Zum Tod des Diktators

Ein Nachruf von Martin Lessenthin. Bildquelle: History.com

Was Castro für die Kubaner bedeutet

Frankfurt am Main (26. November 2016) – Als Comandante Fidel Alejandro Castro Ruz mit seinen Revolutionären im Jahr 1959 über die korrupte Batista-Diktatur gesiegt hatte, versprach er den Kubanern „Freie Wahlen für ein freies Volk“. Wie so viele seiner politischen Versprechen und Ankündigungen entpuppte sich dies schon bald als billige Propaganda.

Stattdessen begann direkt nach dem Machtwechsel die Verfolgung der kubanischen Opposition und aller Menschen, die sich nicht gleichschalten lassen wollten. Systematische Unterdrückung, Bedrohung, Gefängnis, Mord und Folter durch die Schergen Castros machten auch vor denen nicht halt, die zuvor gemeinsam mit ihm für die Befreiung von Batista gekämpft hatten. Eines der prominentesten Beispiele dafür ist der sozialdemokratisch orientierte Comandante Huber Matos, der erst wegen „revisionistischer Abweichung“ zum Tode verurteilt und dann für 20 Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde.

Gestützt auf Armee und Partei installierte der bärtige, stets uniformierte und gewaltbereite Fidel Castro eine Diktatur, deren Markenzeichen die Ablehnung des pluralistischen westlichen Demokratiemodells und der Menschenrechte, die Militarisierung der kubanischen Gesellschaft sowie die enge Verbundenheit mit dem Sowjetkommunismus waren. Aufgrund seines Misstrauens gegen die internationalen Märkte und die Privatwirtschaft, sowie infolge immer wieder misslungener planwirtschaftlicher Experimente, hat Castro sein Land ruiniert.

Was die Kubaner von Fidel Castro bekamen, war ständige Propaganda für den Sozialismus und gegen den Westen. Doch die meisten Kubaner sehnten sich nach einer Verbesserung ihres Lebens und nach Freiheit. Viele waren dafür sogar bereit, unter Lebensgefahr von der Insel zu fliehen. Tausende von Familien wurden getrennt, Kinder verloren ihre Eltern.

47 Jahre lang verkörperte Fidel Castro, der als „Máximo Líder“ (Oberster Führer) bereits zu Lebzeiten einen Personenkult um sich selbst pflegte, wie man ihn sonst nur aus Nordkorea kennt, den totalitären „Socialismo Tropical“ auf der Karibikinsel. Danach inthronisierte er im Jahr 2006 aus gesundheitlichen Gründen seinen „kleinen“ Bruder Raúl für das politische Tagesgeschäft. Der kranke „große Bruder“, behielt aber als „Graue Eminenz“ immer die Fäden in der Hand.

Fidel Castros Schlachtruf „Socialismo o muerte“ (Sozialismus oder Tod) hat unter Raúl Castro seine Gültigkeit nie verloren. Wenn Fidel Castro am 4. Dezember zu Grabe getragen wird, bedeutet dies noch lange nicht, dass auch die von ihm geschaffene Diktatur beerdigt wird. Denn solange die Castro-Familie und ihr Netzwerk in Armee und Kommunistischer Partei die Macht besitzt, ihre totalitäre Politik fortzusetzen, werden politische Gefangene, Gewalt gegen Andersdenkende und die Einparteiendiktatur weiterhin Markenzeichen Kubas bleiben.

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