Nordkorea: Pandemie verschärft Notlage

Faszinierende Bilder von Militärparaden und Jubelchöre für den Diktator Kim Jong-un werden gerne zur Festigung der Macht und des Ansehens veröffentlicht.
Die Realität in Nordkorea ist jedoch eine andere, die Menschen dort sind verzweifelt. Viele versuchen, mit Hilfe von Telefonmaklern, aus dem Land geflohene Verwandte zu kontaktieren, die ihnen Geld und Informationen schicken. Immer öfter geben sich jedoch nordkoreanische Agenten als Telefonmakler aus. Wer beim Kontakt zu geflohenen Verwandten erwischt wird, dem drohen harte Strafen im Gefangenenlager.

Nordkorea: Kontakt mit geflohenen Verwandten wird mit Gefangenenlager bestraft

Pandemie verschärft Notlage – IGFM fordert China auf, Flüchtlinge nicht zurückzuschicken

Frankfurt am Main, 28. September 2021 – Die Abriegelung der chinesisch-nordkoreanischen Grenze und das Aussetzen des Handels im Zuge der Pandemie haben in Nordkorea die Notlage bei Nahrungsmitteln und Medikamenten dramatisch verstärkt. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, sind die Menschen in Nordkorea verzweifelt und versuchen, mit Hilfe von Telefonmaklern, aus dem Land geflohene Verwandte zu kontaktieren, die ihnen Geld und Informationen schicken. Immer öfter geben sich jedoch nordkoreanische Agenten als Telefonmakler aus, wie die IGFM erfahren hat. Wer beim Kontakt zu geflohenen Verwandten erwischt wird, dem drohen harte Strafen im Gefangenenlager.

Besonders in den nördlichen Grenzregionen sind chinesische Mobilfunknetze zugänglich. Dort bieten sogenannte Telefonmakler gegen eine Gebühr an, sich mit chinesischen Handys illegal in das Mobilfunknetz Chinas einzuwählen. Dadurch können geflohene Nordkoreaner ihren Verwandten in der Heimat Informationen und Geld senden. Diese wollten Hunger, Überwachung und der Unterdrückung von elementaren Menschenrechten entkommen. Denn in Nordkorea wird die Meinungs-, Glaubens-, Bewegungs- sowie Informationsfreiheit stark einschränkt und „politisch unzuverlässige“ Bürger in Straflagern bis hin zum Tode gefoltert – selbst vor Kindern wird nicht Halt gemacht. Die Flüchtlinge sind oft ehemalige Mitglieder der „Koreanischen Arbeiterpartei“ oder haben Familie in Südkorea, die ihre Flucht finanzierten. Wenn sie entdeckt und zurückgeschickt werden, ist dies häufig gleichbedeutend mit einem Todesurteil, wie die IGFM berichtet.

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, verweist darauf, dass bereits zu Beginn der Pandemie das nordkoreanische Regime die Überwachung und Bestrafungen intensiviert habe. „Viele Nordkoreaner haben deshalb aus Angst den Kontakt zu im Ausland lebenden Verwandten abgebrochen“. Die wirtschaftliche und humanitäre Notlage zwinge die Menschen nun aber dazu, dieses Risiko erneut einzugehen. Die Betroffenen arbeiten mit Codes und Tricks, um echte Vermittler von falschen zu unterscheiden und ohne Überwachung telefonieren zu können“, so Lessenthin. Wer Kontakt mit Geflüchteten im Ausland hält, zählt für das Ministerium für Staatssicherheit sowie für die nordkoreanische Polizei als politischer Krimineller.

China bricht weiter Völkerrecht

Tausende Nordkoreaner wagen jedes Jahr die Flucht ins Nachbarland China, um Hunger, Elend und Verfolgung zu entkommen. Schon vor der Pandemie war die Tendenz jedoch rückläufig, da die Grenze durch nordkoreanisches Militär immer stärker bewacht und die Flucht immer schwieriger wurde. Die Volksrepublik China liefert seit Jahren aufgegriffene Flüchtlinge aus und verletzt dabei bindendes Völkerrecht. Denn China ratifizierte beide Abkommen der Genfer Flüchtlingskonvention aus den Jahren 1951 und 1967. In Nordkorea erwartet die Geflohenen – und oft auch deren Familien – Folter und Tod. Die IGFM fordert China auf, geltendes Völkerrecht zu achten und den Geflüchteten Asyl zu gewähren beziehungsweise sie nach Südkorea weiterreisen zu lassen.

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