Kinder Opfer der Sinisierung

In der Volksrepublik China steht die Kommunistische Partei über dem Gesetz und duldet keine Autorität neben oder gar über sich. Ethnische und religiöse Minderheiten sind systematischer Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt.
IGFM:Kinder Opfer der Sinisierung
– China treibt Auflösung tibetischer Identität voran
IGFM kritisiert anhaltend starke Einschränkung der Religionsfreiheit sowie totalitäre Assimilierungspolitik
Lhasa / Frankfurt am Main, 5. Januar 2023 – Neues Jahr, alte Taktik: Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) beobachtet mit großer Sorge die forcierte Sinisierung tibetischer Jugendlicher sowie die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen durch die Volksrepublik China. Nach Informationen der IGFM wurden im Jahr 2022 mindestens 94 Tibeter willkürlich verhaftet, 14 davon waren wegen „Anstiftung zum Separatismus“, „Gefährdung der Staatssicherheit“ und „Verrat von Staatsgeheimnissen“ zu Haftstrafen zwischen zwei und vierzehn Jahren verurteilt worden. Mindestens fünf tibetische politische Gefangene seien im letzten Jahr an den Folgen von Folter gestorben. Oft seien Angehörige von Religionsgemeinschaften im Fokus der permanenten Überwachung und Kontrolle durch die chinesischen Behörden.
„Chinas kommunistische Führung perfektioniert die Auslöschung der kulturellen Identität der Tibeter wie auch die der Uiguren. Im Fokus der Sinisierungskampagne stehen aktuell Kinder und Jugendliche in Tibet wie auch Christen und Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften. Geistliche Schriften werden kommentiert und zensiert, die Religionsfreiheit wird zunehmend eingeschränkt – die internationale Gemeinschaft darf dies im neuen Jahr nicht weiter stillschweigend tolerieren“, fordert Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Repressive Religionspolitik mit ständiger Überwachung trifft auch Christen
Nach Informationen der IGFM müssen sich Anhänger der sieben anerkannten Religionsgemeinschaften bei den Behörden registrieren und leiden unter ständiger Überwachung sowie Kontrolle. Die Chinaexperten erfahren häufig von Fällen staatlicher Repression gegen unabhängige Glaubensgruppen oder die so genannten evangelischen Hauskirchen. Die IGFM kritisiert die offizielle Anerkennung der Einmischung der Kommunistischen Partei bei der Religionsausübung durch das umstrittene Geheimabkommen des Vatikans mit der Volksrepublik China. Im Oktober 2022 wurde diese Vereinbarung, bei der es unter anderem darum gehen soll, gemeinsam Bischöfe im Land zu ernennen, um weitere zwei Jahre verlängert. Einer der bekanntesten Kritiker der repressiven Religionspolitik ist der frühere Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-Kiun. Er war im Mai 2022 verhaftet, auf Kaution freigelassen und Ende November mit fünf weiteren Menschenrechtlern zu Geldstrafen verurteilt worden. Angeblich sollen sie einen Fonds für inhaftierte Demokratieaktivisten nicht ordnungsgemäß registriert haben.
Tibetische Kinder sollen in Internaten auf Kurs gebracht werden
Die Sinisierung der tibetischen Bevölkerung beginnt schon bei den Jüngsten: So bezeichnet die IGFM die Vorgänge in Internaten für tibetische Kinder als besorgniserregend. Dort werden Schätzungen zufolge 800.000 bis 900.000 tibetische Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren und etwa 100.000 Vorschulkinder im Alter von vier bis sechs Jahren im Sinne der Volksrepublik umerzogen. Getrennt von ihren Familien werden sie nur in Mandarin-Chinesisch unterrichtet und von ihren kulturellen und religiösen Traditionen entfremdet. Die chinesischen Behörden haben eine Vielzahl von tibetischen Schulen geschlossen, damit die Eltern keine andere Wahl haben, als ihre Kinder auf diese Internate zu schicken. Die IGFM weist darauf hin, dass diese Internate nicht nur die tibetische Sprache und Kultur auslöschen sollen. Zusätzlich verstoßen sie gegen verschiedenste Menschenrechtsabkommen und verletzen die Rechte der Kinder. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation fordert die Volksrepublik China auf, die kulturelle Identität der Tibeter zu respektieren und die Sinisierung der Kinder und Jugendlichen in Internaten zu stoppen.