FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 9 – Oktober - 2026
Pakistan: Die schwere Last der Schuldknechtschaft

Befreiung von Schulden als letzter Ausweg
„Akram Masihs Zustand erfordert sofortige Hilfe. Er kann kaum noch stehen und benötigt daher eine angemessene ärztliche Behandlung seiner Bandscheibenprobleme. Vor drei Jahren fing alles mit starken Schmerzen im Rücken an. Die Erkrankung macht schwere körperliche Arbeit nahezu unmöglich. Um sich medizinisch versorgen zu lassen, musste er sich schon einmal vom Besitzer der Ziegelei Geld leihen, was ihn noch tiefer in die Verschuldung trieb“, schrieb Sajid Christopher von der Human Friends Organization (HFO) im pakistanischen Lahore in einer E-Mail an die IGFM. Unerwartete Auslagen wegen Krankheit, witterungsbedingte Verdienstausfälle – gegen all das ist Akram nicht abgesichert.
Der 46-Jährige ist einer der Schuldknechte, die der HFO durch ihre Einsätze in den Ziegeleien der Provinz Punjab bekannt sind. Die Menschen, die Christopher und sein Team in diesen Betrieben regelmäßig besuchen, entstammen in der Regel diskriminierten sozialen Gruppen; mindestens die Hälfte der Beschäftigten dort sind Christen. Der Anteil der christlichen Bevölkerung macht landesweit in Pakistan jedoch nicht einmal zwei Prozent aus. Das Team hilft den bedürftigen Familien bei ihren Besuchen unter anderem mit Lebensmitteln und Medikamenten.
Auch Akrams Leben ist durch Armut, Kampf ums Überleben und einen Schuldenkreislauf geprägt. Da er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlug, konnte er keinen Kredit von einer Bank erwarten. So ging Akram in Geldnot vor 15 Jahren auf ein Angebot des Besitzers der Ziegelei ein und lieh sich von ihm einen Betrag. Seither schuftet er für seinen Betrieb, stellt täglich Hunderte Ziegelsteine mühsam aus Lehm her. Im Jahr 2017 bekam er mit seiner Frau Madiha eine Tochter; zwei und vier Jahre später folgten die Geburten der Söhne.
Mit der Größe der Familie stieg auch der Bedarf an und so nahm er noch mehr Schulden auf. Währenddessen ließen die körperlichen Kräfte nach. Durch das andauernde schwere Heben beim Transport der Ziegel zum Brennofen setzte unaufhaltsam der Verschleiß der Bandscheiben ein. Akram arbeitet dort aber weiter, weil er keine andere Wahl hat. Seine Frau und seine kleinen Kinder müssen mithelfen, um auf die erforderliche Menge an Ziegelsteinen zu kommen, die ihnen das nackte Überleben sichert.
„Für die Kinder ist es höchste Zeit, endlich zur Schule zu gehen“, schrieb Sajid Christopher weiter. „Es ist nicht nur eine Frage des Mitgefühls mit dem Vater, sondern es geht auch um die Rechte der Kinder, etwa auf Bildung und auf Gesundheit.“ Da die Betriebe damit kalkulieren, dass die Familien der Schuldner bei der Produktion kräftig mit Hand anlegen, ist Arbeit von Kindern dort verbreitet. Und die Ziegelei-Besitzer rechnen bereits mit der nächsten Generation von Schuldknechten: Ohne Lesen, Schreiben und Rechnen zu können, ist es fast unmöglich, diese Abhängigkeit hinter sich zu lassen.
Sajid Christopher und sein Team erfassen bei ihren humanitären Einsätzen in den Ziegeleien den Bedarf der Betroffenen, insbesondere der Familien mit kleinen Kindern oder der Opfer von Gewalt; die HFO listet zudem diejenigen auf, die sie als besonders gefährdet einstuft. Diese Personengruppe benötigt dringend einen Ausweg aus der Schuldknechtschaft. In Absprache mit der IGFM tritt Christopher in Verhandlungen mit der jeweiligen Leitung der Ziegelei. Nicht nur juristische Kenntnisse, Erfahrung und Fingerspitzengefühl sind dazu nötig, sondern auch eine gute Vorbereitung der Betroffenen auf die Zukunft. So soll verhindert werden, dass sie nochmals in dieselbe Lage geraten.
Die IGFM hilft dabei nicht nur humanitär, sondern verbindet mit der Veröffentlichung solcher Beispiele ihre Forderung auf politischer Ebene, den gesetzlich gebotenen Schutz einzuhalten. Schicksale wie das von Akram Masih und seiner Familie dürfte es gar nicht geben: Bereits seit 1992 ist Schuldknechtschaft in Pakistan illegal. Es mangelt jedoch am Willen zur Umsetzung des Verbots.
Akram Masih und seine Familie können nicht mehr lange warten: „Bitte helfen Sie uns, das Leben dieser Familie neu aufzubauen“, bat Christopher. Für Schuldentilgung, Startgeld zum Neuanfang und für eine ärztliche Behandlung des Vaters rechnen wir mit Kosten von rund 2.500 Euro. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung
Dieser Artikel wurde publiziert in der Oktober - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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