Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Machtwechsel und wachsende Repression
72. Tag der Revolution
Berichtzeitraum: 3. März bis 10. März
Vom 3. bis zum 9. März 2026 ist die Lage im Iran weiterhin von Krieg, politischer Unsicherheit und zunehmender staatlicher Repression geprägt. Der militärische Konflikt, der Ende Februar mit groß angelegten Luftangriffen der Vereinigten Staaten und Israels auf Ziele in der Islamischen Republik Iran begann und bei dem der Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde, hält an.
Am 9. März 2026 wurde bekannt, dass Mojtaba Khamenei, der Sohn des getöteten Revolutionsführers, von der Versammlung der Experten zum neuen Obersten Führer der Islamischen Republik ernannt wurde. Beobachter sehen darin einen historisch ungewöhnlichen Schritt, da erstmals eine quasi dynastische Nachfolge innerhalb der Familie des Revolutionsführers erfolgt.
Parallel dazu hat sich der Ton der staatlichen Propaganda deutlich verschärft. In mehreren Sendungen des iranischen Staatsfernsehens sowie in offiziellen Stellungnahmen der Revolutionsgarden wurden harte Drohungen gegen vermeintliche Gegner des Regimes sowie gegen im In- und Ausland lebende Iraner ausgesprochen. Behörden erklärten zudem, dass Personen, die die militärischen Angriffe der USA oder Israels unterstützen, strafrechtlich verfolgt werden könnten und sogar mit der Beschlagnahmung von Eigentum rechnen müssten.
Die Kombination aus Krieg, politischem Machtwechsel und aggressiver staatlicher Rhetorik verschärft die ohnehin angespannte innenpolitische Lage im Iran. Sie lässt weitere Einschränkungen von Grundrechten sowie eine Verschärfung der Repression gegen die Bevölkerung befürchten.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle
Mohammadreza Ghasemzadeh war 22 Jahre alt und stammte aus Mehrshahr in der Provinz Teheran. Er wurde am 9. Januar auf offener Straße von „Sicherheitskräften“ der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) mit zwei Schüssen getötet.
Am 9. Januar haben die Schlägertrupps der Islamischen Republik in Isfahan die achtjährige Anila Abutalebiyan getötet. Sie saß mit ihrer Mutter im Auto und war auf dem Heimweg, als sie von bewaffneten Polizisten an der Weiterfahrt gehindert wurden und anschließend erschossen wurde.
Das Regime bedrohte die Mutter mehrfach und machte missbräuchlich aus dem Begräbnis des Kindes einen Akt im Namen des Staates. Es bezeichnete das Mädchen als eine der Märtyrerinnen des Vaterlandes. In Trauer und Verzweiflung schnitt sich die Mutter die Pulsadern auf, überlebte aber.
Wie die IGFM erfahren hat, wurde die 22-jährige Nahal (Kosar) Ahoo–Ghalandari von den bewaffneten Einheiten der Islamischen Republik in Khorramabad (Provinz Lorestan) erschossen. Sie war Berichten zufolge auf die Straße gegangen, um den Tod von Ayatollah Ali Khamenei am 28. Februar zu feiern.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Die Rechtsanwältin Zohreh Javani, die auch Mitglied der Anwaltskammer von Teheran ist, wurde während der Proteste im Dezember festgenommen. Über die Festnahme wurde in den Fachmedien der Anwaltskammern berichtet, jedoch wurden bisher keine Details zu den Umständen bekannt gegeben. Bisher liegen keine Informationen über ihre Verhaftung, den Haftort oder die Gründe für die Maßnahme vor.
Der 2006 geborene Amirhossein Hatami ist einer von sieben Angeklagten , die vom Revolutionsgericht, Abteilung 15, wegen Brandstiftung an einer Basij-Basis (staatliche bewaffnete Einheit) in der Nähe der Namjoo-Straße im Osten Teherans am Abend des 8. Januar zum Tode verurteilt wurden. Nach Informationen der IGFM hatte Amirhossein Hatami – genau wie die anderen Angeklagten – in den vierzig Tagen seit seiner Verhaftung keinen Kontakt zu seiner Familie und durfte keine Besuche erhalten. Aktuell wird er in Einzelhaft im Qezel-Hesar-Gefängnis festgehalten.
Der 14-jährige Abdulfattah Khayyer wurde am 13. Februar 2026 im Bezirk Bastak (Provinz Hormozgan) festgenommen. Sein Vater war bereits während der Proteste von 2022 verhaftet worden. Es gibt keine Informationen zu seiner Haftstrafte oder seinem Gesundheitszustand.
Der 29-jährige Borna Naeimi, Angehöriger der Bahá‚í-Glaubensgemeinschaft und Vater eines dreijährigen Kindes, wurde am Sonntag, dem 10. Februar, an seinem Arbeitsplatz in Kerman gewaltsam festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Bis heute gibt es keine Informationen über seinen Aufenthaltsort oder die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Die 28-jährige Grafikdesignerin Najmeh (Sheyda) Nikhouyi wurde am 10. Januar in der Stadt Qouchan in der Provinz Razavi-Chorasan festgenommen und befindet sich derzeit im dortigen Gefängnis in Haft. Nach Informationen der IGFM steht sie in Kontakt mit ihrer Familie, die sie besuchen durfte. Trotz wiederholter Nachfragen wurden der Familie die genauen Vorwürfe nicht mitgeteilt. Die Beamten hätten lediglich auf das Vorhandensein einiger Videos auf ihrem Mobiltelefon hingewiesen, aber keine konkreten Erklärungen zur Art der Vorwürfe oder zum Stand des Verfahrens gegeben.
Islamische Revolutionsgarden rufen zu Gewalt gegen Demonstranten auf
Zur Übersetzung des Videos siehe rechts. Aufnahme vom 6. oder 7. März, Iran, Ort unbekannt.
„Wir werden den Abfall der USA und Israels nicht erlauben, auf die Straßen zu kommen. Tod den Unruhestiftern, wir befinden uns im Kriegszustand. Wer auch immer auf die Straße kommt, wird wie ein Soldat Israels und der USA behandelt. So wie das Blut eines israelischen Soldaten als erlaubt gilt, werden wir mit jedem, der auf die Straße kommt, genauso verfahren. Und wir werden den Platz keinen Moment verlassen. Tod dem Feind der Führung des Rechtsgelehrten (Velayat-e Faqih). Ehre den Kämpfern des Islam. Ehre den Märtyrern. Tod den USA. Tod England.“
Einschränkung der Informationsfreiheit – Internet- und Kommunikationskontrollen
Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen hat das iranische Regime in vielen Teilen des Landes den Zugang zum Internet massiv eingeschränkt oder sogar vollständig abgeschaltet. Diese Maßnahmen erschweren nicht nur die unabhängige Berichterstattung über die Lage im Land, sondern beeinträchtigen auch den Alltag der Bevölkerung erheblich. Viele Iranerinnen und Iraner sind dadurch von wichtigen Kommunikationsmitteln abgeschnitten. Sie können ihre Angehörigen nicht erreichen, erhalten keine zuverlässigen Informationen über die Sicherheitslage und haben Schwierigkeiten, grundlegende Dienstleistungen oder digitale Zahlungssysteme zu nutzen.
Gleichzeitig berichten Augenzeugen von einer verstärkten Präsenz von Sicherheitskräften und improvisierten Kontrollpunkten in zahlreichen Städten, die auch in Wohnvierteln eingerichtet wurden und den Druck auf die Bevölkerung zusätzlich erhöhen. Trotz der anhaltenden Luftangriffe und der angespannten Sicherheitslage setzt das Regime seine innenpolitische Repression fort. Zudem wird berichtet, dass Sicherheitskräfte und bewaffnete Einheiten teilweise in oder in unmittelbarer Nähe ziviler Einrichtungen, darunter Schulen, Sportanlagen und Moscheen, stationiert werden. Die IGFM befürchtet, dass Wohngebebiete und damit die Zivilgesellschaft dadurch stärker gefährdet sind und die Bevölkerung den Risiken des Konflikts noch stärker ausgesetzt ist.













