Erdoğan stützt Bruderstaat Aserbaidjan

Martin Lessenthin bei einer Mahnwache für die Menschenrechte in Hongkong am Global Day of Action 2020 in Frankfurt. Bildrechte: IGFM
Erdoğan stützt und ermutigt den Bruderstaat Aserbaidjan gegen Armenien
Nach den Begegnungen zwischen Putin und Erdoğan war absehbar, was auf die Armenier zukommt! Der ganz auf seine Invasion in der Ukraine fokussierte russische Machthaber Putin kann keinen zusätzlichen Ärger mit Erdoğan gebrauchen. Putin toleriert daher sowohl türkische Kampfhandlungen gegen Kurden und andere Minderheiten in Syrien und Irak als auch die Befeuerung immer neuer aserbaidjanischer Militärschläge gegen Armenien.
Der türkische Präsident Erdoğan nennt Aserbaidjan „Bruderstaat“. Er spielt sich bereits seit längerer Zeit als Ratgeber und Beschützer der aserbaidjanischen Familiendiktatur unter dem seit 2003 amtieren Ilham Aliyev auf. Ilham Aliyev, der immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption in der Kritik steht, hat das Präsidentenamt von seinem 2003 verstorbenen Vater Heydar Alijew geerbt. Im Februar 2017 wurde Mehriban Arif Alijew per Dekret von ihrem Ehemann zur Vizepräsidentin Aserbaidschans ernannt.
Die armenische Minderheit und wurde von 1915 bis 1917 Opfer von Völkermord durch die Jungtürken. Dieser Genozid, dem bis zu 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen, wird nur von wenigen Staaten geleugnet. Zu den Leugnern gehört neben der heutigen Türkei der „Bruderstaat“ Aserbaidschan. Diktator Aliyev bezeichnet das Territorium des westlichen Nachbarlandes Armenien hingegen als „altes türkisches und aserbaidschanisches Gebiet“. Der so geführte Bruderstaat Aserbaidjan kommt den Ambitionen des Autokraten Erdoğan sehr entgegen. Mehrfach hat Erdogan, dem Aserbaidschan militärische Unterstützung gegen das christliche Armenien zugesagt und damit auch die aktuellen Kampfhandlungen befördert.
Erdoğans Vision ist das Neue Osmanische Reich. Die Menschenrechte, Kurden, Armenier, Jeziden und Aramäer stehen ihm dabei im Weg. Bündnisse und Absprachen mit Aserbaidschan, Russland und Iran sind dagegen wichtige Komponenten auf seinem Weg zur Großmacht im Nahen und Mittleren Osten. Bei der Verteidigung freiheitlicher und demokratischer Werte ist Erdoğan für die NATO kein glaubwürdiger Partner.
Martin Lessenthin, 10. Oktober 2022