Nasrin Sotoudeh setzt zweiwöchigen Hungerstreik fort

Die prominenteste politische Gefangene des Iran protestiert seit 2 Wochen im Evin Gefängnis mit einem Hungerstreik gegen unfaire Gerichtsverhandlungen sowie die fortdauernde Inhaftierung von Bürgerrechtlern während der Coronavirus-Pandemie.
Sacharow-Preisträgerin bezeichnet Verhaftung ihrer Tochter als
„schockierend und unmenschlich“
Frankfurt am Main, 24. August 2020 – Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist in großer Sorge um Nasrin Sotoudeh, die ihren Hungerstreik auch nach zwei Wochen fortsetzt. Die prominenteste politische Gefangene des Iran protestiert damit im Evin Gefängnis gegen unfaire Gerichtsverhandlungen sowie die fortdauernde Inhaftierung von Bürgerrechtlern während der Coronavirus-Pandemie.
Am 17. August wurde ihre 20-jährige Tochter Mehraveh Khandan verhaftet und Stunden später ohne eine Erklärung auf Kaution wieder entlassen. Dieses Vorgehen bezeichnet die Frauenrechtlerin als „schockierend und unmenschlich“. In der Zwischenzeit fror das iranische Regime außerdem Nasrins Bankkonten ein.
„Nasrin Sotoudeh ist sehr geschwächt, hat einen niedrigen Blutdruck und Blutzucker. Am Donnerstag vergangener Woche wurde sie wegen ihres kritischen Gesundheitszustands in das Gefängniskrankenhaus eingeliefert. Trotzdem ist ihr Wille ungebrochen, sie wird weiter ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren, um nun auch noch gegen das Vorgehen der Justiz sowie des Sicherheitsapparates bei der Festnahme ihre Tochter zu protestieren und eine Erklärung einzufordern“, berichtet Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Mehraveh Khandan wurde im Haus ihres Vaters Reza Khandan festgenommen. Dabei waren mehrere Teams im Einsatz – unter anderem nutzte die Staatssicherheit Taxis zur Tarnung. Nach Informationen der IGFM sei die Verhaftung wegen angeblicher „Sicherheitsverbrechen“ und „Beamtenbeleidigung“ erfolgt. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation sieht dies allerdings eindeutig als „großangelegte Aktion zur Einschüchterung ihrer Mutter und zur Machtdemonstration des Regimes“.