Iran Forum 2021

Iran-Forum-2021-IGFM

Am 9. Dezember 2021 diskutierten Expertinnen und Experten zur Menschenrechtslage im Iran. Zentral waren dabei die Themen politische Gefangene, Frauenrechte und Rechtsstaatlichkeit in der Islamischen Republik.

„Der Iran ist ein Unrechtsstaat“

Iran-Forum zum Thema: Politische Gefangene, Frauenrechte, Rechtsstaatlichkeit

Frankfurt am Main, 9. Dezember 2021 – Anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember 2021 berichteten Zeugen und Zeuginnen im Iran-Forum der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) über politische Gefangene in der Islamischen Republik. Folter durch Isolation, körperliche Misshandlungen, sexuelle Gewalt und verweigerte medizinische Behandlung stehen im Iran auf der Tagesordnung, so die IGFM.

Politische Gefangene und Glaubensgefangene im Iran werden in der Regel nach ihrer Festnahme für lange Zeit durch Isolationshaft misshandelt. Gleichzeitig wird ihnen ein juristischer Beistand zunächst vorenthalten, später ein „Verteidiger“ aufgezwungen, der nicht an einer Verteidigung interessiert ist, sondern dem System der Verfolgung dient.

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM erklärte: „Der Iran ist ein Unrechtsstaat. Systematische Menschenrechtsverletzungen, die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidigern, Andersgläubigen, Frauenrechtlerinnen, ethnischen und sexuellen Minderheiten sowie die Unterdrückung von Meinungs- und Informationsfreiheit sind die negativen Markenzeichen des islamistischen Regimes in Teheran“.

In der Zeugenanhörung des Iran-Forums kamen Angehörige und Weggefährten von politischen Gefangenen uind Glaubensgefangenen im Iran zu Wort:

Nima Nasserabadi, im Exil lebender iranischer Menschenrechtsaktivist erklärte: „Allein seit Sommer 2018 wurden acht Anwälte festgenommen, da sie politische Gefangene nach dem geltenden Recht der sog. Islamischen Republik verteidigten oder in sozialen Medien die politisch fragwürdigen Praktiken der Justiz oder ähnlichen parallelen Organen wie den Revolutionsgerichten kritisierten.
Der Fall des Menschenrechtsverteidigers Amirsalar Davoodi ist in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben. Der Anwalt setzt sich für die Menschenrechte der Anhänger der Bahai-Religion ein und war in den sozialen Medien sehr aktiv.

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM

Mariam Claren berichtete über ihre inhaftierte Mutter, Frauenrechtlerin Nahid Taghavi

Helmut Gabel sprach über Kasra Nouri, einen inhaftierten Journalisten

Nima Nasserabadi berichtete über den Menschenrechtsverteidiger Amirsalar Davoodi, der wegen seiner Arbeit verfolgt und inhaftiert wurde.

Katy Radjabi schilderte den Fall ihres Bruders Sam Radjabi, einem inhaftierten Tierschützer.

Prof. Dr. Susanne Schröter, Ethnologin & Direktorin Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam zu Frauenrechten im Iran

Mariam Claren, Tochter der im Iran zu zehn Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilten deutschen Staatsbürgerin und Frauenrechtlerin Nahid Taghavi, schilderte die gegen ihre Mutter gerichtete Willkürjustiz: „Der erste Prozesstermin wurde für den 28. April 2021 angesetzt. Ihr Anwalt Mostafa Nili bekam vier Tage vor diesem Termin Akteneinsicht, allerdings nur beschränkt, er durfte die Akte nur zu bestimmten Zeiten im Büro des Richters und im Beisein der Sicherheitsleute lesen. Meine Mutter durfte er vor dem Termin nicht sprechen. So kam es, dass meine Mutter und ihr Anwalt sich erstmalig vor Gericht sahen. Der Aufbau einer Verteidigung war somit unmöglich. Der zweite und letzte Prozesstag wurde für den 13. Juni einberufen, in dieser Zeit durfte unser Anwalt ein einziges Mal meine Mutter besuchen. Beide Gerichtstermine dauerten weniger als eine Stunde. Anfang August wurde meine Mutter zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, in einem Scheinprozess, von einem nicht unabhängigen Richter. Das Urteil war schon lange vorher von der Revolutionsgarde vorgegeben.“

Helmut Gabel, Sprecher der Hilfsorganisation Karamat, die sich für verfolgte Sufis im Iran engagiert, berichtete über den Glaubensgefangenen Kasra Nouri. „Die Vorwürfe gegen ihn lauteten „Gefährdung nationaler Sicherheit“, „Anführung von Protesten“, „Interviews mit ausländischen Medien“. Er wurde in Abwesenheit von Richter Salavati zu zwölf Jahren Gefängnis, 74 Peitschenhieben und zwei Jahren Exil in einer abgelegenen Provinz verurteilt. Die Fortsetzung seines Studiums wurde ihm verboten. Im weiteren Verlauf wurde er in das Adelabad Gefängnis nach Schiraz verlegt, wo er heute noch festgehalten wird. Familienbesuche kann er dort selten bekommen, Hafturlaub ist ihm keiner gewährt worden.“

Anschließend diskutierten Experten und Expertinnen, sowie Betroffene über den Einfluss der Scharia auf die Menschenrechtssituation, die Unterdrückung von Frauen und die den Opfern von Verfolgung verweigerte rechtsstaatliche Praxis im Iran. Eine Aufzeichnung der Expertenbeiträge von Dr. Armin Eschraghi, PD Dr. Sina Fontana, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Prof. Dr. Heribert Hirte, Jascha Noltenius, Dr. Kamal Sido sowie von Prof. Dr. Susanne Schröter stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.

Dr. Armin Eschraghi, Islamwissenschaftler

PD Dr. Sina Fontana, deutscher Juristinnenbund

Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Bürgermeisterin und Dezernentin für Vielfalt, Antidiskriminierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Prof. Dr. Heribert Hirte, politischer Pate der inhaftierten Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi, MdB 2014-2021

Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland

Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)

Sehen Sie sich hier die Aufzeichnung an. 

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