Farhad Navaei

Der 16-jährige Schüler aus Mahabad wurde im Zuge der lokalen Proteste durch die iranische Revolutionsgarde gekidnappt. Berichten zufolge wird er seit November 2022 willkürlich in einem Gefängnis für Erwachsene festgehalten und dort schwer gefoltert. Nach sieben Monaten in Haft wurde er im Juli 2023 zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Schüler endlich frei
Der Schüler Farhad Navaei stammt aus einer ländlichen Gegend, aus dem Dorf Torshakan in der Nähe von der kurdisch geprägten Stadt Mahabad.
Festnahme und Verurteilung
Farhad wurde November 2022 während der lokalen Proteste zu „Frau, Leben, Freiheit“ durch die iranische Revolutionsgarde festgenommen. Sein Wohlergehen war monatelang unklar. Nach seiner Festnahme befand er sich in Untersuchungshaft, doch weitere Informationen zu seinem Zustand oder zum rechtlichen Stand seines Falles hielt die Regierung verschlossen. Warum oder wo er festgehalten wird und wie die Vorwürfe gegen Farhad lauten, wurde auch zunächst nicht genannt. Es wurde lediglich bekannt, dass für seine Freilassung auf Kaution eine hohe Summe verlangt wurde. Obwohl Farhad noch minderjährig war, wurde er in dieser Zeit in einem Erwachsenen-Gefängnis gehalten. Sein Vater verstarb bereits vor mehreren Jahren. Farhads Mutter soll ein Mitglied des Basij sein. Die Basij dient als eine paramilitärische Freiwilligenarmee und ist als eine Art inoffizielle Hilfspolizei des Regimes tätig. Aufgrund dessen soll sie ihren Sohn im Stich gelassen und sich in Teheran niedergelassen haben. Deshalb hat Farhad keine Eltern, die sich für ihn einsetzen oder ihn in seiner Lage unterstützen können. Lokale Menschenrechtsbeobachter berichteten, dass er unter Einwirkung von extremster Folter verhört wurde und so unter Zwang ein selbstbelastendes Geständnis abgelegt habe.
Es wurde bekannt, dass Farhad Navaei im Juli 2023 vom Sonderstrafgericht für Jugendliche in West-Aserbaidschan willkürlich zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Der Anklagepunkt „Kriegsführung gegen Gott“ wurde fallengelassen, jedoch wurden Farhad unter anderem auch „Versammlung- und Verschwörung gegen die innere Sicherheit des Landes“ vorgeworfen. Für die Haftstrafe soll der Schüler in eine Jugendstrafanstalt gebracht werden.
Die Islamische Republik Iran missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Immer wieder kommt es zu willkürlichen Festnahmen, Verurteilungen ohne faire Gerichtsprozesse sowie zu Misshandlungen und Hinrichtungen von Andersdenkenden. Mit der unmenschlichen Behandlung ihrer Gefangenen verletzt die Islamische Republik Iran in hohem Maße die von ihr ratifizierten menschenrechtlichen Mindeststandards des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte („Zivilpakt“) der Inhaftierten. Dazu gehören unter anderem das Verbot von Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung (Artikel 7), das Verbot willkürlicher Gefangennahme (Artikel 9) sowie das Recht auf ein faires Verfahren (Artikel 14).
Am 9. August 2023 wurde Farhad Navaei aus der Justizvollzugsanstalt Urmia entlassen.
Stand: Juni 2025


