FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 2 – März 2026
Pakistan: Bereits die dritte Generation schuftet wie Sklaven

Mühsam werden die Ziegelsteine vom Brennofen auf Schubkarren abtransportiert; Foto: M. Koller
Schon der Opa der 15-jährigen Sania geriet in Schuldknechtschaft
„Javed und Suraya haben einen Sohn und sechs Enkelkinder. Das Jüngste ist das 15-jährige Mädchen Sania. Es besteht die konkrete Gefahr, dass sich dieses Schicksal noch in die vierte Generation fortsetzt“, berichtet Sajid Christopher von der Human Friends Organization (HFO) in einer E-Mail am 3. Februar 2026 aus Pakistan. Er macht sich Sorgen um diese christliche Familie, die ungewöhnlich lange bereits unter der Last der Schuldknechtschaft leidet.
Seit mehr als dreißig Jahren steht der inzwischen 72-jährige Javed Masih neben den Brennöfen der Ziegelei. Er ist von andauernder Erschöpfung gezeichnet, eine Folge dieser auszehrenden körperlichen Arbeit und des ständigen Kampfes um das Notwendigste zum Überleben. „An seiner Haut erkennt man, dass der Staub der Ziegelei sich darauf festgesetzt hat, und das Gewicht der Ziegel hat seine Schultern gebeugt“, beschreibt ihn Christopher.
„Die Tage in der Ziegelei beginnen vor Sonnenaufgang. Javed Masih und seine Familie arbeiten in der Hitze des Sommers, in der jeder Schritt, den sie tun, Staub aufwirbelt und im Winter, bis sie ihre Hände nicht mehr spüren können“, schildert uns Christopher
das Schicksal. Während der Großvater Ziegel brennt, formen die Angehörigen weitere Lehmklötze und legen sie zum Trocknen aus. Sie müssen alle mithelfen, damit sie nur genug zu essen haben; für medizinische Versorgung bleibt ihnen nichts übrig und erst recht reichten die Einnahmen nie dazu aus, dass der Sohn oder die Enkelkinder die Schule besuchen konnten.
Im Laufe der Zeit wuchs ein Kredit, der aus Verzweiflung aufgenommen wurde, um das grundlegende Überleben zu sichern, zu einer unüberschaubaren Schuld heran. Heute schuldet Javed 399.756 Rupien, was etwas mehr als 1.200 Euro entspricht. Das ist eine Summe, die weit über seine Rückzahlungsmöglichkeiten hinausgeht. „Diese Schuld bindet ihn an die Ziegelei und hält ihn in einem Kreislauf gefangen, in dem seine Arbeit nicht zum Fortschritt seiner Familie beiträgt, sondern dazu, einen Schuldenstand zu bedienen, der sich nie verringert“, schreibt Christopher weiter. Der Besitzer der Ziegelei weigert sich, ihn ziehen zu lassen, bis der gesamte Betrag bezahlt ist. Javed Masih lebt wie in Gefangenschaft und seine Zukunft und die seiner Nachfahren ist von der Angst überschattet, dass die Knechtschaft für sie persönlich erst mit ihrem Tod enden könnte.
In Schuldknechtschaft geraten die Ärmsten, darunter überproportional viele Christen, indem sie sich in Notlagen von dubiosen Geldverleihern Bargeldvorschüsse auszahlen lassen und dabei nicht über die Bedingungen aufgeklärt werden. Und diejenigen, die nie eine Schule besucht haben und nicht lesen und schreiben können, erkennen die Fallen des Kreditvertrags nicht. Um die Schulden tilgen zu können, müssen sie diese dann abarbeiten. Aufgrund hoher Zinssätze und niedriger Löhne verschulden sich die Betroffenen häufig immer weiter. Schuldknechtschaft ist nicht nur eine wirtschaftliche Angelegenheit. Sie ist eine Form der modernen Sklaverei, bei der Menschen unter bedrückenden Bedingungen endlos arbeiten, ohne Hoffnung auf ein Entkommen. Arbeitern wie Javed Masih werden somit ihre Rechte und ihre Chancen vorenthalten. Wie dieses Beispiel zeigt, erstreckt sich dieses Schicksal oft bis in die nachfolgenden Generationen.
Einem Report des US-Außenministeriums zufolge schuften 4,5 Millionen Menschen in Pakistan gleichsam wie Sklaven, nicht nur in solchen Ziegelbrennereien, sondern auch als Landarbeiter und Dienstboten. Da sie gezwungen sind, ihre Eltern bei der Arbeit zu unterstützen, werden Schätzungen zufolge mehr als eine Million Kinder auf diese Weise ihrer Chancen auf Bildung und eine gesunde Entwicklung beraubt.
Mit Unterstützung der IGFM holte Christopher bereits mehrfach Familien aus solch misslicher Lage heraus, vor allem, wenn die Kinder durch diese Umstände besonders gefährdet waren. Wir möchten auch dieser Familie zu einem Neuanfang verhelfen und rechnen mit Kosten von rund 2.000 Euro. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung.
Dieser Artikel wurde publiziert in der März 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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