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Zwangsislamisierung koptischer Mädchen

Zur Diskussion: Zwangsislamisierung koptischer Mädchen

Medhat Klada, Direktor von Copts United, Zürich. (Bild: Medhat Klada)

von Medhat Klada, Direktor von Copts United, Zürich (August 2010) 

Die Kopten bilden die größte christliche Gemeinschaft des Nahen Ostens und die mit weitem Abstand größte religiöse Minderheit Ägyptens. Sie begreifen sich als die Ureinwohner Ägyptens. Seit der Eroberung Ägyptens im siebten Jahrhundert durch den muslimischen Feldherrn Amr-Ibn-Alas leiden sie unter einem erheblichen Druck, ihren Glauben und weite Teile ihrer Kultur, wie z. B. ihre Sprache aufzugeben. Bis heute sind sie starker Unterdrückung und Diskriminierung ausgesetzt.

Die Angaben der ägyptischen Regierung zum koptischen Bevölkerungsanteil sind intransparent. Nach koptischen Schätzungen leben in Ägypten und im Ausland 15 Millionen Kopten bei einer ägyptischen Gesamtbevölkerung von rund 80 Millionen Menschen.

Die Diskriminierung der Kopten zeigt sich in vielfältiger Weise. Führende staatliche Ämter werden ihnen verwehrt. Der Weg der Beförderung an den Hochschulen bleibt ihnen oft verschlossen. Es ist ihnen nicht möglich, Positionen im Inlandsgeheimdienst, im Militärnachrichtendienst oder in der präsidialen Leibgarde zu besetzen. Es kommt immer wieder zu Zerstörungen oder Verwüstungen von Geschäften, Häusern und auch Kirchen. Eines der schlimmsten Phänomene der Diskriminierung und Unterdrückung ist die Zwangsislamisierung der minderjährigen Mädchen. Dieses Phänomen besteht seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Zahl der Fälle hat bis heute zugenommen.

Der Rechtsanwalt Mamdoh Nakhla, Leiter des Kalema Zentrums für Menschenrechte, hat berichtet, dass das “Verschwinden” und die Zwangsislamisierung koptischer Mädchen vor allem seit dem Jahr 2000 zugenommen hat. Den höchsten Schätzungen zufolge werden jährlich möglicherweise mehrere tausend Menschen zumeist Mädchen und Frauen, vor allem in den Gouvernoraten El-Minia, Kairo und Assiut gezwungen, zum Islam überzutreten. Genaue Zahlen zu diesen Verbrechen liegen nicht vor, da sie nur selten strafrechtlich verfolgt werden. Diese Passivität der Behörden weckt den Verdacht, dass der Staat oder Teile der Beamtenschaft in diese Islamisierung involviert sind.

Das Zentrum für Menschenrechte hat mehrere Beschwerden aus dem oberägyptischen Gouvernorat El-Minia erhalten, in dem minderjährige Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren einfach “verschwanden”. Aus dem Ort Beni Suef liegt ein Bericht vor, nach dem auch ein Minderjähriger verschwunden ist. Es stellte sich heraus, dass der Religionseintrag in seinen Papieren innerhalb von nur drei Tagen geändert und er zwangsverheiratet wurde.

Die Zwangsislamisierung koptischer minderjähriger Mädchen wird nach Auffassung mancher Beobachter unter der duldenden Mittäterschaft der Regierung durchgeführt. Die Täter setzen dabei Betrug, Erpressung, finanziellen und emotionalen Druck und Entführungen ein. Die Staatsorgane unternehmen so gut wie nichts, um gegen die Zwangsislamisierungen vorzugehen. Eher noch schützen sie Täter und helfen den betroffenen Familien nicht, ihre Kinder ausfindig zu machen. Werden die Täter angeklagt, können sie in den meisten Fällen mit einem Freispruch rechnen. Die Opfer werden verunsichert, bedroht und erniedrigt, und die Regierung schweigt zu diesen Taten.

Soweit bekannt, gibt es Netzwerke islamischer Extremisten, die an der Zwangsislamisierung beteiligt sein sollen und die finanziell von islamischen Stiftungen aus Golfstaaten unterstützt werden. Sowohl an Entführer als auch an die zum Islam übergetretenen Kopten sollen nach ägyptischen Maßstäben höhere Geldsummen geflossen sein.

Die Änderung der Religion der Mädchen und die damit verbundenen Behördengänge werden von islamischen Anwälten durchgeführt. Die ägyptische Staatssicherheit bleibt in aller Regel passiv oder übt sogar Druck auf die Opfer aus, damit sie nicht zu ihren Angehörigen zurückkehren. Die Änderung der Religion vom Christentum zum Islam dauert in der Regel wenige Tage oder sogar nur Stunden; umgekehrt ist der Abfall vom Islam auf legalem Weg unmöglich und wird von Extremisten sogar mit dem Tode bedroht.

Die koptische Minderjährige Zeinahom Nadi Adly Amin stammt aus Ezbet Fanus, Samalut, Gouvernorat El-Minia. Im Mai 2010 wurde die 19jährige von vier Frauen aus ihrem Dorf betäubt und in eine andere Stadt gebracht, wo die Frauen und der islamische Geistliche, Scheich Khalaf Abd-Elmigid, versuchten, das Mädchen zum Übertritt zum Islam zu zwingen. Zeinahom konnte entkommen und zu ihrer Familie zurückkehren.

Ein anderer Fall ist der von Angi Adel Wassil. Am Dienstag, dem 31. März 2005, war sie mit ihrer Freundin zur Schule in Sidi Bishr in Alexandria unterwegs, als ein Minibus ohne Kennzeichen herangefahren kam und sie in den Wagen gezerrt wurde. Ihre Freundin erkannte in einem der Täter einen Zivilbeamten des Polizeireviers am Montaza Palast und fotografierte ihn mit ihrem Handy. Sie zeigte ihn an, doch die Zeugin wurde bedroht, nicht weiter auf ihrer Aussage zu bestehen.

Das bekannteste Beispiel einer Zwangsislamisierung koptischer Mädchen ist der Fall der Geschwister Marian und Christin. Marian, bei der Entführung 16 Jahre alt, und Christin, bei der Entführung 14 Jahre alt, verschwanden im November 2003. In weniger als einem Monat wurden ihre Namen geändert. Ihre Familie tat über drei Jahre lang alles, um die Mädchen zu finden. Wie sich später herausstelle, kannte die Polizei den Aufenthaltsort der Mädchen. Erst nachdem die Mutter im Fernsehprogramm Al-Hakika [Arabisch: Die Wahrheit] aufgetreten war, befahl Präsident Mubarak, die Mädchen ausfindig zu machen. Am nächsten Tag zeigte das ägyptische Fernsehen beide Mädchen: jedes Mädchen trug ihr Kind auf dem Arm.

Fälle wie die von Zeinahom oder Angi sind keine Einzelfälle. Diese Verbrechen werden noch durch bürokratische Instanzen gefördert. Das Innenministerium ändert die Personalien innerhalb kürzester Zeit. Die Al-Azhar-Moschee als zuständige religiöse Institution erkennt den Übertritt zum Islam an, obwohl dieser für Minderjährige gesetzeswidrig ist. Die Justiz bestraft die muslimischen Täter nicht, und die Polizei zwingt die Familien der Entführten, eine einstweilige Verfügung zu unterschreiben, dass sie den Tätern nichts tun werden.

 

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(Credit Vorschaubild: Medhat Klada, jesus.ch / Link: https://www.jesus.ch/themen/gesellschaft/ethik/ethik/270405-auch_in_der_schweiz_wird_teilweise_hass_gepredigt.html)