Humanitäre Hilfe

Anlässlich des 8. Jahrestags des Völkermordes an den Jesiden wurde am 3. August in der Frankfurter Paulskirche mit einer Gedenkveranstaltung an die Verstorbenen, Befreiten und Hinterbliebenen erinnert. Für Ihre Unterstützung der jesidischen Flüchtlinge im Nordirak wurde die IGFM vom Zentralrat der Êzîden Deutschland mit einem Preis geehrt.
IGFM erhält ZÊD-Preis für besondere Verdienste um die Êzîden
Gedenken an Völkermord in Frankfurter Paulskirche
Frankfurt am Main, 4. August 2022 – Tausende unschuldige Kinder, Frauen und Männer wurden von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Jahr 2014 beginnend systematisch getötet, entführt und vertrieben. Der Zentralrat der Êzîden (ZÊD) in Deutschland erinnerte bei der Gedenkveranstaltung am 3. August in der Frankfurter Paulskirche an den Völkermord. Der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wurde im Rahmen der Veranstaltung der ZÊD-Preis für besondere Verdienste um die Jesiden überreicht. Die IGFM setzt sich seit Jahren mit humanitärer und medizinischer Hilfe, sowie mit Bildungs- und Lobbyarbeit für die religiöse Minderheit ein, deren Angehörige auch acht Jahre nach dem Genozid noch in großen Lagern leben müssen.
Für die IGFM nahmen den Preis entgegen Katrin Bornmüller, Ehrenvorsitzende, Karl Hafen, ehem. Geschäftsführender Vorsitzender, und Khalil Al Rasho, Leiter der Abteilung Humanitäre Hilfe Nahost. Mit dem Preis wird die langjährige Arbeit der IGFM in den Flüchtlingslagern gewürdigt. Insbesondere Katrin Bornmüller und Khalil Al Rasho haben mit viel Energie und Herzblut diese Arbeit maßgeblich geprägt und vorangetrieben.
Erinnerung alleine reicht nicht
Neben der Erinnerung an das Geschehene müssen auch die Überlebenden, Befreiten und Hinterbliebenen unterstützt werden, wie zahlreiche Rednerinnen und Redner betonten. Zu viele, die die Gräueltaten durch den IS überlebt haben, werden in den Flüchtlingscamps ihrer letzten Hoffnung beraubt. „Dies zeigt sich auch in der Zahl von Suiziden in den Unterkünften“, bedauert IGFM-Mitarbeiter Khalil Al Rasho, der seit 2014 35 Mal in den Nordirak gereist ist. Erst im Mai 2022 war er wieder im Irak, mehr Infos im Reisebericht.

Voller Saal in der Paulskirche während der Gedenkveranstaltung am 3. August 2022.
Ein Leben im Lager ist keine Zukunft
Wie Vertreter der jesidischen Stämme aus Shingal anmahnten, wünscht sich die jesidische Gemeinschaft eine Rückkehr in ihre Heimat. Denselben Wunsch haben auch Katrin Bornmüller und Khalil Al Rasho immer wieder von Betroffenen in den Flüchtlingscamps gehört. Der dafür nötige Wiederaufbau ist bisher kaum fortgeschritten. Auch die instabile Lage in der Region trägt dazu bei, dass ein sicheres Leben in Shingal aktuell kaum möglich ist. Erst im Mai mussten ehemalige Flüchtlinge aus Shingal wegen einer Militäroperation irakischer Regierungstruppen wieder in Flüchtlingscamps zurückkehren.
Hoffnung von zentraler Bedeutung
Das Leben im Lager bietet dennoch keine Perspektive und darf keine langfristige Option sein. Nezihe Ciftci, selbst Jesidin und Preisträgerin des Deutschen Lehrkräftepreises 2021, betonte in ihrer Laudatio, dass die jesidische Gemeinschaft nicht alleine auf die traumatischen Ereignisse durch den IS reduziert werden darf: „Somit gilt es, gemeinsam stärkende Handlungs- und Unterstützungs-möglichkeiten zu suchen.“ Genau dort setzt die IGFM an – um den Aufenthalt in den Camps erträglicher zu machen, hat sich die IGFM stets für eine Verbesserung der Lebensqualität dort eingesetzt. Neben medizinischer und humanitärer Hilfe werden seit Jahren Alphabetisierungs-, Sprach- und IT-Kurse angeboten sowie Musik- und Sportangebote geschaffen, um sowohl Erwachsenen als auch Kindern und Jugendlichen ein wenig Hoffnung und eine Perspektive zu geben. Weitere Projekte sind in Planung.




