Kuba: 30 Bürgerrechtler im Hungerstreik

Seit mittlerweile 19 Tagen sind rund 30 Aktivisten der kubanischen Bürgerrechtsbewegung UNPACU in Santiago de Cuba im Hungerstreik. Die Aktivisten protestieren gegen die Polizeiblockade des UNPACU-Zentrums, welches als Armenküche den Armut leidenden Mitbürgern dient. Facebook/ADN/Rosa María Payá
Regime blockiert Armenküche für Bedürftige – IGFM fordert Einstellung der Repressalien und Freilassung politischer Gefangener
Frankfurt am Main/Santiago de Cuba, 7. April 2021 – Ein Zeichen gegen die anhaltende Unterdrückung: Seit mittlerweile 19 Tagen sind rund 30 Aktivisten der kubanischen Bürgerrechtsbewegung UNPACU in Santiago de Cuba im Hungerstreik. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, protestiert die Gruppe – zu der auch der bekannte Regimekritiker und ehemalige politische Gefangene Jose Daniel Ferrer gehört – damit gegen die fortwährenden Repressalien der Staatssicherheit, für die Freilassung der politischen Gefangenen und das Ende der willkürlichen Polizeiblockade der Armenküche.
Die UNPACU verteilt in dieser Armenküche kostenlos Essen an Bedürftige und Medikamente an kranke Menschen. Aufgrund der immer dramatischeren Versorgungslage in Kuba, die sich insbesondere in einem gravierenden Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten niederschlägt, bekam die Armenküche immer größeren Zulauf. „Die UNPACU steht schon seit Jahren im Fokus der Regierung. Dass die Opposition während der Pandemie nun quasi die Versorgung der Bevölkerung sicherstellt, war dem Regime natürlich zusätzlich ein Dorn im Auge. Das kommunistische Regime lässt seine Bürger lieber verhungern als das eigene Versagen einzugestehen – das ist die Wirklichkeit im propagierten Urlaubsparadies Kuba“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Das kubanische Regime reagierte mit einer umfassenden Hetzkampagne in den klassischen wie sozialen Medien und verunglimpfte die Bürgerrechtler als „Vaterlandsverräter“ sowie „Söldner der USA“. Wie die IGFM erfahren hat, wurde das Gebäude der UNPACU mit Steinen beworfen und einige Aktivisten verletzt. In Havanna solidarisierten sich die Aktivisten der Künstlerbewegung „San Isidro“ mit den Hungerstreikenden in Santiago und veranstalteten am Ostersonntag eine großangelegte Protestaktion. Die Polizei versuchte zwar die Aktivisten zu verhaften, kam jedoch gegen die Menge der Anwohner nicht an. Im November letzten Jahres hatte das Regime den Hungerstreik des Künstler-Kollektivs San Isidro gewaltsam beendet.

„Unser Protest geht weiter, denn die Gründe, die zu unserem Hungerstreik ausgelöst haben, bestehen weiter und werden von Tag zu Tag schlimmer. Die gewaltsame Unterdrückung geht in unserer Nachbarschaft und auf unseren Straßen weiter, um uns daran zu hindern, eine wachsende Zahl von Menschen zu ernähren. Wir setzen unseren Protest fort und erneuern unseren Aufruf an die zivilisierte Welt, ihre Stimme zu erheben und diese kriminellen Machenschaften des Einparteienregimes zu verurteilen. Was sie gegen uns unternehmen, ist wirklich eine kriminelle Blockade“, fügte der Oppositionelle an seinem 18. Tag des Hungerstreiks hinzu.
Jose Daniel Ferrer in Pressekonferenz am 06. April 2021, sichtlich geschwächt und mit schwerer, leiser Stimme.
Gesundheitszustand der Hungerstreikenden verschlechtert sich
Auch international bekommt der Hungerstreik viel Aufmerksamkeit: So unterzeichneten fünf Abgeordnete des Europäischen Parlaments, darunter auch die Vize-Präsidentin Dita Charanzová, einen Brief an die kubanische Botschaft in Brüssel. Darin forderten sie das Regime auf, die Forderungen der Aktivisten zu erfüllen. Die IGFM, die mit einer Sektion auf Kuba vertreten ist, begrüßt dies und schließt sich der Forderung an. „Die Aktivisten hungern, damit die Bevölkerung nicht hungern muss. Der Gesundheitszustand der Protestierenden verschlechtert sich jedoch zunehmend, eine Aktivistin musste bereits ins Krankenhaus eingeliefert werden und auch Jose Daniel Ferrer geht es immer schlechter“, warnt die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation.