Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig einen Bericht über die Menschenrechtslage im Iran und verschickt diesen über unseren Mail-Newsletter.

Steigende Opferzahlen, Verurteilung Unschuldiger und unberechenbare Zustände 

37. Tag der Revolution

Berichtszeitraum: 27. Januar 2026 bis heute (3. Februar)

Allgemeine Lage

Die angespannte und insgesamt äußerst besorgniserregende Menschenrechtslage im Iran hält seit dem 27. Januar 2026 an. Trotz anhaltender internationaler Kritik setzten die iranischen Behörden ihre repressiven Maßnahmen gegen die Zivilbevölkerung fort. Regimeschergen, Justiz und Geheimdienste gingen koordiniert gegen tatsächliche oder vermeintliche Kritiker des Staates vor.

Unabhängige Informationen aus dem Land sind nach wie vor nur eingeschränkt verfügbar. Staatliche Stellen halten an Maßnahmen zur Einschränkung der Informations- und Kommunikationsfreiheit fest, wodurch die unabhängige Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen erheblich erschwert wird.

Opfer der Islamischen Republik: 

Basierend auf den neuesten aggregierten Daten der Nachrichtenagentur HRANA hat die Gesamtzahl der bestätigten Todesfälle bis zum Ende des 37. Tages seit Beginn der Proteste 6.854 erreicht. Laut dieser Statistik sind darunter 152 Kinder unter 18 Jahren.

Die Zeitung Guardian meldete sogar über 30.000 Todesopfer. Aufgrund der anhaltenden Einschränkungen der Berichterstattung geht die IGFM davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer höher als die bestätigte liegt.

Setayesh Shafiei (20) wurde am 8. Januar 2026 während der landesweiten Proteste in Teheran im Stadtteil Kahrizak durch direkten Beschuss bewaffneter Einheiten der Islamischen Republik getötet. Da Setayesh ein Waisenkind gewesen ist, war es schwierig, ihre Leiche zu identifizieren.

Der 17-jährige Student Sina Ashkboosi wurde auch am 8. Januar 2026, während der Proteste im Teheraner Stadtteil Teheran-Pars, von den Regimeschergen erschossen und starb, nachdem er in das Tehran-Pars-Krankenhaus gebracht worden war. Sinas Tante erklärte, dass die Familie die Beerdigung in Stille abhalten möchte.

Hossein Tehranchi wurde vom Dach einer Moschee im Teheraner Stadtteil Narmak ins Visier genommen. Er war 31 Jahre alt, als er am 8. Januar 2026 während der Proteste im Teheraner Stadtteil Narmak von Regimeschergen der Islamischen Republik erschossen wurde. Seine trauernde Mutter bat ihre Verwandten, vor dem Namen ihres Sohnes „Sohn des Iran” zu schreiben. Er war ihr einziges Kind.

Willkürliche Festnahmen

Auch Ende Januar bis Anfang Februar kam es landesweit zu weiteren willkürlichen Festnahmen. Diese erfolgten sowohl im Zusammenhang mit Protesten als auch im Rahmen gezielter Hausdurchsuchungen. Betroffen waren unter anderem Studierende, Arbeiterinnen und Arbeiter, Aktivisten sowie Minderjährige. Die IGFM hat von aktuell 50.235 Festnahmen erfahren.

Zahlreiche Familien berichteten weiterhin, dass sie keine Informationen über den Aufenthaltsort oder den Gesundheitszustand ihrer festgenommenen Angehörigen  erhalten haben.

Am Montag, dem 2. Februar 2026, entführten Kräfte der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in Kerman die 26-jährige Baháʼí-Bürgerin Shakila Ghasemi aus ihrem Haus und brachten sie an einen unbekannten Ort. Während der Razzia beschlagnahmten die Beamten persönliche Gegenstände von Shakila und ihren Eltern, darunter Laptops und Telefone.

Ashkan Talebi rief seine Mutter an und sagte ihr, dass sein Todesurteil gefällt worden sei.

Ashkan ist 22 Jahre alt, hat keinen Vater und ist der einzige Ernährer sowie das Oberhaupt seiner Familie. Die IGFM fürchtet nun zusammen mit seiner Familie um sein Leben.

Iman Hosseini, 17 Jahre alt, wurde in Sirjan (Provinz Kerman) verhaftet. Er konnte nur kurz mit seinem Vater telefonieren und sagte: „Papa, hol mich schnell hier raus.“

Die Gründe der Verhaftung in diesen beiden Fällen sind unbekannt. Aufgrund der Warnung des Justizministers sehen sich auch viele weitere Demonstranten mit übereilten Gerichtsverfahren und schnellen Urteilen konfrontiert. Das Regime führt Schauprozesse durch und gewährt nur geringe bis gar keine Rechte auf eine objektive Gerichtsverhandlung und Zugang zu fairen Anwälten.  

 

Einschränkung der Informationsfreiheit

Aktuell halten die iranischen Behörden an weitreichenden Einschränkungen der Informations- und Kommunikationsfreiheit fest. Dazu zählen anhaltende Drosselungen sowie zeitweise Abschaltungen des Internets, die Blockade sozialer Netzwerke und Kommunikationsdienste sowie Einschüchterungsmaßnahmen gegen Medienschaffende und Angehörige von Opfern.

Diese Maßnahmen erschweren die unabhängige Berichterstattung erheblich.

Laut Berichten steht das Internet auch nach vier Wochen noch nicht allen Bürgern zur Verfügung. Einige Iraner können sich nur gegen Zahlung hoher Gebühren und unter Verwendung von Tools zur Umgehung von Filterungen oder über das „weiße Internet“, das nur bestimmten Gruppen zur Verfügung steht, mit dem globalen Internet verbinden. Sattar Hashemi, Minister für Kommunikation des Iran, hat bestätigt, dass sich die Situation des Internets sowohl hinsichtlich der Geschwindigkeit als auch des Datenverkehrs noch nicht normalisiert habe.

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich Abgeordnete für ihre Freilassung einsetzen.

Armin Monsaref

Anfang Februar 2026 wurde Armin Monsaref als junger politischer Denker und Analyst in seinem Elternhaus in Sardasht (West-Aserbaidschan) festgenommen. Seine veröffentlichten Analysen und Arbeiten erreichten ein breites Publikum aus unterschiedlichen Regionen Irans, darunter auch kurdisch geprägte Gebiete. Momentan sind keine Informationen über Armins Aufenthaltsort bekannt.

Navid Zarrehbin Irani

Navid Zarrehbin Irani wurde am 16. Januar 2026 von Sicherheitskräften der Islamischen Regierung in seinem Wohnhaus in Maschhad festgenommen. Seit der Festnahme hat seine Familie keine Informationen über seinen Aufenthaltsort. Ihm und anderen Bahá’ís, die grade verhaftet wurden, droht jetzt die Hinrichtung, ohne einen fairen Prozess.

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