frankfurt am Main), um eine Einschätzung gebeten.

Valerio Krüger, Sprecher des Vorstands der IGFM
IDEA: Ist der Angriff auf den Iran gerechtfertigt?
Valerio Krüger: Es ist eine komplexe Angelegenheit, wo einfache Beurteilungen fehl am Platz sind. Aus völkerrechtlicher, humanitärer und politischer Perspektive gibt es viele Argumente dafür oder dagegen. Das Mullah-Regime führt seit Jahrzehnten einen Feldzug gegen die Freiheit der eigenen Bevölkerung, verfolgt Andersdenkende, inhaftiert, foltert und tötet sie – tausendfach jährlich. Das iranische Regime unterstützt die Terrorgruppen Hamas, Hisbollah und Huthi-Rebellen, die wie die eigenen Revolutionsgarden seit Jahren Israel mit Raketen und Drohnen beschießen.
Regimevertreter propagieren regelmäßig „Tod Israel“ und „Tod USA“. Nicht vergessen sind auch die Bombenanschläge u. a. auf jüdische, kurdische und US Einrichtungen, und hinzu kommt: Das Regime setzt auch auf die Entwicklung eines militärischen Nuklearprogramms. Gegner der militärischen Intervention führen das hohe Risiko für unbeteiligte Zivilisten in der Region an und dass die wirklichen Absichten hinter der Intervention unklar seien.
Fakt ist: Viele Iraner haben ganz deutlich um internationale Unterstützung gebeten und an den US-Präsidenten appelliert – nach den Tausenden Toten der letzten Protestwelle.

Iranische Studenten mit der traditionellen (königlichen) iranischen Flagge von Löwe und Sonne bei den Protesten kürzlich im Land. Ihnen drohen damit bei Verhaftung hohe Strafen.
IDEA: Wofür steht der iranische Kronprinz Reza Pahlavi und wie könnte er den Iran in eine bessere Zukunft führen?
Valerio Krüger: Reza Pahlavi sieht sich als möglichen Anführer einer Übergangszeit zu einer Republik oder parlamentarischen Monarchie mit Trennung von Religion und Staat, freien Wahlen, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit. Sehr viele Iraner weltweit erhoffen sich den Wandel mit seiner Hilfe, aber es gibt auch Iraner, die ihm kritisch gegenüberstehen. Die richtigen Schritte und Instrumente nach dem finalen Sturz der Mullahs umzusetzen wird keine einfache Aufgabe sein, weder für ihn – sollte er dann die Person sein, die den Wandel federführend gestaltet – noch für das iranische Volk.
Wir sollten das iranische Volk aber nicht unterschätzen und nicht alleine auf einzelne Personen blicken. Im Iran gibt es viele, die sich für Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und Säkularismus eingesetzt haben – viele wurden dafür verfolgt, inhaftiert und getötet. Die DNA dieses Freiheitskampfes ist bei ihnen allen präsent und jede künftige Regierung wird sich daran messen lassen müssen.
Mehrere Vertreter der iranischen Zivilgesellschaft und Menschenrechtler beim Iran-Gespräch der IGFM im Jahr 2010. Darunter Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime und des „International Committee Against Executions“; Pastorin Mahin Mousapour, Frankfurt am Main; Seyed Azmayesh, Vertreter des Nematollah Sufi Ordens im Ausland, „Komitee für die Rechte von Studenten und Derwischen im Iran“; Ali Babaei, Vorstandsmitglied von United 4 Iran Germany und Kronprinz Cyrus Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schah
IDEA: Was braucht der Iran wirklich, um zur Demokratie zu werden?
Valerio Krüger: Er braucht mehr als nur einen neuen Führer oder eine militärische Intervention. Von zentraler Bedeutung wird eine starke Zivilgesellschaft sein, die über ideologische, ethnische und religiöse Grenzen hinweg für gemeinsame politische Forderungen eintritt. Freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit, freie Presse und Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit und legitimierte politische Prozesse gehören ebenso dazu.
Hier können demokratisch geprägte Länder wie Deutschland ein Vorbild sein, denkt man an die deutsche Geschichte zurück nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus oder dem Fall der Mauer.
IDEA: Vielen Dank für die Antworten!
— IDEA 03.03.2026
Bilder von Demonstranten, Opfern, Regimeschergen und der letzten Luftangriffe.
















