FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 06 – Juli - 2026
Nicaragua: „Wir sind dort, wo es zählt“

100 Jahre „La Prensa“ – verfolgt und enteignet droht ihr das Aus
„In den Jahren 2018 und 2019 beschäftigte LA PRENSA mehr als 400 Mitarbeiter und ein Redaktionsteam von 110 Personen, das stärkste journalistische Team des Landes…. Seit Juli 2022 befindet sich mehr als 90 Prozent des Personals im Exil, verteilt auf Costa Rica, Mexiko, die Vereinigten Staaten und Kanada; die wenigen Mitarbeiter, die in Nicaragua bleiben, arbeiten im Untergrund unter hohen Risiken, um die journalistische Mission des Mediums am Leben zu erhalten. Im Jahr 2026 besteht die Redaktion aus 28 Personen (Redakteure, Journalisten, Community Manager und Unterstützungspersonal), die den täglichen Betrieb aus dem Exil aufrechterhalten.“ (Auszug aus einem eigenen Bericht anlässlich 100 Jahre „La Prensa“)
Seit Mitte der siebziger Jahre berichtete die IGFM über schwerste Menschenrechtsverletzungen der nicaraguanischen Regierung unter dem Diktator Anastasio Somoza Debayle und nach dessen Flucht nach Florida und Machtübernahme durch die Sandinisten unter Führung von Daniel Ortega über deren Menschenrechtsverbrechen. In ihrer ersten Ausgabe von „Für die Menschenrechte“ im Jahr 1982 informiert die IGFM über die brutale Niederschlagung eines Aufstandes in einem Gefängnis, bei der am 27. Juni 1981 Abelardo Sanchez ein Mitarbeiter der erheblichen Anfeindungen ausgesetzten Tageszeitung „La Prensa“, schwer verletzt worden war. „Angesichts mysteriöser Umstände forderten die Angehörigen von Verletzten und Toten von der in Nicaragua regierenden Junta eine umfassende Untersuchung durch neutrale Instanzen. Es wurde aber weder Vertretern des Internationalen Roten Kreuzes noch der nicaraguanischen Menschenrechtsorganisation CPDH oder Monsignore Obando y Bravo als kirchlichem Würdenträger eine entsprechende Untersuchung gestattet. Im Übrigen verhinderte die Regierung Nicaraguas mittels bestehender Zensurgesetze eine ausführliche Berichterstattung über diese Vorgänge“, heißt es in dem IGFM-Beitrag von 1982. Seit damals steht die IGFM in Kontakt mit „La Prensa“.
Daniel Ortega, erstmals von 1985 bis 1990 Staatspräsident, wurde nach drei aufeinanderfolgenden Wahlniederlagen 2006 wiedergewählt und ein Jahr später im Amt des Staatspräsidenten bestätigt. Um seine Herrschaft dauerhaft zu sichern, ließ er Demonstrationen und Proteste von der Polizei und seinen Anhängern mit scharfer Munition niederschlagen. Eine Arbeitsgruppe des UN-Hochkommissars, die Ortega die Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt, Verschwindenlassen von Menschen sowie Folter und Misshandlungen vorwarf, wurde des Landes verwiesen.
Nach seiner manipulierten Wiederwahl 2021 verschärfte Ortega das Vorgehen gegen die freie Presse. Nach russischem Vorbild müssen sich alle Unternehmen und Personen, die Geld aus dem Ausland bekommen, als „ausländische Agenten“ registrieren lassen. „La Prensa“ schilderte ihre Lage so: „Ein staatliches Embargo auf Papier und Tinte zwang zur Einstellung der Printausgabe, und im selben Jahr konfiszierte die Diktatur die Einrichtungen der Zeitung, einschließlich ihrer modernen Druckanlagen … im geschätzten Wert von etwa 25 Millionen Dollar. Im August 2021 wurde der Generaldirektor unter unbegründeten Anschuldigungen festgenommen, verurteilt und 545 Tage im Folterzentrum El Chipote inhaftiert. Seine Freilassung im Februar 2023 unter den Bedingungen von Exil und Ausbürgerung zeigt das Ausmaß der gegen das Medium ausgeübten Repression. Gleichzeitig wurde eine systematische Verfolgung von Journalisten und Mitarbeitern fortgeführt, mit Androhungen, Belästigungen und ständiger Zensur, die die große Mehrheit des Teams ins Exil gezwungen hat.“
Unter den aktuellen Bedingungen im Exil hält „La Prensa“ eine tägliche Produktion von durchschnittlich 30 Nachrichteninhalten aufrecht, setzt weiterhin auf tiefgehende Recherchen und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und Korruption. Ihren Angaben zufolge erzielt „La Prensa“ eigene Einnahmen hauptsächlich aus digitalen Abonnements und Anzeigen und erhält zusätzlich Spenden eines gemeinnützigen Vereins in Costa Rica, der Medien unterstützt, die für Presse- und Meinungsfreiheit kämpfen; doch damit ist das monatliche Budget von 75.000 US-Dollar für Betrieb und Redaktion nicht zu decken. Obwohl mit Pressepreisen überhäuft, kämpft „La Prensa“ ums Überleben. Ihr Motto aktuell. „Wir sind dort, wo es zählt. Wir sind bei Dir. Schließe Dich dem Jahrhundertjubiläum an“. Die IGFM will „La Prensa“ als Zeichen ihrer Solidarität mit 10.000 Euro unterstützen. Bitte helfen Sie mit.
Dieser Artikel wurde publiziert in der Juli - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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