Kuba: Oppositionsführer erneut inhaftiert

Der Regimekritiker wurde am 12. Juli 2021 verhaftet, weil er sich am Tag zuvor auf der Polizeistation nach seinen Parteikollegen erkundigt hatte, die während der Proteste vom 11. Juli festgenommen worden waren. Die Justiz fordert 15 Jahre Haft. Navarro erkrankte in Haft an Covid-19 und befindet sich aktuell in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung.

Felix Navarro Rodríguez im Angesicht der Diktatur

Einer der wichtigsten Sprecher der friedlichen kubanischen Opposition erneut vom Castro-Regime inhaftiert

Kommentar von René Gomez Manzano, Dezember 2021

René Gómez Manzano, Präsident der IGFM-Sektion Kuba, berichtet über das Schicksal des Bürgerrechtsaktivisten Felix Navarro.

Das Schicksal des prominenten kubanischen Oppositionsführers Félix Navarro Rodríguez steht erneut im Fokus der internationalen demokratischen Presse. Seit mehr als fünf Monaten ist der 58-jährige ehemalige Lehrer und Mitglied im Vorstand der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte auf Kuba wieder einmal in seiner mehr als 100 Kilometer östlich von Havanna liegenden Heimatprovinz Matanzas inhaftiert.

Diese Gefangenschaft ist bekanntlich nichts Neues im Leben eines unermüdlichen Kämpfers gegen den kommunistischen Totalitarismus. Im Jahr 2003 wurden auf direkten Befehl von Fidel Castro 75 friedliche Oppositionelle, unabhängige Journalisten und Menschenrechtsverteidiger innerhalb weniger Stunden verhaftet und innerhalb weniger Tage beschämenden Scheinprozessen unterworfen. Dies wurde später als „Schwarzer Frühling“ bekannt. Einer dieser Kubaner war Felix Navarro.

Als Führer der Bewegung für Demokratie „Pedro Luis Boitel“ wurde er schließlich zu einer drakonischen Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt! Er gilt als Gewissensgefangener. Aufgrund seiner Entscheidung, seine Freilassung im Tausch gegen ein Leben im Exil nicht zu akzeptieren, war er einer der letzten Gefangenen des „Schwarzen Frühlings“, die „vorläufig“ aus der Haft entlassen wurden. Das war im März 2011.

Obwohl ihm bei erneuter Inhaftierung noch 17 Jahre seiner ungerechtfertigten Strafe drohten, setzte Felix hiernach seine friedlichen pro-demokratische Aktivitäten fort. Er galt neben José Daniel Ferrer Garcia, Guillermo („Coco“) Fariñas Hernández und anderen als einer der prominentesten antikommunistischen Führer in Kuba.

Die Verhaftung, die zu seiner jetzigen Inhaftierung führte, erfolgte im Zuge des Großen antikommunistischen Volksaufstands vom 11. Juli. Es begann mit einer Demonstration in dem kleinen Dorf San Antonio de los Baños, etwa fünfzig Kilometer südwestlich der Hauptstadt. Als Bürger aus ganz Kuba in den sozialen Netzwerken erfuhren, was vor sich ging, kamen immer mehr Orte dazu, an denen sich der Unmut der Bevölkerung entlud, bis es schließlich etwa fünfzig Schauplätze waren (manchmal lagen mehrere davon in derselben Stadt, wie z.B. in der Hauptstadt der Insel).

Einer dieser Schauplätze war die etwa 140 Kilometer östlich von Havanna liegende Stadt Perico, in der Felix Navarro und seine Familie leben. Die Verhaftung des Oppositionsführers erfolgte jedoch nicht am selben Tag wie der Aufstand, sondern am folgenden Tag, dem 12. Juli. Grund für seine Verhaftung war allein die Tatsache, dass er sich zur örtlichen Polizeistation begeben hatte, um sich nach dem Schicksal mehrerer Mitglieder seiner Partei zu erkundigen, die am Vortag verhaftet worden waren.

Seitdem berichtet die unabhängige kubanische Presse (natürlich nicht die offizielle Presse, die sich zu diesem Thema nicht äußert!) über die harten Repressionen, denen Felix im Gefängnis von Agüica ausgesetzt ist. Der Autor dieser Zeilen kennt dieses Gefängnis gut, denn er wurde dort während seiner ersten politischen Haft jahrelang festgehalten. Es ist, ehrlich gesagt, das wahre Grauen.

Die Grausamkeiten, denen Navarro ausgesetzt war, gingen so weit, dass er sich gezwungen sah, vom 23. August bis zum 21. September in einen Hungerstreik zu treten, um gegen seine Inhaftierung und die entsetzlichen Haftbedingungen zu protestieren. Am vergangenen Freitag, dem 10. Dezember, erhielt der symbolträchtige Gewissengefangene Besuch von seiner Frau und Tochter. Die beiden Frauen konnten sehen, dass sich der Gefangene von den Folgen des Hungerstreiks einigermaßen erholt hatte, obwohl er immer noch sehr dünn und schwach war.

Die internationale Öffentlichkeit muss sich zu der Situation äußern, in der sich Menschen wie Félix Navarro oder der bereits erwähnte José Daniel Ferrer befinden. Oder andere, die viel jünger sind und die (gerade wegen ihres jungen Alters) weniger Erfahrung im Kampf für die Demokratie haben. Dies ist der Fall bei den Künstlern Luis Manuel Otero und Máykel Castillo („Osorbo“).

Im Gegensatz zu den Exilanten (die sich dafür entschieden haben, von ihrem unbestrittenen Recht Gebrauch zu machen, in ein fremdes Land zu emigrieren), haben sich die im vorangegangenen Absatz genannten Personen dafür entschieden, zu bleiben. Und das, obwohl das kommunistische Regime sie auf völlig willkürliche und grausame Weise gefangen hält.

Der derzeitige „Präsident der Republik“, Miguel Díaz-Canel, schenkt den Forderungen seiner Mitbürger keine Beachtung. Aus diesem Grund besteht die einzige Hoffnung für die vier oben genannten und für alle anderen kubanischen politischen Gefangenen in dem politischen Druck, der von ausländischen Staaten auf die Regierung ausgeübt werden kann.

Dies ist eine reale Möglichkeit. Die katastrophale Wirtschaftspolitik des kommunistischen Regimes und die Auswirkungen der Pandemie haben den Castrismus in eine besonders prekäre Lage gebracht. Unter diesen Umständen hat ein entschlossenes Auftreten des Auslands die größten Erfolgsaussichten.

Wir hoffen, dass sich die Demokraten in Europa, Lateinamerika, den Vereinigten Staaten und anderen Teilen der Welt dieser Realität bewusst werden und dass sie, innerhalb des vom Völkerrecht vorgegebenen und anerkannten Rahmens, entsprechend handeln.

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben