Rodrigo Bruno Arcángel

Rodrigo Bruno Arcángel, indigener Mayangna, verbüßt 25 Jahre Haft in Nicaragua unter schweren Bedingungen und ohne ausreichende medizinische Versorgung.
25 Jahre Haft für indigenen Parkwächter
Rodrigo Bruno Arcángel ist Angehöriger des indigenen Volkes der Mayangna aus der Gemeinde Musawas im autonomen Karibikgebiet Nicaraguas. Er ist Gemeindemitglied, Familienvater und engagierte sich gemeinsam mit seinen Söhnen als freiwilliger Parkranger und Verteidiger des indigenen Territoriums im Mayangna Sauni As-Gebiet im Biosphärenreservat Bosawás. Dort setzte er sich gegen die gewaltsame Landnahme durch bewaffnete Siedler ein.
Am 13. August 2023 wurde Rodrigo Bruno Arcángel in den frühen Morgenstunden bei einem gewaltsamen Polizeieinsatz in seinem Haus festgenommen. Polizisten drangen ohne ordnungsgemäße Ankündigung in die Wohnung ein, zerstörten Teile des Hauses und misshandelten ihn körperlich. Berichten zufolge wurde er zu Boden geworfen und geschlagen, wodurch er unter anderem eine schwere Ohrenverletzung erlitt, die bis heute gesundheitliche Folgen hat.
Im Februar 2024 wurde er im Zusammenhang mit der sogenannten Masacre de Kiwakumbaih wegen angeblicher organisierter Kriminalität, illegalen Waffenbesitzes und weiterer Delikte zu 25 Jahren Haft verurteilt. Internationale Beobachter, darunter eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen, stuften seine Inhaftierung als willkürlich ein. Das Gerichtsverfahren fand ausschließlich auf Spanisch statt, obwohl seine Muttersprache Mayangna ist. Ein Dolmetscher wurde nicht bereitgestellt, was seine Verteidigung erheblich erschwerte.
Derzeit ist Rodrigo Bruno Arcángel im Hochsicherheitsgefängnis Jorge Navarro Maximum Security Penitentiary („La Modelo“) inhaftiert.
Festnahme und Haftbedingungen
Seit seiner Festnahme wird Rodrigo Bruno Arcángel unter äußerst prekären Bedingungen festgehalten. Er befindet sich in einer Hochsicherheitszelle, die er mit seinem Sohn teilt. Berichten zufolge darf er seine Zelle seit Beginn der Haft nicht verlassen. Die Zelle ist mit Kameras und Audioüberwachung ausgestattet, wodurch jede Kommunikation kontrolliert wird.
Ihm wird untersagt, in seiner indigenen Sprache Mayangna zu sprechen. Familienbesuche sind selten, stark überwacht und dauern nur wenige Minuten. Aufgrund der großen Entfernung zwischen seiner Heimatgemeinde und dem Gefängnis sind Besuche für seine Familie mit hohen Kosten verbunden.
Die Haftbedingungen gelten als unmenschlich:
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Er muss auf dem Boden schlafen, ohne Matratze.
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Es gibt nur eine Mahlzeit pro Tag, die als unzureichend und hygienisch bedenklich beschrieben wird.
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Der Zugang zu Trinkwasser ist eingeschränkt.
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Die Zelle ist von Insekten befallen und extremen Temperaturen ausgesetzt.
Rodrigo Bruno Arcángel leidet seit seiner Festnahme an chronischen Kopfschmerzen und einer schweren Ohreninfektion mit anhaltendem Ausfluss und Schmerzen. Berichten zufolge kam es wiederholt zu Ohnmachtsanfällen. Trotz seines Gesundheitszustandes erhält er keine angemessene medizinische Versorgung. Anfragen nach ärztlicher Behandlung sollen zu Repressalien geführt haben.
Zudem wurde von Drohungen durch Gefängnispersonal berichtet, darunter Aussagen, dass er im Gefängnis sterben werde.
Verurteilung
Am 5. Februar 2024 wurde Rodrigo Bruno Arcángel vom Fünften Strafgericht in Managua zu 25 Jahren Haft verurteilt. Ihm wurden unter anderem organisierte Kriminalität, illegale Waffenherstellung und -besitz sowie Bedrohung staatlicher Sicherheitskräfte vorgeworfen. Seine Verteidigung hatte nur eingeschränkten Zugang zu den Akten, und das Urteil wurde verspätet zugestellt.
Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) stellte im Februar 2026 fest, dass sein Leben, seine körperliche Unversehrtheit und seine Gesundheit in ernsthafter und akuter Gefahr sind, und ordnete Schutzmaßnahmen an.
Hintergrund
Rodrigo Bruno Arcángel gehört dem indigenen Volk der Mayangna an, das seit Jahren von gewaltsamen Übergriffen bewaffneter Siedler im Karibikgebiet betroffen ist. Die Gewalt eskalierte insbesondere nach der sogenannten Masacre de Kiwakumbaih im Jahr 2021, bei der mindestens elf Indigene getötet wurden.
Statt die mutmaßlichen Angreifer strafrechtlich zu verfolgen, wurden mehrere indigene Gemeindemitglieder – darunter freiwillige Parkranger wie Rodrigo Bruno Arcángel – festgenommen und angeklagt. Menschenrechtsorganisationen sehen darin ein Muster der Kriminalisierung indigener Führungspersonen und Landverteidiger.
Die CIDH kam 2026 zu dem Schluss, dass Rodrigo Bruno Arcángel sich in einer Situation äußerster Gefährdung befindet, und forderte den nicaraguanischen Staat auf, umgehend Maßnahmen zum Schutz seines Lebens und seiner Gesundheit zu ergreifen.
Stand: März 2026


