China erzieht tibetische Kinder um

Im Südosten Tibets wurden neue militärische Ausbildungslager errichtet. Diese dienen der Indoktrination der Jugend Tibets. „Patriotismus, Liebe zum Mutterland und der Geist der Verteidigung der nationalen Grenzen“ stehen auf der Tagesordnung, begleitet von militärischem Training. China verspricht sich von den Lagern, die tibetische Kultur Schritt für Schritt auszulöschen – angefangen bei den Kindern.

China indoktriniert Tibets Jugend in militärischen Ausbildungslagern

IGFM sieht „nächsten Schritt der Assimilationspolitik“ erreicht

Nyingtri / Peking / Frankfurt am Main, 31. August 2021 – Laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat die Volksrepublik China in Nyingtri im Südosten Tibets neue Militärlager speziell für die jüngere Generation der Tibeter errichtet. Die IGFM sieht mit der Indoktrination der Jugend den nächsten Schritt der Assimilationspolitik Chinas in Tibet erreicht und kritisiert die „fortschreitende Auslöschung der tibetischen Kultur“ aufs Schärfste.

Berichten der chinesischen Staatsmedien zufolge werden in der Grenzregion zu Indien tibetische Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 16 Jahren während der Schulferien trainiert. In den ‘Zentren zur Landesverteidigung’ soll der tibetischen Jugend „Patriotismus, Liebe zum Mutterland und der Geist der Verteidigung der nationalen Grenzen“ beigebracht werden. Die Kinder erhalten in den Lagern einen Disziplin-Crashkurs, einschließlich militärischer Übungen und körperlicher Aktivitäten.

Am 27. Juli 2021 berichteten chinesische Staatsmedien, dass beim „Junge-Tibeter-Schneefalken-Sommerlager“ am Ufer des Draksum Sees im Bezirk Kongpo Gyamda hunderte Kinder aus Grund- und Sekundarschulen in Lhasa die Ausbildung abgeschlossen haben. Ein weiterer offizieller Bericht handelt von der Errichtung des nationalen Verteidigungs-Ausbildungszentrums, bekannt als „Tibet Rong He Military Training Centre“. Darin heißt es, das Hauptziel des Zentrums bestehe darin, „disziplinierte und gehorsame Kinder mit starker körperlicher Kraft heranzubilden, da sie die Hoffnung für die Zukunft des Landes sind. Ihre Erziehung ist eng mit der Nation verbunden und wird ihr Schicksal bestimmen.“

IGFM: Beschleunigte Auflösung der tibetischen Gesellschaft

Unter tibetischen Lehrern und Menschenrechtlern wächst indes die Sorge über die Verweigerung des muttersprachlichen Unterrichts und die Aushöhlung der tibetischen Sprache sowie Identität. Die IGFM weist darauf hin, dass Privatschulen, die eine in der tibetischen Kultur verwurzelte Bildung anbieten, von China nicht geduldet und ohne offizielle Begründung geschlossen werden. Zudem mussten Klöster und buddhistische Institute – die traditionellen Bildungszentren Tibets – ihre klösterlichen Lehrpläne und ihre Verwaltung der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas überlassen.

Nach Informationen der in Frankfurt ansässigen Menschenrechtsorganisation entstanden in den letzten Jahren in Nyingtri außerdem zahlreiche Berufsbildungsinstitute für tibetische Bauern und Nomaden sowie ehemalige politische Gefangene. „Die Arbeit dieser Institute bei der Umsiedlung der Tibeter von ihrem angestammten Grund und Boden hat zu einer beschleunigten Veränderung der tibetischen Gesellschaft geführt, die historisch und traditionell von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt war. Dieser Prozess hat auch die junge Generation von Tibetern in die institutionalisierten Programme der Kommunistischen Partei Chinas integriert“, so Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

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