FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 06 – Juli - 2026
Iran: Mary Mohammadi im Iran verschwunden

Auch Minderjährigen droht Hinrichtung
Seit den landesweiten Protesten Anfang Januar 2026 und erst recht seit Beginn des Kriegs mit den USA, Israel und einigen arabischen Staaten eskaliert die Repression im Iran. Aber jeder Tiefpunkt entfacht auch die Hoffnung vieler Iraner auf einen Wandel.
Um zur Verbesserung der Lage beitragen zu können, ist die iranische Bürgerrechtlerin und christliche Konvertitin Mary Mohammadi aus dem US-Exil in ihre Heimat zurückgekehrt. Eine verhängnisvolle Entscheidung: Die IGFM erfuhr, dass die 27-Jährige wohl verschleppt worden ist und sich seither an einem unbekannten Ort in Gewahrsam befindet. Noch am 26. Februar 2026 befand sie sich in Freiheit. Danach brach auch der Kontakt zu ihrer Familie unerwartet ab. Sie hielt sich laut Medienberichten zu dem Zeitpunkt in der Stadt Ahvaz in der südwestlichen Provinz Khuzestan auf. Anfang April verliert sich ihre Spur. Mit ihrer Aktion „Gefangene des Monats“ sowie mit Hilfe des politischen Patenschaftsprogramms setzte sich die IGFM im Jahr 2020 für Mohammadi ein. Im Rahmen der IGFM-Jahresversammlung 2023 verlieh die Stephanus-Stiftung dieser mutigen jungen Frau ihren Stiftungspreis.
Dies ist ein prominentes Schicksal unter Tausenden, die die iranischen Behörden seit Ende Februar willkürlich festgenommen haben. Darunter befinden sich nicht nur Teilnehmer der Januar-Proteste. Insbesondere sind Angehörige von Minderheiten betroffen: So werden Christen als „zionistische Netzwerker“ gebrandmarkt. Dutzende politische Gefangene sind hingerichtet worden. Das Mullah-Regime kämpft gegen die eigene Bevölkerung – sogar gegen Minderjährige, was besonders erschreckend ist.
Dazu zählen die beiden 17-jährigen Freunde Matin Mohammadi und Erfan Amiri, die zusammen mit dem knapp volljährigen Ehsan Hosseinipour Hessarlou (18) im Khorin-Gefängnis der Vollstreckung ihrer Todesstrafe nach einem erzwungenen Geständnis unter anderem wegen „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ entgegensehen. In ihrem regelmäßig erscheinenden Iran-Report berichtete die IGFM über deren Festnahme im Januar 2026 nach Protesten in Pakdasht im Norden des Iran. Ihnen wird zur Last gelegt, ein Molotow-Cocktail in die Seyed-al-Shohada-Moschee geworfen zu haben, wobei zwei Angehörige der Basiji-Milizen ums Leben gekommen seien. Die IGFM erreichten Berichte, denen zufolge die Festnahme bereits erfolgte, bevor ein Brandsatz die Gebetsstätte traf. Das Urteil von Richter Iman Afshari von der Abteilung 26 des Revolutionsgerichts in Teheran soll vom Obersten Gerichtshof bereits bestätigt und an die Vollstreckungsbehörde weitergeleitet worden sein.
Die Iraner haben ein Recht auf die Freiheit, über ihren persönlichen Lebensstil oder ihren Glauben selbst zu entscheiden und in der Öffentlichkeit ihre Meinung kundzutun. Stattdessen sind sie aber der ständigen Gefahr ausgesetzt, verfolgt und inhaftiert zu werden. Die IGFM berichtet seit drei Jahren monatlich über die dortige Lage der Menschenrechte, nennt die Namen der Opfer des Regimes, insbesondere die der im Namen der Religion Hingerichteten, wirbt Abgeordnete für die Übernahme von Patenschaften zugunsten von politischen Gefangenen und setzt sich in öffentlichen Aktionen für diese mutigen Menschen ein, vor allem auch gegen geplante Hinrichtungen. Sie hat angesichts der Zunahme der Menschenrechtsverbrechen im Iran eine Vollzeitstelle eingerichtet. Wir bitten Sie dafür um Ihre Spende.
Dieser Artikel wurde publiziert in der Juli - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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