Hintergrund: Nigeria – Afrikas verwundetes Herz
Nigeria, im Westen Afrikas gelegen, ist mit etwa 170 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Die Bevölkerung besteht jeweils etwa zur Hälfte aus Christen und Muslimen. Das Land steht im Zentrum der Bemühungen von Islamisten, die gegen den Widerstand sowohl der christlichen Bevölkerungshälfte als auch der zahlreichen moderaten Muslime die Herrschaft der Scharia anstreben. Mit diesem Ziel führt die Terrorgruppe „Boko Haram“, auch „die Al-Quaida von Nigeria“ genannt, seit Jahren einen blutigen Terrorfeldzug durch, dem bereits Tausende zum Opfer gefallen sind.
Nigeria hat eine lange Geschichte religiöser Konflikte. Diese wurden vor allem durch die Vermischung ethnischer und religiöser Politik angeheizt: Viele von Nigerias Ethnien bestehen zur überwältigenden Mehrheit entweder aus Christen oder aus Muslimen, so dass akute Konflikte zwischen Ethnien auch latente Feindseligkeiten zwischen Glaubensgemeinschaften aufflammen lassen, und umgekehrt.
Unter den Konflikten litten bisher vor allem die Christen im Süden, etwa während der Sezession von Biafra Ende der Sechziger Jahre. Als Nigeria nach langer Militärdiktatur 1999 zur Demokratie fand, kamen zahlreiche nigerianische Muslime zu dem Schluss, dass sie unter dem christlichen Präsidenten Olusegun Obasanjo ihre Vormachtstellung verlieren würden.
Diese Erwartung ist eine der Voraussetzungen, aus denen Boko Haram geboren wurde. In gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen starben in Nigeria bisher mehr als 48.000 Menschen. Allein im ersten Monat des Jahres 2014 erreichte die Zahl der Todesopfer bereits 200.
Der Konflikt in Nigeria ist von mehr als nur lokaler Bedeutung. Jeder sechste Afrikaner lebt in Nigeria; Nigeria ist, trotz aller Probleme, nach Südafrika die zweitgrößte Volkswirtschaft Afrikas und von herausragender Bedeutung für die Wirtschaft Afrikas insgesamt. Zudem hat Nigeria enormen politischen Einfluss in der Region, etwa in Form von nigerianischen Friedenstruppen in zahlreichen Konfliktregionen. Dauerhafte politische Instabilität in Nigeria, wie auch die wirtschaftlichen Krisen, die häufig die Folge solcher Instabilität sind, hätten daher überproportionale Folgen für das restliche Afrika. Ein islamistisch dominiertes Gesamt-Nigeria, das seine wirtschaftliche und politische Vormachtstellung in Afrika für die Verbreitung eines extremistischen Islams ausnutzt, wäre eine Katastrophe für den ganzen Kontinent.
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Nigeria hat eine lange Geschichte religiöser Konflikte, welche vor allem durch die Vermischung ethnischer und religiöser Politik angeheizt wurden.