Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran. 

Grenzenloser Staatsterror und blutiges Niederschlagen

45. Tag der Revolution

Berichtszeitraum: 3. Februar 2026 bis heute (10. Feb)

Allgemeine Lage:

Im Berichtszeitraum vom 3. Februar 2026 bis heute (10. Feb) haben die Repressionsmaßnahmen der islamischen Behörden gegen die Zivilgesellschaft weiterhin zugenommen. Die Proteste sind aufgrund der Niederschlagung durch Behörden und die massive Überwachung so gut wie komplett zum Erliegen gekommen. Regimeschergen setzten Gewalt ein, um politische Opposition, Reformkräfte und zivile Protestbewegungen zu unterdrücken. Gleichzeitig intensivierte der Staat die Einschränkung der Informationsfreiheit und gezielte Festnahmen politischer Akteurinnen und Akteure. Die Gesamtzahl der bestätigten Todesfälle beläuft sich mittlerweile auf 6.964 Menschen im Vergleich zu 6.854 letzte Woche (bestätigt) inklusive 212 Kindern unter 18 Jahren.

Die Zeitung The Guardian und weitere Berichte meldeten sogar über 30.000 Todesopfer. Aufgrund der anhaltenden Einschränkungen der Berichterstattung geht die IGFM davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer deutlich höher, als die von der Nachrichtenagentur HRANA bestätigte Zahl, ist.

Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle

Der 27-jährige Mehrdad Moshtaghi wurde am Freitagabend, dem 9. Januar, in der Stadt Arak durch einen Kopfschuss schwer verletzt und verlor das Bewusstsein. Er wurde daraufhin ins Krankenhaus gebracht, dort operiert und verstarb jedoch nach einem Herzstillstand. Moshtaghis Bruder veröffentlichte eine Geschichte von dessen Grabstein, auf dem das Logo von Real Madrid zu sehen ist, und schrieb: „Es war ein Traum, Real aus nächster Nähe spielen zu sehen. Dieser Traum blieb auf seinem Grabstein bestehen.“

Wie auf dem X-Account von „Vahid Online“ zu lesen ist, wurde der 12-jährige Taha Hooshyar während der nationalen Revolution getötet. Taha Hooshyar, geboren 2013, wurde am Donnerstagabend, dem 8. Januar, in einem Vorort von Teheran durch Schüsse mit scharfer Munition ermordet, die von den Unterdrückungskräften der Islamischen Republik abgefeuert wurden.

In der Nacht des 9. Januar wurde Nazanin Esmikhanis auf dem Heimweg nach Mohammadiyeh in der Provinz Qazvin zusammen mit ihren Eltern von einem Scharfschützen erschossen. Diako Mafi, Nazanins Cousine, berichtete: „Der Scharfschütze hatte Nazanin von hinten ins Visier genommen. Sie lag in den Armen ihres Vaters, der sie in einem Peugeot 405 wegbringen wollte. Die Regimeschergen nahmen der Familie auch 300 Millionen Toman sowie ihr Gold ab, um Nazanins Leiche zurückzugeben.“ Nazanin Esmikhanis wurde am 4. Dezember 2007 geboren, war Schülerin der Oberstufe und spielte Gitarre und Setar. Sie galt als fröhlich, studierte Fotografie und arbeitete in einem Fotostudio.

Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:

Der junge Demonstrant Ali Heidari wurde am Donnerstag, dem 8. Januar, im Stadtteil Haft-e-Tir in Mashhad festgenommen und höchstwahrscheinlich ohne Gerichtsverfahren und ohne Kontakt zu einem Anwalt hingerichtet. Seit seiner Festnahme hatte die Familie von Ali Heidari keine offiziellen Informationen über seinen Aufenthaltsort oder seinen Gesundheitszustand erhalten. Ihre Bemühungen, Informationen zu erhalten, blieben unbeantwortet. Am 9. Februar erhielt die Familie den Leichnam überreicht, auf der Stirn deutlich zu erkennen ein Einschussloch. Entweder wurde er hingerichtet oder mit einem „Gnadenschuss“ gezielt getötet, wie dies auch bei Schwerverletzten in iranischen Krankenhäusern passierte.

Das Mullah-Regime hat den 18-jährigen Shervin Bagherian Jabali aus Isfahan verhaftet, weil er an landesweiten Protesten teilgenommen hatte. Er wurde vor eine Kamera gestellt und dazu gezwungen, ein falsches Geständnis abzulegen. Direkt vor der Kamera sagte ihm ein Söldner des Regimes: „Das Urteil lautet ‚Moharebeh’.“ Shervin fragt: „Was bedeutet Moharebeh?” Als er das Wort „Hinrichtung“ hörte, begann er zu schluchzen.

Die junge iranische Pianistin Negin Khaksar wurde am 12. Januar 2026 von bewaffneten Einheiten des islamischen Regimes festgenommen, da sie an Protesten gegen das Regime teilgenommen hatte. Erst einen Tag nach ihrer Festnahme durfte sie ihre Familie anrufen. Seitdem ist unklar, wo sie sich befindet und was mit ihr geschehen ist. Besorgniserregend ist, dass Negin aufgrund ihrer Schilddrüsenerkrankung regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sie aber nach den vorliegenden Informationen auch nach drei Wochen noch keinen Zugang zu diesen hat.

Der 19-jährige Mohammad Amin Biglari ist seit dem 8. Januar in Teheran inhaftiert. Seine Familie hat keine angemessene Auskunft über seinen Aufenthaltsort und seinen Zustand erhalten, er hat auch nicht angerufen. Er wurde von Kräften der Islamischen Revolutionsgarden festgenommen und soll zum Tode verurteilt worden sein.

Einschränkung der Informationsfreiheit – Internet- und Kommunikationskontrollen

Im Berichtszeitraum bestehen weiterhin gravierende Einschränkungen im Zugang zu Informationen: Der landesweite Internet- und Kommunikations-Blackout, der bereits seit Januar 2026 andauert, ist nach wie vor in Kraft oder bleibt nur teilweise gelockert. Diese Maßnahmen behindern systematisch den freien Informationsfluss und die unabhängige Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen.

Internationale Beobachter und digitale Rechtsexperten stellen fest, dass der Iran seine digitalen Kontrollstrukturen weiter intensiviert und teilweise von staatlich unterstützten Überwachungstechnologien profitiert. Der anhaltende Kommunikationsausfall erschwert nicht nur die Dokumentation von Repressionen, sondern wirkt auch isolierend für die Bevölkerung und ihre Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung.

Der Jahrestag der berüchtigten Islamischen Revolution vom 11. Februar 1979 rückt näher. Nach der Revolution begann Khomeini damit, Personen aus dem Umfeld der Pahlavi-Dynastie zu eliminieren und alte iranische Symbole durch Symbole der islamischen Kultur zu ersetzen. Eine dieser Änderungen betraf die Nationalflagge des Iran: Das Design mit einem Löwen und einer Sonne in der Mitte wurde durch eine hellgrüne Flagge mit dem arabischen Wort für „Gott” (Allah) und dem Wort „Takbir” (Allah-o-Akbar) in weißer Kufischrift ersetzt. Letzteres ist insgesamt 22-mal entlang der Ränder der grünen und roten Streifen geschrieben.

Vereinnahmung von nationalen Symbolen durch regimenahe Zeitungen

Titelseite der iranischen Zeitung Sazandegi, die von einer „reformistischen“ Partei publiziert wird. „Reformistisch“ bedeutet, dass das Ziel das Fortbestehen der Machtstruktur der Islamischen Republik ist mit leichten kosmetischen Änderungen an der Oberfläche. Die Zeitung ist somit Teil der allumfänglichen Regime-Propaganda, auch wenn sie sich „reformistisch“ nennt. 

Während den massiven Protesten zu Beginn des Jahres 2026, die auch nationale Revolution genannt wird, hat die Mehrzahl der Iraner im Inland und in der Diaspora die alte traditionelle Flagge mit dem Löwen und der Sonne wieder herausgeholt. Sie bezeichnen die Proteste als „Löwen- und Sonnenrevolution”. Das islamische Regime hat die Symbole jedoch erneut für sich beansprucht und vereinnahmt. Einige iranische Zeitungen veröffentlichten die Flagge auf ihren Titelseiten und bezeichneten sie als „islamisch-nationales Symbol”. Regierungsfreundliche Influencer forderten die Menschen zudem auf, am 11. Februar, dem Jahrestag der Islamischen Revolution, an regierungsfreundlichen Demonstrationen teilzunehmen und die Löwen- und Sonnenflagge mitzuführen.

Dies geschieht zu einer Zeit, in der viele Menschen im Iran die Flagge bei landesweiten Protesten hochhalten, um sich gegen das Besatzungsregime zu wehren und ihre Unterstützung für die historische Flagge des Iran zu zeigen. Die Islamische Republik hat eine lange Geschichte der Vereinnahmung von Symbolen, um dem Westen weiszumachen, dass sie auf der Seite des Volkes steht, wenn ihr Sturz droht.

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich Abgeordnete für ihre Freilassung einsetzen.

Armin Monsaref

Anfang Februar 2026 wurde Armin Monsaref als junger politischer Denker und Analyst in seinem Elternhaus in Sardasht (West-Aserbaidschan) festgenommen. Seine veröffentlichten Analysen und Arbeiten erreichten ein breites Publikum aus unterschiedlichen Regionen Irans, darunter auch kurdisch geprägte Gebiete. Momentan sind keine Informationen über Armins Aufenthaltsort bekannt.

Navid Zarrehbin Irani

Navid Zarrehbin Irani wurde am 16. Januar 2026 von Sicherheitskräften der Islamischen Regierung in seinem Wohnhaus in Maschhad festgenommen. Seit der Festnahme hat seine Familie keine Informationen über seinen Aufenthaltsort. Ihm und anderen Bahá’ís, die grade verhaftet wurden, droht jetzt die Hinrichtung, ohne einen fairen Prozess.

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