46 Tage im Hungerstreik
Die IGFM organisierte am 15. September 2020 eine Mahnwache vor dem iranischen Generalkonsulat in Frankfurt, um für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh und anderen politischen Gefangen einzustehen. Das Bild zeigt einige Demonstrierende.
IGFM: Trotz schlechten Gesundheitszustands keine medizinische Behandlung für Nasrin Sotoudeh
Teheran / Frankfurt am Main, 25. September 2020 – Die Stimme der Menschenrechte im Iran darf nicht verstummen: Die iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh befindet sich seit 46 Tagen im Hungerstreik. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) aus dem direkten Umfeld der prominentesten politischen Gefangenen im Iran erfahren hat, wurde sie am 19. September wegen Kurzatmigkeit, Herzproblemen und sehr niedrigem Blutdruck auf die Intensivstation des Taleghani Hospitals eingeliefert. Nach fünf Tagen wurde die 57-Jährige ohne medizinische Behandlung aus dem Krankenhaus zurück ins Evin-Gefängnis gebracht.
„Das Leiden von Nasrin Sotoudeh geht weiter und das iranische Regime scheint ihren Tod billigend in Kauf zu nehmen. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt geht es ihr schlechter als zuvor, sie muss umgehend freigelassen werden. Nasrin Sotoudeh ist die Stimme der Menschenrechte im Iran – sie darf nicht sterben und ihre Stimme darf nicht verstummen“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Kein Kontakt zur Familie, kein Mindestabstand
Nach Aussage von Nasrins Sotoudehs Ehemann Reza Khandan durfte die Familie sie im Krankenhaus weder anrufen noch besuchen. Sogar Kontakt mit der Familie auf dem Flur wurde von Aufpassern grob unterbunden. Außerdem teilte sie sich das Zimmer zwei Tage lang mit zehn weiteren Patienten. Da der notwendige Mindestabstand nicht eingehalten wurde, fürchten die IGFM und Nasrins Familie, dass sich die Frauenrechtlerin mit dem Coronavirus angesteckt haben könnte. Die Entlassung seiner Frau ohne medizinische Behandlung hatte für Reza Khandan einen ganz klaren Sinn: „Dieses Vorgehen hat ausschließlich das Ziel gehabt, ihr Leben weiter in Gefahr zu bringen.“
Nasrin Sotoudeh befindet sich seit dem 11. August im Hungerstreik, um auf das Schicksal der politischen Gefangenen im Iran und deren Haftbedingungen während der Coronavirus-Pandemie aufmerksam zu machen. Die IGFM setzt mich seit langem mit verschiedenen Kampagnen für die mutige Menschenrechtsaktivistin ein.