Iran: Tochter von Nasrin Sotoudeh verhaftet

Die iranische Rechtsanwältin und Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh ist Mutter von zwei Kindern. Ihre Tochter Mehraveh Khandan (auf dem Bild links) ist 20 Jahre alt und wurde am 17. August ohne Erklärung für mehrere Stunden verhaftet. Das Foto zeigt Mehraveh Khandan und ihren Bruder, kurz nachdem sie von der vorübergehenden Festnahme wieder nach Hause kam. Es stammt von Reza Khandan, dem Vater der Kinder und Ehemann Nasrin Sotoudehs.

Familie wird bedroht um Beendigung des Hungerstreiks der Mutter zu erzwingen

Frankfurt am Main, 18. August 2020 – Seit einer Woche ist die Sacharow-Preisträgerin Nasrin Sotoudeh im Evin-Gefängnis in Teheran im Hungerstreik. Andere politische Gefangene haben sich ihrem Hungerstreik angeschlossen. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erfahren hat, wurde am 17. August auch Mehraveh Khandan, die 20-jährige Tochter von Nasrin Sotoudeh verhaftet. Stunden später wurde sie ohne eine Erklärung auf Kaution wieder entlassen.

„Die Verhaftung der Tochter ist ein eindeutiges Signal an Nasrin, den Hungerstreik zu beenden und ihre öffentlichen Forderungen zurückzunehmen. Das iranische Regime sieht sich durch die internationale Aufmerksamkeit durch den Hungerstreik stark unter Druck gesetzt und bedroht daher ihre Familie. Außerdem sollen andere Bürgerrechtler davon abgeschreckt werden, sich ihr anzuschließen“, erklärt die IGFM.

Inhaftierte Frauenrechtlerinnen solidarisieren sich

Mehraveh Khandan wurde am Montag, 17. August, um 9 Uhr morgens im Haus ihres Vaters Reza Khandan festgenommen. Die IGFM hat erfahren, dass sie wegen angeblicher „Sicherheitsverbrechen“ und „Beamtenbeleidigung“ zum Gericht gebracht worden ist. Sie sei bei einem Besuch ihrer Mutter der Aufforderung einer Wärterin nicht nachgekommen, das Kopftuch richtig zu tragen. Nasrin Sotoudeh setzt sich seit Jahren gegen den im Iran allgegenwärtigen Kopftuchzwang ein. Neben fünf Frauen, die wie Nasrin im Evin-Gefängnis einsitzen, befindet sich seit dem 15. August auch die im Qarchak-Frauengefängnis festgehaltene Frauenrechtlerin Soheila Hejab im Hungerstreik. Diese Frauen riskieren ihr Leben und ihre Gesundheit, um auf die katastrophalen Zustände in den iranischen Gefängnissen und auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. „Wenn diese mutigen Frauen nicht schweigen, dürfen die Politiker das auch nicht. Daher appellieren wir an die internationale Gemeinschaft, auf das Schicksal der politischen Gefangenen im Iran aufmerksam zu machen und deren sofortige Freilassung zu fordern“, so die IGFM.

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