FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 04 – Mai 2026

Pakistan: Christliche Mädchen werden zum Glaubenswechsel gezwungen

Christliche Mädchen werden zum Glaubenswechsel gezwungen 

Gerichte legitimieren Missbrauch von Minderjährigen 

„Christliche Mädchen werden entführt, zur Konversion und zur Heirat mit ihren Entführern gezwungen. Häufig werden diese Handlungen von den Gerichten legitimiert, trotz klarer Verstöße gegen nationales und internationales Recht. Zwischen 2021 und 2024 wurden mindestens 137 christliche Mädchen als Opfer solcher Verbrechen dokumentiert“, so berichtet Aneeqa Anthony, Koordinatorin der Organisation „The Voice Society“, in ihrer Video-Botschaft für die jüngste IGFM-Jahresversammlung. 

Furcht und Entsetzen breite sich derzeit unter den Angehörigen der kleinen christlichen Minderheit (weniger als zwei Prozent der Bevölkerung) in Pakistan aus, so schrieb sie uns kurz vor der Versammlung: Auslöser ist das skandalöse Urteil des pakistanischen Bundesverfassungsgerichts vom 25. März 2026, das die Gültigkeit der Zwangsehe zwischen einem 13-jährigen christlichen Mädchen namens Maria und ihrem 30-jährigen muslimischen Entführer Shehryar Ahmad für rechtskonform erklärt hat. Der Mann, der sie am 29. Juli 2025 kidnappte, zwang sie auch, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Gerichte ignorieren häufig Altersnachweise und schicken die Kinder an die Täter als „rechtmäßige“ Ehefrauen zurück. 

Die IGFM begleitet seit Jahren Opfer derartigen Unrechts, darunter die inzwischen 20-jährige Maira Shahbaz. Im April 2020 entführten drei Männer die damals knapp 14-Jährige unter Waffengewalt, zwangen sie, zum Islam überzutreten und einen ihrer Entführer zu heiraten. Ihre Familie reichte daraufhin Klage ein, um die Heiratsurkunden ihres Entführers anzufechten, in denen angegeben war, Shahbaz sei 19 Jahre alt. Im August 2020 beschloss die Berufungsinstanz in Lahore, dass Shahbaz wieder in die Obhut ihres Entführers zurückgebracht werden sollte. „Das war eine sehr schlimme Zeit für mich. Ich möchte mich nicht einmal daran erinnern. Ich danke Gott, dass ich heute zu Hause bin. Damals hatte ich das Gefühl, ich müsste sterben – entweder, indem ich mich vor ein Auto werfe oder etwas einnehme. Ich weinte ständig und war extrem verzweifelt“, erinnert sie sich in einem Video-Interview, das bei der Stephanus-Sonderpreisverleihung an die Hamburger „Lichterkette für verfolgte Christen“ am Rande der diesjährigen IGFM-Jahresversammlung gezeigt wurde. 

Noch im selben Monat nach dem Urteil flüchtete Shahbaz und kehrte zu ihrer Familie zurück. Da der Täter gedroht hatte, ihre Familie zu töten, tauchten sie zusammen unter. „Wir haben eine sehr schwere Zeit durchgemacht. Wir haben um unser Leben gefleht, sogar vor Verwandten, aber niemand hat uns geholfen. Sie sagten, es sei zu riskant für sie und sie fürchteten um ihr eigenes Leben“, verriet sie und weinte. Nach Jahren im Untergrund zog Shahbaz mit ihrer Familie zeitweise ins Ausland. Inzwischen lebt sie wieder in Pakistan, aber unter fortwährender Angst. „Ich bleibe zu Hause, aber mein Mann sagt, er habe das Gefühl, dass ihm Leute folgen. Die Lage im Land ist schlecht, und er hat Angst und geht daher manchmal nicht zur Arbeit“, sagt Maira Shahbaz weiter. 

Der IGFM ist bekannt, dass Behörden durch radikal-islamische Netzwerke in Pakistan unter Druck gesetzt werden, die Entführer zu verschonen. Im Jahr 2021 lag dort ein Gesetzesentwurf vor, der die Ausweispflicht bei Eheschließung ebenso vorsah wie die weitere Anhebung des Mindestheiratsalters. Extremistische Gruppen liefen dagegen Sturm und erreichten schließlich ihr Ziel, denn es blieb bei dem Entwurf. Solche Gruppen setzen sogar Belohnungen für Entführungen christlicher und hinduistischer Mädchen aus, nur um die Ausdehnung der Mehrheitsreligion zu Lasten der Minderheiten voranzutreiben. 

Um Verfolgten bei akuter Bedrohung beistehen zu können, haben Partnerorganisationen die IGFM mehrfach in jüngster Zeit um Hilfe ersucht: Der Plan ist, die Betroffenen zu evakuieren und in sogenannten „Safe Houses“ unterzubringen. Wir haben sie durch Zuschüsse zum Lebensunterhalt oder Transport unterstützt. Daher wollen wir für ein paar Monate vorsorgen und einen Fonds für diese Notfälle in Höhe von 6.000 Euro einrichten. Maira Shahbaz‘ Bedarf möchten wir auch aus diesem Gesamtbetrag bezuschussen. Bitte helfen Sie uns dabei.

Dieser Artikel wurde publiziert in der  Mai 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘

Jetzt spenden

Pakistan (46)

Zum Spendenformular

Weitere Beiträge der Mai 2026-Ausgabe

  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte04 - 2026

    Zukunftschancen statt Terror: Nach der Flucht vor islamistischen Milizen und bitterer Armut erhält die 19-jährige Agnes C. durch die IGFM und das Hilfswerk WETE die Chance auf eine Berufsausbildung in Südnigeria. Trotz der anhaltenden Gewalt gegen die christliche Bevölkerung ermöglichen diese Patenschaften jungen Frauen einen Neuanfang durch handwerkliche Ausbildung und psychologischen Beistand.

    Published On: Mittwoch, Mai 6, 2026
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte04 - 2026

    Trotz Armut und Flucht zur Ärztin: Dank der finanziellen Unterstützung durch die IGFM studiert die Jesidin Subaz Ali Medizin an der Universität Mosul. Sie möchte bewusst in ihrer irakischen Heimatregion Kurdistan bleiben, um andere Geflüchtete zu unterstützen und den Wiederaufbau aktiv mitzugestalten.

    Published On: Dienstag, Mai 5, 2026
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte04 - 2026

    Vom Straflager zurück ins Leben: Nach 17 Monaten ungerechtfertigter Haft und schwerer Misshandlungen in Russland konnte der Russlanddeutsche Kevin Lick durch einen Gefangenenaustausch nach Deutschland zurückkehren. Heute besucht der ehemalige politische Gefangene das Gymnasium, um sein Abitur nachzuholen und macht sich aktiv für die rund 130 verbliebenen minderjährigen Inhaftierten in seiner ehemaligen Heimat stark.

    Published On: Dienstag, Mai 5, 2026
Nach oben