María Lourdes Afiuni Mora

Die venezolanische Rechtsanwältin und Richterin ist nach 16 Jahren Haft und Hausarrest zwar formaljuristisch frei aber in der Ausübung ihrer Rechte immer noch stark eingeschränkt. Foto: Privat
Der Preis für den Einsatz für die Unabhängigkeit der Justiz
Sie gilt als eine der bekanntesten politischen Gefangenen des Chavismus und als unmissverständliches Symbol für die Aushöhlung der Unabhängigkeit der Justiz in Venezuela. Dr. María Lourdes Afiuni Mora, eine Richterin, die zur politischen Gefangenen eines Regimes wurde, hat bereits mehr als das Dreifache der ungerechten Haftstrafe für ein Verbrechen verbüßt, das in der venezolanischen Gesetzgebung nicht existiert und dass sie nicht begangen hat. Ihre Menschenrechte wurden systematisch verletzt, und ihre Familie wurde politisch verfolgt; auch heute noch werden ihre Menschenrechte verletzt.
María Lourdes Afiuni Mora (1963) ist eine venezolanische Rechtsanwältin und Richterin. Sie war Vorsitzende des Kontrollgerichts Nr. 31 in Caracas, bevor sie 2009 wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet wurde, nachdem sie die Freilassung des Unternehmers Eligio Cedeño gegen Kaution angeordnet hatte. Die Richterin wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela, Hugo Chávez, festgenommen. Im August 2026 wurde ihr formaljuristisch die vollständige Freiheit gewährt, da die Strafe und die strafrechtliche Verantwortung erloschen waren, womit ihr Fall abgeschlossen wurde.
Während ihrer ungerechtfertigten Haft erlitt sie systematische Menschenrechtsverletzungen. Derzeit werden ihre Menschenrechte trotz ihrer rechtlichen Freiheit in der Realität weiterhin verletzt. Ihr wird das Recht auf Ausweisdokumente untersagt. Zudem wird ihr untersagt, den Anwaltsberuf auszuüben, sie darf das Land nicht verlassen, ihr Bankkonto nicht nutzen, und die Nutzung sozialer Netzwerke sowie öffentliche Äußerungen sind eingeschränkt.
Ein warnendes Beispiel für Richter und Staatsanwälte
María Afiuni wurde am 17. Dezember 2009 festgenommen. Dann wurde sie ins „Instituto Nacional de Orientación Femenina“ (Übersetzt ins Deutsche: Nationales Institut für Frauenberatung), einem Frauengefängnis am Stadtrand von Caracas, gebracht. Der Präsident der Republik, Hugo Chávez (verstorben 2013), feierte ihre Festnahme im Fernsehen und erklärte, sie solle für 30 Jahre inhaftiert werden“ – die Höchststrafe in Venezuela. Zudem nutzte er Dr. Afiuni Mora als abschreckendes Beispiel für alle Mitglieder der Justiz, die versuchen sollten, sich den Anordnungen des Chavismus zu widersetzen. Nach fast 10 Jahren, im März 2019, wurde sie wegen „spiritueller Korruption“ zu fünf Jahren Haft verurteilt – ein Delikt, das im Strafrecht des Landes nicht definiert ist.
Chronik der Menschenrechtsverletzungen gegen eine Richterin
Seit mehr als 16 Jahren in Folge ist die Richterin Dr. Afiuni Opfer systematischer Menschenrechtsverletzungen; sie wurde im Jahr 2009 zu Unrecht verhaftet und im „Instituto Nacional de Orientación Femenina“ (Übersetzt ins Deutsche: Nationales Institut für Frauenberatung), inhaftiert, zusammen mit Häftlingen, die sie selbst verurteilt hatte. Ihre Anwälte gaben bekannt, dass María Afiuni vor dem Gericht erklärt habe, wie Gefängniswärter und Beamte des Justizministeriums sie schweren Folterhandlungen, geschlechtsspezifischer Gewalt, sexueller Gewalt und anderen grausamen, unmenschlichen und erniedrigenden Behandlungen ausgesetzt und ihr den Zugang zu medizinischer Versorgung verweigert hätten. Die Beweise für Misshandlungen, Folter und sexuellen Missbrauch gegen Dr. Maria Afiuni wurden sowohl in ihrer Gerichtsakte als auch in den Akten zu Menschenrechtsverletzungen an politischen Gefangenen in Venezuela bei den Vereinten Nationen dokumentiert; letztere Organisation hat wiederholt durch ihre Experten, Berichterstatter und Kommissare Erklärungen und Verurteilungen in Bezug auf ihren Fall abgegeben.
Da sie an Krebs erkrankt war und dank des humanitären Drucks im Jahr 2011 wurde ihr eine besondere humanitäre Maßnahme gewährt, und sie wurde in Caracas unter Hausarrest gestellt. Im Jahr 2019 wurde sie aufgrund des Vergehens der „spirituellen Korruption“ zu fünf Jahren Haft verurteilt und verbüßte die Strafe unter Hausarrest, doch erst im August 2026 überreichte ihr ein Gericht die Bescheinigung über ihre vollständige Freilassung.
Aus dem Gefängnis, aber noch nicht frei!
September 2026


