Nasrin Sotoudeh in akuter Lebensgefahr

Die prominenteste politische Gefangene befindet sich seit dem 11. August 2020 im Hungerstreik. Das Bild daneben zeigt ihre Tochter Mehraveh und ihren Sohn Nima. Die Tochter wurde sechs Tage nach Beginn ihres Protestes kurzzeitig inhaftiert, um Druck auf Nasrin Sotoudeh auszuüben.

IGFM: Iranische Öffentlichkeit solidarisiert sich in den sozialen Medien

Teheran / Frankfurt am Main, 1. September 2020 – Alarmierende Nachrichten aus Teheran: Nasrin Sotoudeh schwebt nach 21 Tagen Hungerstreik in akuter Lebensgefahr. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) aus dem Umfeld der prominentesten  politischen Gefangenen im Iran erfahren hat, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand zunehmend. Trotz der Appelle anderer politischer Gefangener und iranischer Bürgerrechtler, den Hungerstreik zu beenden, setzt die 57-Jährige diesen weiter entschlossen fort. Die im Evin-Gefängnis einsitzende Menschenrechtsverteidigerin hat bereits sechs Kilo abgenommen, leidet unter starken Blutdruckschwankungen. Sie kann aufgrund von Brechreiz nicht genug Wasser zu sich nehmen.

„Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, sich für die Freilassung der mutigen Frauenrechtsaktivistin einzusetzen und weiter Druck auf das iranische Regime auszuüben. Ihr Körper ist mittlerweile so stark geschwächt, dass wir das Schlimmste befürchten“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

Seit Nasrins Ehemann Reza Khandan berichtet hatte, dass seine Frau trotz ihres schlechten Gesundheitszustands ihren Hungerstreik weiter fortsetze, fordern viele iranische Nutzer in den sozialen Netzwerken die Freilassung der Anwältin und Frauenrechtlerin. Die IGFM begrüßt diese Solidaritätsaktionen und verweist auf die „nicht zu unterschätzende Macht der sozialen Netzwerke, um Druck auf autoritäre Regime auszuüben“.

Nasrin Sotoudeh protestiert mit ihrem Hungerstreik seit dem 11. August 2020 gegen unfaire Gerichtsverhandlungen im Iran sowie gegen die fortdauernde Inhaftierung von Bürgerrechtlern während der Coronavirus-Pandemie. Am sechsten Tag ihres Hungerstreiks wurde ihre 20-jährige Tochter Mehraveh Khandan kurzzeitig verhaftet und Stunden später ohne eine Erklärung gegen Zahlung einer Kaution wieder entlassen, um Nasrin Sotoudeh unter Druck zu setzen. „Diese Taktik des Regimes schlug jedoch fehl. Nasrin bestärkte dieses unmenschliche Vorgehen eher noch darin, weiter gegen Willkür und Menschenrechtsverletzungen im Iran zu protestieren“, so die IGFM.

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