Oleh Kotov (✝ 59)

Der pensionierte Polizist Oleh Kotov wurde im April 2022 vom russischen Militär verschleppt und befand sich bis Anfang Juni 2026 in russischer Gefangenschaft. Nach rund einem Monat in Freiheit erlag Oleh den Folgen einer Krebserkrankung.
Oleh Kotov (✝ 59): „Ich empfinde weder Groll noch Verbitterung“
So viel ist sicher: Oleh Kotov (✝59) wurde ohne Anklage und ohne Verurteilung in verschiedenen Gefängnissen in den besetzten Gebieten der Ukraine und in Russland festgehalten. Als schwerkranker Mann verließ er Anfang Juni 2026 das Gefängnis und kehrte in die Ukraine zurück. Ende Juli diesen Jahres starb er an den Folgen seiner Krebserkrankung. Fest steht auch, dass er während seiner Haftzeit nicht angemessen medizinisch behandelt wurde.
„Ich empfinde weder Groll noch Verbitterung. Aber dieses Böse muss besiegt werden.“ Dies waren einige der letzten Worte von Oleh Kotov, einem ukrainischen Zivilisten, dessen Geschichte wir erzählt haben, dessen Freilassung wir gefordert hatten und für den wir uns eingesetzt hatten, während er sich in russischer Gefangenschaft befand.
Oleh ist tot.
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte spricht Olehs Familie und seinen Angehörigen ihr tief empfundenes Beileid aus und wünscht ihnen viel Kraft und Trost in dieser schweren Zeit.
Wir erinnern uns: Russische Streitkräfte verschleppten Oleh am 23. April 2022 aus seinem Zuhause in Kozacha Lopan in der Region Charkiw. Der pensionierte Polizist wurde mehr als vier Jahre lang ohne Anklage und ohne Verurteilung in verschiedenen Gefängnissen in den besetzten Gebieten der Ukraine und in Russland festgehalten.
Während seiner Gefangenschaft wurde Oleh wiederholt geschlagen und mit Elektroschocks gefoltert. Er erzählte von gebrochenen Rippen, schweren Misshandlungen und weiteren Formen der Folter, während er verhört wurde.
Während seiner Gefangenschaft erkrankte Oleh schwer. Offiziell hieß es, er leide an einer Lungenentzündung. Später hörte er jedoch zufällig mit, dass er an Krebs erkrankt war. Seinen eigenen Angaben zufolge erhielt er keine angemessene Behandlung gegen die Krankheit.
Am 5. Juni 2026 kehrte Oleh schließlich in die Ukraine zurück. Zu diesem Zeitpunkt war seine Krebserkrankung bereits weit fortgeschritten und sein Gesundheitszustand hatte sich dramatisch verschlechtert. Er wurde in einem Krankenhaus in Kyjiw behandelt, wo der Journalist Stefan Schocher mit ihm über seine vier Jahre in russischer Gefangenschaft sprach.
Sieben Tage nach diesem Gespräch, Ende Juli, starb Oleh Kotov.
Wir wissen nicht, ob eine frühere Diagnose und eine angemessene Behandlung sein Leben hätten retten können. Doch Tatsache ist, dass Oleh während seiner jahrelangen russischen Gefangenschaft die Möglichkeit genommen wurde, die medizinische Versorgung zu erhalten, die ein Krebspatient benötigt. Als er schließlich zu seiner Familie zurückkehren konnte, war die Krankheit bereits weit fortgeschritten.
Olehs Schicksal ist zugleich Teil einer viel größeren Geschichte.
Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich mehr als 16.000 ukrainische Zivilisten weiterhin in russischer Gefangenschaft. Viele von ihnen werden ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Die Vereinten Nationen dokumentieren weiterhin weitverbreitete und systematische Folter und Misshandlung ukrainischer ziviler Gefangener.
Oleh kehrte nach Hause zurück. Tausende andere konnten es bis heute nicht. Wir werden ihre Geschichten weiterhin erzählen und ihre Freilassung fordern.
„Ich empfinde weder Groll noch Verbitterung. Aber dieses Böse muss besiegt werden.“





