Oliver Bruno Palacios

Olvier Bruno Palacios, Parkranger und Angehöriger der indigenern Minderheit der Mayangna, verbüßt 25 Jahre Haft in Nicaragua und leidet unter Misshandlungen, schlechter Haft und fehlender medizinischer Versorgung.
Parkranger in Haft in Nicaragua
Oliver Bruno Palacios gehört dem indigenen Volk der Mayangna an und stammt aus der Gemeinde Musawas im autonomen Karibikgebiet Nicaraguas. Gemeinsam mit seinem Vater Rodrigo Bruno Arcángel und seinem Bruder engagierte er sich als freiwilliger Parkranger zum Schutz des indigenen Territoriums im Mayangna-Sauni-As-Gebiet des Biosphärenreservats Bosawás. Dort dokumentierten sie illegale Landnahmen durch bewaffnete Siedler.
Am 13. August 2023 wurde Oliver Bruno Palacios bei einem nächtlichen Polizeieinsatz in seinem Haus festgenommen. Berichten zufolge drangen Polizeikräfte gewaltsam in die Wohnung der Familie ein, zerstörten Teile des Hauses und misshandelten mehrere Familienmitglieder. Oliver wurde gefesselt, geschlagen und während der Festnahme in einen Fluss gestoßen. Die Behörden beschuldigten ihn später, an der sogenannten Masacre de Kiwakumbaih beteiligt gewesen zu sein.
Am 5. Februar 2024 wurde er gemeinsam mit anderen Angehörigen seiner Familie wegen organisierter Kriminalität, illegalen Waffenbesitzes und weiterer Straftatbestände zu 25 Jahren Haft verurteilt. Internationale Beobachter kritisierten das Verfahren, unter anderem weil der Prozess ausschließlich auf Spanisch geführt wurde, obwohl seine Muttersprache Mayangna ist.
Oliver Bruno Palacios befindet sich gegenwärtig im Hochsicherheitsgefängnis Jorge Navarro Maximum Security Penitentiary („La Modelo“).
Festnahme und Haftbedingungen
Seit seiner Inhaftierung wird Olvier Bruno Palacios unter äußerst schwierigen Bedingungen festgehalten. Er teilt sich eine Hochsicherheitszelle mit seinem Vater. Die Zelle steht unter permanenter Video- und Audioüberwachung, und den Gefangenen wird untersagt, in ihrer indigenen Sprache Mayangna miteinander zu sprechen.
Berichten zufolge sind die Haftbedingungen äußerst prekär:
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Die Gefangenen müssen auf dem Boden schlafen, ohne Matratzen.
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Es gibt nur eine Mahlzeit pro Tag in kleinen Portionen.
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Der Zugang zu Trinkwasser ist begrenzt.
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Die Zellen sind von Insekten befallen und extremen Temperaturen ausgesetzt.
Oliver Bruno Palacios soll während der ersten Monate seiner Haft wiederholt geschlagen worden sein, teilweise mit Schlagstöcken. Dabei verlor er zeitweise das Bewusstsein und litt über längere Zeit unter starken Kopfschmerzen und Nasenbluten. Außerdem entwickelte er eine schwere Harnwegsinfektion und berichtete, Blut im Urin zu haben.
Seine Familie versuchte, ihm Medikamente zu schicken, doch diese sollen ihm von Gefängnispersonal nicht ausgehändigt worden sein. Angehörige berichteten außerdem, dass er stark an Gewicht verloren habe und sehr geschwächt wirke.
Besuche sind selten und dauern nur wenige Minuten. Aufgrund der großen Entfernung zwischen seiner Heimatgemeinde und dem Gefängnis sind sie für seine Familie schwer zu organisieren.
Verurteilung
Am 5. Februar 2024 wurde Oliver Bruno Palacios vom Fünften Strafgericht in Managua zu 25 Jahren Haft verurteilt. Ihm wurden unter anderem organisierte Kriminalität, Drohungen mit Waffen sowie illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Verfahren wegen möglicher Verletzungen grundlegender Verfahrensrechte, darunter mangelnder Zugang zu Verteidigern, fehlende Dolmetscher sowie eingeschränkter Zugang zu den Prozessakten.
Im Februar 2026 stellte die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) fest, dass das Leben, die körperliche Unversehrtheit und die Gesundheit von Olvier Bruno Palacios in ernsthafter Gefahr sind, und ordnete Schutzmaßnahmen an.
Hintergrund
Oliver Bruno Palacios gehört zu einer Gruppe indigener Gemeindemitglieder, die sich gegen die zunehmende Gewalt und Landnahme durch bewaffnete Siedler in der Karibikregion Nicaraguas einsetzen. In den letzten Jahren wurden mehrere indigene Führungspersonen und territoriale Verteidiger strafrechtlich verfolgt.
Menschenrechtsorganisationen wie die IGFM sehen in der Festnahme von Oliver Bruno Palacios und anderen Parkrangern ein Beispiel für die Kriminalisierung indigener Landverteidiger im Zusammenhang mit Konflikten um indigene Territorien.
Stand: März 2026


