Kurdistan/Nordirak

In der autonomen Region Kurdistan im Nordirak haben mehrere tausende Jesidinnen und Jesiden Zuflucht gefunden, nachdem der IS im Jahr 2014 einen Völkermord an der jesidischen Gemeinschaft beging. Die IGFM ist seit 2014 in der Region Kurdistan aktiv und unterstützt die Flüchtlingscamps mit humanitärer Hilfe.
Die autonome Region Kurdistan im Irak ist der südliche Teil des kurdischen Siedlungsgebietes, dass sich über die Länder Irak, Syrien, Türkei und Iran erstreckt. Es handelt sich um eine multikulturelle Region, die von einer kurdischen Mehrheit bewohnt wird, aber multiethnisch und multireligiös ist, was sie vom Rest des Irak unterscheidet. Die Geschichte Kurdistans ist geprägt von Unabhängigkeitsbestrebungen und Revolutionen gegen Regimes, bis heute werden einige kurdische Siedlungsgebiete als umstrittene Gebiete des Nordiraks bezeichnet und sowohl von der kurdischen Regionalregierung als auch der irakischen Zentralregierung beansprucht. Rechtlich und verwaltungstechnisch wurde nach den Wahlen von 1991 das Regionalparlament von Kurdistan unter Beteiligung aller nationalen und religiösen Komponenten (Kurden, Turkmenen, Assyrer-Chaldäer, Jesiden, Kakais, Christen und Muslime) gewählt.

In der Nacht vom 3./4. August 2014 überfielen Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) jesidische Städte und Dörfer in der Shingal-Region und begingen einen gezielten Völkermord an der religiösen Minderheit der Jesiden. Tausende unbewaffnete Jesiden, aber auch in dieser Region lebende Christen und Schiiten, wurden ermordet, Frauen und Mädchen verschleppt, vergewaltigt und wie Beute als „Sklavinnen“ an Kämpfer des IS verkauft, verschenkt, verlost oder verheiratet. Ihr Eigentum wurde geplündert oder zerstört. Die Verbrechen werden heute unter anderem von der UN und Deutschland als Genozid eingestuft und haben sich tief in die jesidische Identität eingebrannt. Es wurden mindestens 5.000 Jesiden ermordet und weitere 6.500 entführt, darunter viele Frauen und Kinder, von denen bis heute 2.500 verschwunden sind. Etwa 2.900 Gefangene wurden mit der Unterstützung der kurdischen Regionalregierung befreit.
Nach der Flucht nach Syrien gelangten die meisten Geflohenen in die kurdische Autonomieregion im Nordirak, in der große Flüchtlingscamps errichtet wurden und in denen bis heute ein großer Teil der geflüchteten Jesidinnen und Jesiden lebt. Zwar bieten die Camps einen gewissen Schutz, doch die Bedingungen sind schwierig und viele Menschen leiden unter psychischen Traumata. Ein Großteil der Geflüchteten möchte in die heimische Shingal-Region zurückkehren, jedoch erschweren einige Faktoren die Rückkehr immens. Die politische Lage in der Shingal-Region ist weiterhin instabil und verschiedene Gruppierungen wie die Peschmerga, die kurdische PKK aus der Türkei, Iran-nahe Milizen und die irakische Zentralregierung streiten um die Vorherrschaft.
Humanitäre Hilfe für Flüchtlinge in Kurdistan / Nordirak
Die IGFM ist seit 2014 in der Region Kurdistan aktiv und unterstützt die Camps mit humanitärer Hilfe. Unter der Leitung von Khalil Al-Rasho, Leiter der Humanitären Hilfen Naher Osten, finden regelmäßig Hilfstransporte, Projekte, Kurse und Freizeitangebote sowie Besuche der Camps statt. Die Hilfe für Menschen mit Behinderungen und IS-Überlebende liegt der IGFM besonders am Herzen. Sie hört befreite Frauen und Mädchen an, dokumentiert ihre Berichte und bindet sie in die Aktivitäten der IGFM ein, damit sie ihre Traumata überwinden.
Kernanliegen der humanitären Hilfe der IGFM ist es, nachhaltige und unabhängige Sicherheit für die Betroffenen zu schaffen. Im Herzen der Arbeit steht daher ein breites Portfolio an Bildungs- und Ausbildungsprojekten. Erfahren Sie hier mehr über die humanitäre Hilfe der IGFM in der Region Kurdistan.
Unterstützen Sie unsere Projekte in den Camps
Aus dem Provisorium Flüchtlingscamp ist für viele heute eine dauernde Bleibe geworden, verbunden mit neuen Herausforderungen: die Notwendigkeit zur Schaffung einer beständigen Infrastruktur, eines Schulbetriebs oder einer funktionierenden Gesundheitsversorgung. Die Überlebenden des Genozids kämpfen zudem mit Traumata, anhaltenden Sicherheitsrisiken, Perspektivlosigkeit und einer nur schleppend anlaufenden juristischen Aufarbeitung der Verbrechen.
Leider ist die Zahl der Hilfsorganisationen in der Region in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, daher kommt es auf jede Unterstützung an. Für unsere humanitären Projekte in der autonomen Region Kurdistan sind wir auf Ihre Spenden angewiesen. Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, unsere Bildungsprojekte auszubauen, die Selbstständigkeit junger Unternehmerinnen und Unternehmer zu fördern, den Einsatz eines ehrenamtlichen Ärzteteams zu ermöglichen sowie unsere Hilfsgütertransporte zu unterstützen.




