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Nachruf auf Ludmila Alexejewa

Abschied von Ludmila Alexejewa

Am 11. Dezember 2018 fand in Moskau die Trauerfeier für Ludmila Alekseewa statt, die über die letzten 30 Jahre den Vorsitz der Moskauer Helsinki-Gruppe innehatte. Sie war Mitgründerin der Moskauer Helsinkigruppe am 12. Mai 1976 und verließ bereits acht Monate später im Februar 1977 die Sowjetunion wegen zunehmender Repressalien und kehrte 1993 aus ihrem Exil in den USA nach Russland zurück und zeigte sich sofort als prinzipielle, fordernde und talentierte Anführerin einer der ältesten Menschenrechtsorganisationen der Russischen Föderation.

Ludmila Alekseewa gelang es, um sich und die alte Garde von Menschenrechtsaktivisten, aktiven junge Menschen, die sich bemühen, die Demokratie und die Menschenrechte zu stärken, zu binden.

Unter ihrer Leitung hat die Moskauer Helsinki-Gruppe eine anerkannte Führungsrolle unter den Menschenrechtsorganisationen in Russland eingenommen, großartige und ambitionierte Projekte zum Schutz der politischen und bürgerlichen Rechte, zur Förderung der Gerechtigkeit, zur Unterstützung von Verurteilten und vieles andere umgesetzt.

Als Mitglied des Rates für die Entwicklung der Zivilgesellschaft unter dem Präsidenten der Russischen Föderation, verteidigte Ludmila Alekseewa grundlegend und scharf die Rechte der Russen auf freie Wahlen, auf öffentliche Aktivitäten, auf Freizügigkeit und Migration. Sie wehrte sich gegen Rechtswillkür, scheute sich nicht vor scharfen Diskussionen mit hohen Staatsbeamten, einschließlich selbst dem Präsidenten.

Foto: Voice of America, Wikimedia Commons / CC-PD-Mark

Sie lebte 91 Jahre, ein langes und interessantes Leben. Deshalb vereinte der Abschied von Ludmila Michailowna Alexejewa viele Menschen: Hunderte kamen in das Moskauer Zentralhaus der Journalisten: Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Politiker, Diplomaten und einfach aktive Bürger, selbst der Präsident Wladimir Putin kam, legte Blumen nieder und kondolierte ihren Nahestehenden.

Russlands Menschenrechtsverteidigung erlitt einen schweren Verlust. Aber natürlich: Die Menschenrechtsgemeinschaft Russlands wird den Regeln der ältesten Menschenrechtsaktivisten Russlands folgen und sich noch kompromissloser und grundlegender für die politischen, bürgerlichen und sozialen Rechte der Russen einsetzen. Die russische Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, trauert zusammen mit allen Menschenrechtsaktivisten Russlands um die Führerin der Moskauer Helsinki-Gruppe und spricht der Familie und den Freunden von Ludmila Alekseewa ihr aufrichtiges Beileid aus.

Vladimir Novitzky,  Vorsitzender der Sektion Russland der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte

Ludmila Alexejewa, die Grand Dame der russischen Bürgerrechtsbewegung, war zweimal Gast der Jahresversammlung der deutschen Sektion. 1999 mahnte sie bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Stabilität vor Menschenrechten?“: „Russland wird nur dann ein stabiler Staat werden, wenn die Gesellschaft der Bürger es schafft, stark und aktiv genug zu sein, um die Autoritäten zu zwingen, die Bürgerrechte zu respektieren, mit den öffentlichen Organisationen zusammenzuarbeiten und sie als gleiche Partner zu behandeln.“ Dieses Ziel ist heute, 19 Jahre später, immer noch in weiter Ferne, nicht nur in Russland, sondern in fast allen ehemaligen Sowjetrepubliken.

In „Dokumente der Moskauer Helsinki-Gruppe“, herausgegeben 1977, berichtet die IGFM über ihre Arbeit von der Gründung bis zur nachhaltigen Verfolgung durch das Sowjetregime, die zur Ausbürgerung und Ausweisung sowie zur Verfolgung und Inhaftierung ihrer Gründungsmitglieder innerhalb nur eines Jahres geführt hatten. Doch überall in der Sowjetunion gründeten sich neue Helsinki-Gruppen und andere Menschenrechtsinitiativen, und sie vernetzten sich. Ludmila Alexejewa war und bleibt über ihren Tod hinaus ihr Mentor, Motor und Vorbild.

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2019-03-21T14:05:35+01:00Freitag, Dezember 14, 2018|