Cristiana Chamorro Barrios

Der Journalistin und Präsidentschaftskandidatin Cristiana Chamorro Barrios droht seit dem 2. Juni 2021 Hausarrest und Anklage wegen Geldwäsche. Sie wurde festgenommen, als 200 Polizisten ihre Wohnung durchsuchten. Präsident Daniel Ortega befürchtete, dass sie ihm seine vierte Amtszeit nehmen könnte. Im Februar 2023 wurde sie des Landes verwiesen und in die USA verbannt.
Im Exil: Wegen Präsidentschaftskandidatur inhaftiert
Cristiana Chamorro Barrios wurde 1954 in Nicaragua geboren. Sie wurde am 2. Juni 2021 in Managua, Nicaragua, bei einer Polizeirazzia mit 200 Polizisten in ihrem Haus verhaftet. Grundlage dafür war der Vorwurf von Steuerhinterziehung, was ihr auch die Chancen einer Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen im November 2021 nahm, in denen sie gegen Diktator Daniel Ortega antreten wollte. Chamorro Barrios wurde im Februar 2023 zusammen mit 221 anderen regierungskritischen Gefangenen die Staatsbürgerschaft entzogen und des Landes verwiesen. Sie befindet sich seitdem im Exil in den USA.
Cristiana Chamorro Barrios war auch Direktorin der Stiftung für Pressefreiheit, die den Namen ihrer Mutter trägt, der „Violeta Barrios de Chamorro Foundation (FVBdC)“, bis zum Januar 2021, als Präsident Daniel Ortega ein Gesetz einführte, das alle Organisationen, die Gelder aus internationalen Quellen erhielten, dazu zwang, sich als ausländische Institutionen registrieren zu lassen. Dadurch wurde es für Nichtregierungsorganisationen, die auf Spenden und internationale Zusammenarbeit angewiesen sind, extrem schwierig, ihre Arbeit in Nicaragua zu verrichten, ohne unverschämten Steuern und anderen Bedingungen ausgesetzt zu sein, die die sozialistische Politik Ortegas internationalen Institutionen auferlegt hat.
Verhaftung
Cristiana Chamorro Barrios wurde am 2. Juni 2021 in Managua, Nicaragua, bei einer Polizeirazzia in ihrem Haus verhaftet. Ihre Verhaftung markierte den Beginn einer Welle von Verfolgungen und Verhaftungen gegen die Opposition. Ihr wird Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorgeworfen, was das Ergebnis einer Scheinuntersuchung ist, die Daniel Ortega und seine Regierung im Mai 2021 gegen sie eingeleitet haben. Daniel Ortega und seine Regierung beschuldigen Chamorro Barrios, diese Straftaten begangen zu haben, während sie als Direktorin der Organisation für Meinungsfreiheit FVBdC tätig war.
Hintergrund
Ihr Vater war Pedro Joaquín Chamorro, ein Kritiker der Somoza-Regierung und Direktor der Zeitung La Prensa. Ihre Mutter ist Violeta Barrios de Chamorro, die von 1990 bis 1996 Präsidentin von Nicaragua war. Cristianas Vater wurde 1978 wegen seines Engagements gegen die Diktatur von Somoza Debayle ermordet. Ex-Präsident Somoza floh später nach Miami in den Vereinigten Staaten und wurde nach der Revolution in Nicaragua in Abwesenheit für seine Verbrechen vor Gericht gestellt: Er wurde für den Mord an Pedro Joaquín Chamorro verurteilt, kehrte aber nie nach Nicaragua zurück.
Cristianas Mutter besiegte Daniel Ortega, den Führer der sandinistischen Revolution, bei den Wahlen im Februar 1990 als Oppositionsführerin und regierte bis 1996. Cristianas Bruder ist Pedro Joaquín Chamorro Barrios, ebenfalls Journalist und politischer Gefangener.
Langjährige Diktatur in Nicaragua
Daniel Ortega ist der Führer der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN), einer sozialistischen politischen Partei in Nicaragua. Er ist auch der Präsident, der am längsten in Nicaragua im Amt ist: Er trat sein Amt erstmals 1979 an (nachdem die FSLN Somoza Debayle durch einen Staatsstreich abgesetzt hatte), bis ihn 1990 Violeta Barrios de Chamorro in demokratischen Wahlen besiegte. Ortega übernahm 2007 erneut die Präsidentschaft und ist seither im Amt. Im Jahr 2021 ließ er alle sieben Präsidentschaftskandidaten, die bei den Wahlen gegen ihn antreten wollten, inhaftieren, angefangen mit Cristiana Chamorro Barrios, um seinen Sieg und die Fortsetzung seiner Amtszeit zum vierten Mal in Folge zu sichern. Es wird vermutet, dass Daniel Ortega die Kandidatur von Cristiana Chamorro Barrios am meisten fürchtete, da sie als Oppositionsführerin in den Umfragen für einen Sieg bei den Wahlen im November 2021 und damit für die Absetzung Ortegas favorisiert wurde.
Stand: August 2024