Arash Ganji

Der iranische Schriftsteller hatte 2017 ein Buch über einen von Kurden geführten Aufstand gegen den IS auf Farsi übersetzt. Im Dezember 2019 wurde er deswegen vom iranischen Geheimdienst festgenommen und wegen „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“, „Mitgliedschaft und Zusammenarbeit mit einer regierungsfeindlichen Gruppe“ und „Propaganda gegen das Regime“ zu 11 Jahren Haft verurteilt. Aktuell ist Ganji im Evin-Gefängnis inhaftiert, wo ihm wichtige medizinische Behandlungen verwehrt werden.
11 Jahre Haft wegen Buchübersetzung
Arash Ganji ist ein bekannter iranischer Schriftsteller und Übersetzer. Er ist Mitglied der Iranian Writers Association (IWA), die sich für Meinungsfreiheit und ein Ende der Zensur einsetzt. Ganji wurde am 22. Dezember 2019 bei einer Hausdurchsuchung vom iranischen Geheimdienst festgenommen. Am 28. Dezember wurde er schließlich aufgrund von Anschuldigungen zur Verschwörung gegen die nationale Sicherheit zu elf Jahren Haft verurteilt. Seit dem 28. Oktober 2021 befindet er sich im Teheraner Evin-Gefängnis in Haft.
Festnahme und Verfahren
Bei seiner Festnahme beschlagnahmten die Beamten Ganjis Laptop, Bücher und Notizen und brachten ins Teheraner Evin-Gefängnis. Nach seiner Verhaftung wurde Ganji einen Monat lang in Einzelhaft gehalten und stundenlang verhört. In dieser Zeit wurde ihm weder der Kontakt zu seiner Familie ermöglicht noch rechtlicher Beistand gewährt. Der Grund für seine Verhaftung war zunächst unklar, später stellte sich jedoch heraus, dass er aufgrund seiner Übersetzung des Buches “A Small Key Can Open A Large Door: The Rojava Revolution“ festgenommen worden war. Das Buch handelt von einem von Kurden angeführten Aufstand gegen den IS in Nordsyrien. Am 19. Januar 2020 wurde Ganji gegen eine Kaution von 450 Millionen Tomans vorübergehend freigelassen. Bei seiner ersten Gerichtsanhörung im Juni 2020 erhöhte ein Richter die Kaution auf 3 Milliarden Tomans und zwang ihn damit, für sechs Tage ins Evin-Gefängnis zurückzukehren, bevor er die Kaution bezahlen konnte.
Am 28. Dezember 2020 verurteilte die Abteilung 28 des iranischen Revolutionsgerichts den Schriftsteller wegen „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“, „Mitgliedschaft und Zusammenarbeit mit einer regierungsfeindlichen Gruppe“ und „Propaganda gegen das Regime“ zu insgesamt 11 Jahren Haft. Obwohl er nach iranischem Recht hiervon lediglich 5 Jahre im Gefängnis absitzen müsste, bestätigte das Berufungsgericht in Teheran am 27. Februar 2021 das Strafmaß. Seit dem 28. Oktober 2021 verbüßt Ganji im Evin-Gefängnis seine Strafe.
Haftbedingungen und gesundheitlicher Zustand
Ganji leidet an einer Herzkrankheit, die medizinische Behandlung erfordert. Diese wird ihm im Gefängnis bisher verweigert. In iranischen Gefängnissen ist es seit Beginn der Corona-Pandemie wiederholt zu Ausbrüchen von Covid-19 gekommen. Die ebenfalls im Evin-Gefängnis inhaftierten Schriftsteller Baktash Abtin und Reza Khandan Mahabadi, die wie Ganji Mitglieder der IWA sind, infizierten sich im April 2021 beide mit dem Virus. Beiden wurde trotz eines schweren Verlaufs ausreichende medizinische Versorgung verwehrt. Abtin verstarb am 8. Januar 2022 nach einer erneuten Infektion mit dem Coronavirus. Zuvor hatten die Gefängnisbehörden seine Beschwerden so lange ignoriert, dass er schließlich ins Krankenhaus verlegt werden musste, wo er nur noch ins künstliche Koma versetzt werden konnte.
Aufgrund seines Herzleidens und der schlechten Haftbedingungen ist das Risiko für Ganji, schwer an Covid-19 zu erkranken, sehr hoch. In einer von der IWA veröffentlichten Erklärung teilte die Organisation mit: „Arash Ganji ist herzkrank, und der Druck, der durch die Verhöre (die weltweit für die Verletzung von Menschenrechten und Gesetzen bekannt sind) ausgeübt wird, hat sein Leben bedroht. Die Behörde, die ihn verhaftet hat, und die Regierung, die gezeigt hat, dass sie nur weiß, wie man verprügelt, einsperrt und tötet, um der freien Meinungsäußerung entgegenzuwirken, werden für jeden Schaden, der ihm zugefügt wird, verantwortlich sein.“
Über die „Iranian Writers Association“
Die Iranian Writers Association ist eine Nichtregierungsorganisation, die aus Schriftstellern, Übersetzern und Herausgebern besteht und mit PEN International verbunden ist. Die 1968 gegründete Vereinigung engagiert sich gegen die Zensur und setzt sich für Meinungsfreiheit im Iran ein. 1981 wurde sie von den iranischen Behörden verboten. Seit ihrer Gründung wurden die iranische Schriftstellervereinigung und ihre Mitglieder systematisch verfolgt und schikaniert, von Zensur über Strafverfolgung bis hin zu Mord.
Stand: März 2022