Verfolgung von christlichen Konvertiten

Im Mai 2017 wurde der 60jährige Nasser Navard Gol-Tapeh zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Strafe sitzt er aktuell im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran ab.
Iran: Christlicher Glaubensgefangener seit vier Jahren inhaftiert
Zehn Jahre Gefängnis wegen „Aufbau einer illegalen kirchlichen Organisation“
Teheran / Frankfurt am Main, 23. August 2021 – Im Iran stehen christliche Konvertiten im Fokus religiös motivierter Verfolgung. Das Schicksal des christlichen Glaubensgefangenen Nasser Navard Gol-Tapeh, der zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde, zeigt, dass die Islamische Republik das Menschenrecht auf religiöse Selbstbestimmung systematisch missachtet, so die in Frankfurt ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
Im Mai 2017 wurde der 60jährige Nasser Navard Gol-Tapeh zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Strafe sitzt er aktuell im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran ab. Mehrere Wiederaufnahmeverfahren wurden bereits abgelehnt, wie auch kürzlich sein Antrag auf Bewährung nach Verbüßung von mehr als einem Drittel seiner Strafe.
„Nasser Navard Gol-Tapeh hat nichts verbrochen – er wurde wegen angeblichen ‚Handelns gegen die nationale Sicherheit durch Gründung und Aufbau einer illegalen kirchlichen Organisation‘ verurteilt, weil er Christ ist. Vor seiner Verhaftung lebte er bei seiner Mutter ihr in Karaj und pflegte sie. Die IGFM fordert das iranische Regime auf, Nasser Navard Gol-Tapeh umgehend freizulassen und das Recht auf religiöse Selbstbestimmung für jeden Menschen im Iran zu respektieren“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Anklage wegen „illegaler Versammlung, Kollusion und Evangelisation“
Nasser Navard Gol-Tapeh wurde am 24. Juni 2016 verhaftet, als Agenten des Geheimdienstes eine Razzia während einer Verlobungsfeier in einem Haus in der Andischeh-Gemeinde von Karaj in der Nähe von Teheran durchführten. Er wurde zwei Monate lang in Einzelhaft intensiven Verhören unterzogen und wegen „illegaler Versammlung, Kollusion und Evangelisation“ angeklagt. Im Oktober 2016 wurde er gegen eine Kaution in Höhe von rund 29.000 Euro vorübergehend freigelassen. Bei seiner Gerichtsverhandlung im Mai 2017 klagte Richter Mashallah Ahmadzadeh ihn an, „durch die Gründung und Einrichtung einer illegalen kirchlichen Organisation in seinem Haus gegen die nationale Sicherheit zu handeln“. Das Gericht stützte sich bei der Verurteilung auf einen Bericht des Ministeriums für Staatssicherheit, weigerte sich aber, diesen Bericht Nassers Verteidiger Hossein Ahmadi Niaz vorzulegen. Am 23. Mai verurteilte ihn der Richter zu einer zehnjährigen Haftstrafe. Das Urteil wurde ihm aber erst am 12. Juni 2017 mitgeteilt.
Berufung trotz Unschuld verloren
Nasser Navard Gol-Tapeh legte gegen sein Urteil Berufung ein. Die Berufungsklage beim Revolutionsgericht in Teheran wurde am 12. November 2017 abgewiesen. Am 20. Januar 2018 wurde Nasser in die Abteilung 8, Saal 10, des Evin-Gefängnisses eingeliefert, um seine zehnjährige Strafe zu verbüßen. Als er Anfang August 2020 Symptome von Covid-19 aufwies, wurde er nicht untersucht, sondern erhielt lediglich Schmerzmittel. Die IGFM sorgt sich um Nassers Gesundheit sowie um die seiner Mutter und fordert seine umgehende Freilassung. In einer kürzlich veröffentlichten Audiobotschaft aus dem Gefängnis spricht der christliche Konvertit über seinen starken Glauben, Vergebung und Gerechtigkeit.