FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 2 – März 2026

Nigeria: Dramatische Folgen des Dschihadisten-Terrors

IGFM-Kuratoriumsmitglied Professor Obiora Ike war früher Generalvikar (Verwaltungsleiter) des katholischen Bistums Enugu. Der Theologe, Politikwissenschaftler und Sozialethiker gründete mindestens 20 regierungsunabhängige Organisationen. Nach wie vor reist er viel in seinem Land und ist vor Ort bestens vernetzt. Das Bild zeigt ihn beim Besuch einer neuen Pfarrei. Foto: M. Koller

Überlebende von Überfällen und Entführungen benötigen unsere Hilfe

„Erst kürzlich ist ein Mitarbeiter nicht weit von hier entführt worden; er war auf dem Weg zu einer anderen Stadt, etwa eine Autostunde von Enugu entfernt in nördlicher Richtung. Auch eine Gruppe von 20 Personen wurde in der Nähe gekidnappt“, schreibt uns Professor Obiora Ike, Mitglied des Kuratoriums der IGFM, im Januar 2026. Ihm zufolge bekennen sich Fulani-Dschihadisten und andere islamistische Terrorgruppen zu den Entführungen, inzwischen aber auch kriminelle Trittbrettfahrer. „Ich bin an mehreren Verhandlungen zur Befreiung entführter Christen beteiligt.“ Obiora Ike ist Priester und gründete das Katholische Institut für Entwicklung, Gerechtigkeit und Frieden (CIDJAP) im südnigerianischen Bistum Enugu. CIDJAP ist im Südosten Nigerias eine wichtige Anlaufstelle für Angehörige von Opfern, Überlebende schwerster politischer Gewalt und für viele Binnenflüchtlinge. Seit 2005, als die IGFM erstmals vor Ort Opfer islamistischer Gewalt interviewte, hilft sie zusammen mit CIDJAP vielen Betroffenen.

Was sich seit dem Jahreswechsel in Nigeria deutlich zeigt, ist ein systematischer Zusammenbruch der nationalen Sicherheit, der sich vom Norden aus ausgebreitet hat. Allein im November 2025 wurden mindestens 400 Menschen in vier Bundesstaaten im nördlichen Zentrum Nigerias entführt, darunter Schulkinder in Niger. Am 18. Januar 2026 kam es zu Massenentführungen im Dorf Kurmin Wali im Bundesstaat Kaduna: Aus zwei Kirchen wurden 177 Besucher verschleppt, 91 von ihnen konnten entkommen, die übrigen wurden Anfang Februar freigelassen. Jedoch kam für mehr als 160 Menschen aus zwei Dörfern im Bezirk Kaiama (Bundesstaat Kwara) am 3. Februar jede Hilfe zu spät: Dschihadisten verübten an ihnen aus Rache ein Massaker, weil sich die Bevölkerung, mehrheitlich Muslime, weigerte, sich der rigiden Islamlehre dieser Gruppe zu unterwerfen.

Durch diese massenhaften Überfälle, Morde und Entführungen werden Familien auseinandergerissen, rutschen ins Elend ab. Weite Gebiete auf dem Land werden verlassen, weil sich die Bewohner nicht mehr sicher fühlen. Die Täter sind anscheinend nicht aufzuhalten. Seitens der Politik bleibt es in der Regel bei Beileidsbekundungen und Zusicherungen. „Die Regierung und ihre Sicherheitsbehörden sind überfordert oder nicht bereit, sich dieser gravierenden Sicherheitslage zu stellen“, schreibt Ike weiter.

Das, was der Priester in den Entführungsfällen leistet, erfordert Fingerspitzengefühl und noch mehr, um Leben zu retten: „Das kostet viel Energie, Zeit, Mut und Geld“, räumt er ein. Nach der Befreiung ist psychologische Rehabilitation und eine Umsiedlung nötig, damit die Betroffenen wieder zur Ruhe kommen können. Oftmals müssen Kinder zeitweise untergebracht und betreut werden oder sie bleiben vollkommen verwaist zurück.

CIDJAP ist für viele Gewaltopfer die einzige Hoffnung. „Wir sind weiterhin auf der Suche nach Mitteln für die Rehabilitation, um die Entführten nach ihrer Befreiung wieder in einen normalen Alltag zu integrieren“, schreibt Obiora Ike. Er versichert: „Wir geben nicht auf, sondern bleiben standhaft und sind bestrebt, Hoffnung zu geben.“ Die IGFM hat ihm bereits weitere finanzielle Unterstützung zugesichert. Schon mit 5.000 Euro können Obiora Ike und sein Team wirkungsvoll helfen. Wir bitten Sie um Ihren Beitrag dazu.

Dieser Artikel wurde publiziert in der  März 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘

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