Seit 500 Tagen in Haft

Deutsch-Iranerin seit 500 Tagen in Haft

IGFM: Bundesregierung muss den Druck auf den Iran endlich erhöhen

Teheran / Köln / Frankfurt am Main, 28. Februar 2022 – Jeder Tag ist einer zu viel: Seit mittlerweile 500 Tagen befindet sich die Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi in politischer Gefangenschaft im Iran. Die Architektin und Frauenrechtlerin hat kein Verbrechen begangen, wurde über 1.000 Stunden verhört und saß knapp 200 Tage in Isolationshaft im berüchtigten Evin Gefängnis. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) setzt sich seit ihrer Inhaftierung für die Freilassung der 67-Jährigen ein. Zusammen mit deren Tochter Mariam Claren fordert die IGFM die Bundesregierung auf, den Druck auf den Iran zu erhöhen und sämtliche diplomatischen Mittel zu nutzen, um Nahid Taghavi wieder nach Hause zu holen. 

Die Haft bis Mai 2021 verbrachte Nahid Taghavi in der von den Revolutionsgarden kontrollierten Isolationsabteilung 2A des berüchtigten Evin-Gefängnisses. Die besonders restriktiven Bedingungen in der Isolationsabteilung haben gravierende Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit von Nahid Taghavi. Wie die IGFM berichtet, dient die Abteilung 2A normalerweise dazu, Gefangene im Verhör zu brechen und ist nicht für einen längeren Aufenthalt ausgerichtet. Dort wurde sie immer und überall von Kameras überwacht. Beim Verlassen der Zelle musste sie eine Maske und Augenbinde tragen. Am Tag durfte sie nur eine Stunde an die frische Luft. Sie musste auf dem Boden sitzend essen und dort auch ohne Matratze oder Kissen schlafen. Zudem wird eine medizinische Behandlung von den Vernehmern als „Belohnung“ für die Zusammenarbeit instrumentalisiert.

Stille Diplomatie der Bundesregierung hatte keinen Erfolg

Mariam Claren zur IGFM: „500 Tage sind seit der Inhaftierung meiner Mutter Nahid Taghavi vergangen. 194 Tage davon war sie in Isolationshaft. 1.000 Stunden ist sie verhört worden. Nur zwei Stunden davon stand sie vor einem Scheingericht. Die Politik der stillen Diplomatie seitens der Bundesregierung ist weder zielführend noch hat sie in der Vergangenheit zu Erfolg geführt. Es ist an der Zeit, die Strategie zu ändern und rote Linien sichtbar zu markieren. Menschen sind keine Verhandlungsmasse! Ich hoffe und erwarte, dass unsere Bundesregierung dies gegenüber dem iranischen Regime deutlich macht und die Freilassung meiner Mutter erwirkt.“

Nahid Taghavi Martin Lessenthin IGFM

„Während die Welt aktuell bestürzt und fassungslos auf den Krieg in der Ukraine schaut, darf die unschuldig inhaftierte Nahid Taghavi nicht in Vergessenheit geraten. Mehr als 80 stundenlange Verhöre, unmenschliche Haftbedingungen und sechs Monate Isolation musste sie bereits ertragen – obwohl sie kein Verbrechen begangen hat. Trotz deutscher Staatsbürgerschaft wird ihr die konsularische Betreuung durch die Deutsche Botschaft verweigert. Jeder Tag im Gefängnis ist einer zu viel. Die Bundesregierung muss nun alle diplomatischen Mittel ausschöpfen, um diesen Alptraum für sie und ihre Familie endlich zu beenden“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

Hintergrund:

Nahid Taghavi ist im Iran geboren und besitzt seit 2003 die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie setzt sich seit Jahren für Menschenrechte im Iran ein – insbesondere für Frauenrechte und Meinungsfreiheit. Am 16. Oktober 2020 wurde die 67-Jährige in ihrer Wohnung in Teheran festgenommen und schließlich wegen „Mitgliedschaft in einer illegalen Gruppe“ zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Seit ihrer Festnahme wird sie im berüchtigten Evin-Gefängnis festgehalten. Notwendige medizinische Versorgung wurde ihr lange verweigert. Im September 2021 sollte sie für eine dringende medizinische Behandlungen in Hafturlaub entlassen werden. Trotz Zahlung einer Kaution von ca. 70.000 Euro wurde ihr dieser jedoch nicht gewährt. Zu ihrer Familie darf sie nur sehr selten und unregelmäßig Kontakt haben.

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