Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Ein Alltag aus Tod, Krieg, Unsicherheit und Hoffnung
79. Tag der Revolution
Berichtszeitraum: 9. März bis 17. März
Überblick
Vom 9. bis 16. März 2026 bleibt die Lage im Iran von den Auswirkungen des seit Ende Februar andauernden Krieges geprägt. Ausgelöst wurde dieser durch groß angelegte Luftangriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf Ziele in der Islamischen Republik Iran. Seitdem kommt es in verschiedenen Teilen des Landes weiterhin zu Luftangriffen, Raketenbeschuss und militärischen Operationen, wodurch sich die ohnehin bereits instabile Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung weiter verschlechtert hat. Aus mehreren Städten werden Berichte über eine Atmosphäre ständiger Unsicherheit geschildert, während Explosionen, militärische Aktionen und staatliche Sicherheitsmaßnahmen den Alltag vieler Menschen bestimmen.
Parallel zu den militärischen Entwicklungen hat die iranische Regierung ihre Kontrollmaßnahmen im Inland deutlich verschärft. In zahlreichen Städten wurden zusätzliche Sicherheits- und Kontrollpunkte eingerichtet, insbesondere durch Einheiten der Basij-Milizen und anderer Sicherheitskräfte. Dadurch hat sich die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung erheblich eingeschränkt. Einige dieser Kontrollpunkte wurden im Rahmen der militärischen Auseinandersetzungen selbst zu Zielen von Angriffen.
Zugleich besteht weiterhin ein nahezu landesweiter Internet-Blackout. Wie die IGFM erfahren hat, sei die Internetverbindung zeitweise auf nur wenige Prozent des normalen Datenverkehrs abgesunken. Diese Maßnahmen erschweren die Kommunikation innerhalb des Landes sowie mit Angehörigen im Ausland erheblich und behindern zugleich die unabhängige Berichterstattung über die Lage vor Ort.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle
Die 16–jährige Gymnasiastin Ghazal Janagorban aus Isfahan wurde in der Nacht des 9. Januar vor den Augen ihrer Eltern durch drei Schüsse einer bewaffneten Einheit der Revolutionsgarde getötet.
Die Leiche des 21-jährigen Milad Azagh, der in Teheran erschossen wurde, ist erst nach zweimonatiger Suche gefunden worden. Laut Berichten wurde der junge Mann aus dem Bezirk Charam am Abend des 9. Januar in Teheran in der Nähe des Nabovat-Boulevards von Regierungskräften angeschossen und schwer am Kopf verletzt.
Der 15-jährige Ahmadreza Feyzi und sein 19-jähriger Bruder Amirhossein Feyzi wurden am Abend des 28. Februars 2026 in Fardis bei Karaj in der Provinz Alborz von der Polizei getötet,. Die Brüder waren mit ihrem Vater im Auto unterwegs und hupten vor Freude, nachdem sie gehört hatten, dass Ali Khamenei getötet worden sei. Ihr Fahrzeug wurde daraufhin von der Polizei beschossen.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Die 20-jährige Fatemeh (Dasta) Farrokhi, Studentin der Theaterwissenschaft an der Sooreh-Universität, wurde am 10. März in ihrem Elternhaus in Arak von Mitarbeitern des Geheimdienstministeriums festgenommen. Es liegen nach wie vor keine Informationen über den Grund ihrer Festnahme oder ihren Haftort vor.
Der Protest-Rapper Hossein Afrasiab wurde am Ortseingang von Shahin Shahr in Isfahan von Beamten in Zivil festgenommen. Laut Berichten wurde er dabei geschlagen und anschließend in das Dastgerd-Gefängnis in Isfahan gebracht, das von der Geheimdienstorganisation des IRGC betrieben wird.
Die türkische Staatsbürgerin und Dokumentarfilmerin Mozhgan Ilanloo wurde zusammen mit ihrem Ehemann, dem Filmproduzenten Mohammad Pirhadi, und ihrer Tochter Leyla Pirhadi in Teheran von Regierungskräften festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Am frühen Montagmorgen des 15. März 2026 durchsuchten Zivilbeamte ohne richterlichen Haftbefehl die Wohnung der renommierten Dokumentarfilmerin und nahmen sie zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter fest. Berichten zufolge sei die Festnahme von körperlicher Gewalt und Schlägen begleitet gewesen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels liegen keine genauen Informationen über die Gründe für die Festnahme, die erhobenen Vorwürfe oder den Verbleib der Familie vor.
Einschränkung der Informationsfreiheit & Gefängnissituation
Die erneut verhängte Internetsperre im Iran dauert nun bereits seit 17 Tagen an und die Verfügbarkeit von VPNs ist weiter eingeschränkt .
Der Oberbefehlshaber der iranischen Sicherheitskräfte, Ahmadreza Radan, gab die Festnahme von 500 Personen bekannt. Ihnen wird vorgeworfen, Informationen übermittelt und mit ausländischen Medien kommuniziert zu haben. Die Vorwürfe erfolgen zu einem Zeitpunkt, in dem im Iran ein Internet-Blackout herrscht und das Justizsystem zunehmend auf Schnellverfahren und Schauprozesse setzt. Die IGFM betont, dass dadurch ein faires Verfahren für viele der Festgenommenen kaum gewährleistet werden könne.
Während der anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen verschlechtert sich zugleich die Situation in den iranischen Gefängnissen weiter. Tausende Menschen, darunter zahlreiche Teilnehmer der landesweiten Proteste von Ende 2025 und Anfang 2026, befinden sich weiterhin in Haft; vielfach ohne Zugang zu Anwälten oder zu transparenten Gerichtsverfahren. Zudem berichten Menschenrechtsorganisationen von weiteren Festnahmen während des Krieges, bei denen den Bürgern „Zusammenarbeit mit feindlichen Staaten” oder die Weitergabe von Informationen vorgeworfen wird.
Die Gefängnisse des Landes gelten bereits seit Langem als überfüllt und die Haftbedingungen werden als äußerst problematisch beschrieben. In Einrichtungen wie Evin, Qarchak oder dem Großen Teheraner Gefängnis herrsche extreme Überbelegung, unzureichende medizinische Versorgung und schlechte hygienische Bedingungen. Gleichzeitig wächst die Sorge um die Sicherheit der Inhaftierten, da einige Haftanstalten oder Gebäude in ihrer Nähe während der militärischen Angriffe beschädigt worden sind.








