FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 06 – Juli - 2026
Pakistan: Benachteiligten Kindern Schulabschluss ermöglichen

„Der achtjährige Rishi wächst bei seiner Tante auf, weil seine Eltern nicht mehr für ihn sorgen konnten. Sie nahm ihn auf, als sei er ihr eigener Sohn. Es ist für sie zunehmend schwieriger, den täglichen Bedarf der Familie zu decken. An Schulgeldzahlungen ist derzeit erst recht nicht zu denken“, hat Sajid Christopher von der „Human Friends Organization“ (HFO) am 3. Juni 2026 aus Pakistan an die IGFM geschrieben.
Rishi ist lerneifrig und neugierig und würde gerne eine weiterführende Schule besuchen, wofür bislang das Geld nicht reichte. „Zu Hause nimmt er manchmal kaputtes Spielzeug oder andere kleine Gegenstände in die Hand und untersucht sie sorgfältig, um zu verstehen, wie sie funktionieren und versucht bereits, manches nachzubauen. Er stellt viele Fragen, die die Erwachsenen überraschen. Rishi gehört zu den Kindern, denen wir die Chance auf eine bessere Zukunft ermöglichen könnten“, heißt es in der E-Mail weiter.
„Im Jahr 2017 haben wir die ehrgeizige Idee umgesetzt, eine eigene Schule in einem christlichen Viertel von Lahore zu gründen, hauptsächlich finanziert aus Spenden und Gebührenzahlungen derjenigen Familien, die besser gestellt sind“, berichtete Christopher weiter. Dort kann Rishi und mit ihm andere Kinder, die sich in ähnlichen Notlagen befinden, gebührenfrei den Unterricht besuchen und einen Schulabschluss erreichen. Die Einrichtung hat einen ausgezeichneten Ruf errungen und ist inzwischen mit mehr als 1.000 Schülerinnen und Schülern auf die Größe eines Großstadt-Gymnasiums angewachsen, Vorschulklassen und weiterführende Schulklassen miteingeschlossen.
Die Leserschaft dieser Mitteilungen kennt Sajid Christopher seit einigen Jahren durch seinen Einsatz für Familien, überwiegend Christen, die in Schuldknechtschaft geraten sind und aus dieser misslichen Lage nicht allein herausfinden. Er berichtet regelmäßig aus den Ziegeleien über besonders gefährdete Kinder. Die IGFM – unterstützt durch Freunde und Förderer – verhalf bereits vielen von ihnen, diese Verhältnisse – eine moderne Form der Sklaverei – hinter sich zu lassen und ganz neu anzufangen. Christopher ist selbst Christ und Familienvater, und ihn treibt besonders das schwere Schicksal der vielen benachteiligten christlichen Kinder an, deren Eltern kaum das Nötigste zum Überleben verdienen.
Politische Gründe der Benachteiligung von Christen
Der Anteil der Christen unter Schuldknechten und Tagelöhnern mit schlecht bezahlten und wenig respektierten Jobs ist in Pakistan überproportional hoch. Das hat einerseits historische Gründe, da die Mehrheit der pakistanischen Christen Nachfahren der kastenlosen Menschen sind, die nach wie vor gleichsam wie „Unberührbare“ sozial ausgegrenzt werden. Ihre Vorfahren erwarteten einst beim Glaubenswechsel eine Überwindung dieser Stigmatisierung. Die fortdauernde Ungerechtigkeit ist aber politisch begründet, da es für Diskriminierungsverbote und besondere Förderung, anders als im Nachbarland Indien, an einflussreichen Fürsprechern fehlt. So zementieren die alltäglichen Herabsetzungen die prekäre Lage dieser Menschen am Rande der Gesellschaft.
Zudem hat sich während der letzten Jahrzehnte ein dichtes Netzwerk von Islamisten in Pakistan etabliert, die über die Verwendung der Sammlungen für Arme genauestens wachen, insbesondere aus der Pflichtabgabe für wohlhabende Muslime. Angehörige von religiösen Minderheiten werden von dieser Hilfe ausgeschlossen, wenn sie nicht zum Islam übertreten wollen.
Die IGFM möchte Sajid Christopher und seine HFO dabei unterstützen, den achtjährigen Rishi und weitere betroffene Kinder an der Schule aufzunehmen. Mit jedem Kind steigen die Ausgaben, weil etwa Löhne für die Lehrkräfte und Kosten für die Mahlzeiten aus der Schulküche anfallen. Aber bereits mit rund 120 Euro pro Kind im Jahr würde dies aufgefangen. Die IGFM möchte möglichst für 50 Kinder aus politisch benachteiligten Familien den Besuch des nächsten Schuljahres sicherstellen. Bitte helfen Sie mit Ihrem Beitrag.
Dieser Artikel wurde publiziert in der Juli - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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