Frauen im Iran

Qashqai_Nomadinnen

Um das Bevölkerungswachstum zu beschleunigen, greift die Führung der Islamischen Republik nun auch in die Familienplanung ihrer Bürger und Bürgerinnen ein. Verhütungsmittel sollen in ländlichen Regionen nicht mehr bereit gestellt werden und Sterilisationen nur noch selten möglich sein. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte kritisiert diesen Eingriff der iranischen Regierung in die Privatsphäre der iranischen Gesellschaft.

Foto: Ramona Razaghmanesh

Iran: Bevölkerungspolitik auf Kosten der Frauen


Frauen in den Nomadengebieten dürfen „wählen“ aber Familienplanung ist ihnen untersagt

Teheran / Frankfurt am Main, 5. März 2021 – Obwohl Frauen seit dem 27. Februar 1963 offiziell das Wahlrecht im Iran haben, dürfen sie auch 58 Jahre danach in vielen Bereichen ihres Lebens nicht frei entscheiden – zum Beispiel wie viele Kinder sie bekommen oder wie sie sich kleiden möchten. So weist die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) darauf hin, dass das Gesundheitsministerium des Irans die Bereitstellung von Verhütungsmitteln in Nomadengebieten untersagt hat. Auch Eingriffe zur Sterilisation von Männern und Frauen sind nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Das iranische Regime hat diese umstrittenen Maßnahmen beschlossen, um die Bevölkerung langfristig von 83 Millionen auf 150 Millionen anzuheben. Die IGFM kritisiert diese Einmischung des Staates in die Familienplanung der Menschen besonders in wirtschaftlich schwachen Gebieten mit mangelhafter Infrastruktur und fordert das iranische Regime auf, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen und deren Menschenwürde zu achten.

Familienplanung ist Menschenrecht

Gerade in nomadischen Gebieten werden Frauen im Iran sehr jung verheiratet, haben keine Ausbildung und bekommen viele Kinder. Die IGFM erfährt immer wieder von Fällen, in denen sich Frauen aus Verzweiflung umgebracht haben. Nachdem das Regime den Frauen in Nomadengebieten nun die Möglichkeit genommen hat, selbst zu entscheiden, wann und wie viele Kinder sie bekommen, werden sich deren Probleme noch verstärken. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation befürchtet eine erhöhte Müttersterblichkeit durch diese Maßnahme, da der Zugang der Nomaden zu Gesundheitseinrichtungen und die medizinische Versorgung in den ländlichen Gebieten oft unzureichend ist.

Steigerung der Geburtenrate zum Machterhalt in der Region 

Nach offiziellen Angaben bekommen iranische Frauen aktuell im Durchschnitt 1,7 Kinder und damit zu wenige, um die Bevölkerung auf dem aktuellen Niveau zu halten. Dafür wären 2,2 Kinder pro Frau notwendig. Im Jahr 2050 wäre ein Drittel der iranischen Bevölkerung über 60 Jahre alt. Um einer alternden Bevölkerung entgegenzuwirken, hat die iranische Führung seit Jahren versucht, die Geburtenrate zu erhöhen und dafür verschiedenste Maßnahmen eingeführt. So wurde unter anderem die Anzahl der Kinderwunschkliniken erhöht, der Zugang zu Familienplanungs-Einrichtungen eingeschränkt und die Elternzeit auf neun Monate erweitert. Trotzdem ist die Geburtenrate weiter gefallen. Gründe dafür sind die schwierige wirtschaftliche Lage, der Wunsch der Frauen nach höherer Bildung und der gesellschaftliche Trend, nicht mehr als zwei Kinder zu bekommen und erst spät eine Familie zu gründen. „Das Regime greift nun zu drastischeren Mitteln in Regionen, die sie besser kontrollieren können und missachtet dabei die Menschenrechte der Nomaden und besonders der Frauen. Die iranische Regierung befürchtet, durch eine zunehmend alternde Bevölkerung im Laufe der Zeit geopolitische und wirtschaftliche Macht in der Region zu verlieren“, so die IGFM.

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