FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 11 – Dezember 2025
Pakistan – Christliche Familie aus Schuldknechtschaft befreit

Erstmals ein frohes Weihnachtsfest für die achtjährige Neha
Die achtjährige Neha kann mit ihrem Vater Nadeem Masih und ihrer Mutter Sumera ein ganz besonderes Weihnachtsfest begehen: Die Familie hat erstmals Zeit füreinander und kann sich auf unbeschwerte, frohe Stunden freuen.
„Seit heute sind sie aus der Schuldknechtschaft befreit. Die gesamten Schulden wurden beglichen, wodurch der Vater sowohl rechtlich als auch physisch frei von der Knechtschaft wurde. Darüber hinaus wurde die Familie in eine sichere und friedliche Umgebung umgesiedelt, sodass sie ohne Angst einen Neuanfang wagen kann. Ihre Unterstützung hat ihr Leben grundlegend verändert und ihnen Würde, Freiheit und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zurückgegeben“, schrieb Sajid Christopher von der pakistanischen Partnerorganisation „Human Friends Organization“ (HFO) am 30. Oktober 2025 in einer E-Mail an die IGFM. „Die „Human Friends Organisation“ begleitet die Familie noch weiter auf ihrem Weg der Heilung und Entwicklung“, hieß es zudem in der Nachricht.
Für die Befreiung der Familie war es höchste Zeit: Trotz Schulreife war die Tochter bis dahin noch nie im Unterricht. Neha kannte überhaupt nur das Gelände des Betriebs, in dem ihre Eltern tagaus und tagein schuften mussten. Die Gefahr bestand, dass die Schuldenlast auf sie überging. Das Mädchen hat nun seine Schulausbildung aufgenommen und kann durch einen Abschluss und eine anschließende Ausbildung für immer dem Elend entkommen, in dem es bislang gelebt hat.
Bevor Neha geboren wurde, wollten sich ihre Eltern mit einem anfänglich überschaubaren Darlehen den gemeinsamen Start ins Familienleben erleichtern. Doch gerieten sie an einen unseriösen Kreditgeber, der ihnen Lohnvorschuss und einen Job anbot. Was Nadeem nicht absehen konnte: Trotz harter Arbeit unter schwierigsten Bedingungen kam er in zehn Jahren mit der Schuldentilgung nicht voran. Im Gegenteil: Allzu oft kam es zu Verdienstausfällen: Flutartige Regenfälle, die die zum Trocknen ausgelegten Ziegel aufweichten, gesundheitliche Einschränkungen aufgrund der Smogbelastung, die in der Gegend zu den weltweit stärksten zählt – um nur zwei Beispiele zu nennen.
„Auf der Familie lastet ein enormer Druck: Immer dann, wenn sie wegen Krankheit oder widriger Witterung nicht arbeiten können, bekommen sie keinen Lohn. Um die dringendsten Ausgaben zu decken, lieh sich Nadeem in dieser Zeit weitere Beträge vom Ziegeleibesitzer. Diese Kredite haben sich zu einer für seine Verhältnisse beträchtlichen Verschuldung angehäuft. Sie beträgt 326.275 Rupien (umgerechnet knapp unter 1.000 Euro; Anm. d. Red.)“, berichtete uns Sajid Christopher noch am 15. Oktober 2025.
Glücklicherweise lernte die HFO sie bei einem Besuch der Brennerei anlässlich einer Erhebung kennen: Sajid Christopher und sein Team erstellen bei solchen Einsätzen Listen von Familien, die sie als besonders gefährdet einstufen. Daraufhin stellen sie der IGFM regelmäßig Schicksale vor, um mit unserer Hilfe insbesondere Kinder und Überlebende von Gewalt aus dem „Teufelskreis der Zwangsarbeit“ herauszuholen. Sobald die IGFM – Dank der Unterstützung ihrer Förderer – eine Zusage treffen kann, tritt Christopher in Verhandlungen mit der jeweiligen Leitung der Ziegelei.
In diesem Fall ging alles recht zügig. Für Neha hätte jeder Tag dort einer zu viel sein können, da Mädchen und junge Frauen in den Ziegeleien, die überwiegend auf der Grundlage von Schuldknechtschaft betrieben werden, besonders gefährdet sind: Durch sexuelle Belästigung, Missbrauch und Gewalt und sogar Zwangsehen. Die Nationale Kommission für Menschenrechte Pakistans hat dies in ihrer in diesem Jahr erschienenen Studie „Ausbeutung und Missbrauch in den Ziegeleien Punjabs aufdecken“ fundiert belegt.
„Die Realität ist, dass Schuldknechtschaft in Pakistan seit 1992 illegal ist. Aber sie besteht fort, da die Behörden dem Gesetz nicht zur Durchsetzung verhelfen“, beklagt Sajid Christopher. Hunderttausende sind davon betroffen. Überproportional viele Christen leisten Schwerstarbeit als Schuldknechte. Abgesehen von der humanitären Unterstützung fordert die IGFM zugleich auf politischer Ebene den gesetzlich gebotenen Schutz ein. Wir haben Christopher zugesichert, weiteren Familien zu helfen, deren Kinder durch diese Umstände besonders gefährdet sind. Mit umgerechnet 2.000 Euro kann eine durchschnittliche Schuldenlast getilgt und der jeweiligen Familie zum Neustart verholfen werden.
Dieser Artikel wurde publiziert in der Dezember 2025-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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