Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig einen Bericht über die Menschenrechtslage im Iran und verschickt diesen über unseren Mail-Newsletter.

 Tausende tote Zivilisten, stetige militärische Präsenz, Unterbindung von medizinischer Hilfe und wirtschaftlicher Absturz

31. Tag der Revolution

Kurzbericht zur Menschenrechtslage im Iran 

22.–27. Januar 2026 

Im Zeitraum vom 22. bis 27. Januar 2026 berichten internationale Menschenrechtsorganisationen, Medien sowie Augenzeugen über eine weitere massive Verschlechterung der Menschenrechtslage im Iran. Die Nachrichtenagentur Hrana berichtet: "Nach den neuesten erhaltenen Daten hat die Gesamtzahl der bestätigten Todesfälle am 30. Tag seit Beginn der Proteste 6.126 erreicht. 

Unter den Toten befinden sich 5.777 Demonstranten, darunter 86 Kinder unter 18 Jahren, 49 unbeteiligte Zivilisten sowie 214 Angehörige des Unterdrückungsapparats. Unbestätigten Berichten zufolge beträgt die Zahl der getöteten Zivilisten über 30.000 (Bericht des Guardians), der Festnahmen über 41.800 und die der Schwerverletzten über 11.000. Zudem wurden 245 Fälle von erzwungenen Geständnissen gemeldet. Die Gesamtzahl der registrierten Proteste beläuft sich bisher auf 651 in 200 Städten und 31 Provinzen.

Militärische Präsenz und Kontrolle der Städte: 

Zahlreiche Bürgerberichte und unabhängige Medien beschreiben eine faktische Militärherrschaft in vielen Städten. Die Regimeschergen, darunter Revolutionsgarden, Basij-Milizen und Polizeibeamte in Zivil, sind permanent auf den Straßen präsent, errichten Kontrollpunkte und schränken die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung stark ein. Die Atmosphäre ist von Angst, Überwachung und willkürlichen Kontrollen geprägt. 

Opfer der Islamischen Republik: 

Diana Bahador, bekannt als Baby Rider", eine 19-Jährige aus Gonbad-e Kavous in der Provinz Golestan, wurde am 8. Januar 2026 während Protesten in Gorgan von den bewaffneten Einheiten der Islamischen Republik getötet. 

Alireza GhaleghafiAzadshahr, Golestan, 23 Jahre alt. Am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, schossen Agenten zweimal mit scharfer Munition auf ihn und töteten ihn. Seine Familie sollte 700 Millionen Tomans bezahlen, um die Leiche ihres Sohnes zu erhalten. 

Der 11-jährige Belutsche Hazifeh Ostad (Zargar) wurde während der Niederschlagung landesweiter Proteste erschossen. Er spielte keine Rolle bei den Protesten, sondern ging lediglich seinen täglichen Aufgaben nach. Die Kugel traf ihn in der Brust. 

Augenzeugenberichte von Ärzten und medizinischem Personal:

Ärzte und Krankenhauspersonal berichten von einer extremen Belastung der medizinischen Einrichtungen. Viele Verletzte wurden mit schweren Schuss- und Schlagverletzungen eingeliefert. Regimeschergen sollen Krankenhäuser betreten, Verwundete festgenommen und medizinische Hilfe behindert haben. Mehrere Mediziner wurden aufgrund ihrer Hilfeleistung eingeschüchtert oder verhaftet. Diese Praxis stellt eine klare Verletzung der medizinischen Neutralität und internationalen Menschenrechtsstandards dar. 

Dr. Alireza Golchini, Allgemeinchirurg am Dehkhoda-Krankenhaus in Qazvin im Zentraliran, wurde von Regimeschergen festgenommen, da er Demonstranten medizinische Hilfe geleistet hatte. Ihm drohen Anklagen aufgrund angeblicher Spionage und damit die Todesstrafe. Dr. Golchini hatte bereits während der "FrauLebenFreiheit"-Bewegung im Jahr 2023 verletzten Demonstranten geholfen. Bei den jüngsten Protesten veröffentlichte er einen Beitrag auf Instagram, in dem er verwundeten Demonstranten anbot, sich von ihm behandeln zu lassen. Wegen dieser Aktion droht ihm nun die Hinrichtung. 

Fortgesetzte Repressionen: 

Laut Netblocks dauert der Internetausfall im Iran nun schon seit 18 Tagen an. 

 

Es gibt weiterhin Berichte über willkürliche Festnahmen, Einschüchterung von Angehörigen und eingeschränkten Internetzugang.  Das Regime versucht damit Informationen über das tatsächliche Ausmaß der Gewalt zu unterdrücken und zu verschleiern.  

Wirtschaftliche Krise:

Parallel zur politischen Repression befindet sich die iranische Wirtschaft in einer schweren Krise. Der Aktienmarkt verzeichnet deutliche Verluste, das Vertrauen der Investoren ist stark gesunken, und die Inflation bleibt auf einem sehr hohen Niveau. Die Kaufkraft der Bevölkerung nimmt weiter ab, während die Landeswährung an Wert verliert. Diese wirtschaftliche Belastung verschärft die soziale Unzufriedenheit und verstärkt die Protestdynamik. 

Die jährliche Verbraucherpreisinflation erreichte diesen Monat laut dem Statistischen Zentrum des Iran 60 Prozent und damit den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Schätzungen von Branchenaktivisten zufolge haben die Internetstörungen den digitalen Plattformen und Online-Unternehmen Verluste von mehr als 20 Millionen Dollar pro Tag verursacht. 

 

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich Abgeordnete für ihre Freilassung einsetzen.

Navid Zarrehbin Irani

Navid Zarrehbin Irani wurde am 16. Januar 2026 von Sicherheitskräften der Islamischen Regierung in seinem Wohnhaus in Maschhad festgenommen. Seit der Festnahme hat seine Familie keine Informationen über seinen Aufenthaltsort. Ihm und anderen Bahá’ís, die grade verhaftet wurden, droht jetzt die Hinrichtung, ohne einen fairen Prozess.

Erfan Soltani

Erfan Soltani wurde am 10. Januar 2026 ohne richterlichen Haftbefehl festgenommen. Wegen der Teilnahme an Anti-Regime-Demonstrationen droht ihm die Hinrichtung. Der Fall steht exemplarisch für die Instrumentalisierung der iranischen Justiz zur Einschüchterung der Protestbewegung.

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