Ruhollah Zam

Der iranische Journalist Ruhollah Zam ist der Sohn des bekannten iranischen Klerikers Mohammad-Ali Zam. Ruhollah Zam berichtete in einem Telegram-Kanal über Korruptionsfälle im Iran. Während einer Reise in den Irak wurde er von iranischen Agenten entführt und wurde vom Islamischen Revolutionsgericht nach einem erzwungenen Geständnis zum Tode verurteilt. Am 12. Dezember 2020 wurde Zam exekutiert.
Sohn eines einflussreichen Geistlichen wegen „Korruption auf Erden“ und „Spionage für Israel und Frankreich“ zum Tode verurteilt
Der iranische Journalist Ruhollah Zam war der Sohn des bekannten iranischen Klerikers Mohammad-Ali Zam, der nach der islamischen Revolution 1979 diverse hochrangige Ämter in der Verwaltung besetzte. Der 1978 geborene Journalist war verheiratet und hat zwei Kinder. Im Juli 2020 verurteilte das Islamische Revolutionsgericht ihn zum Tode und legte ihm siebzehn Anklagepunkte zur Last – unter anderem „Spionage für Israel und Frankreich“, „Korruption auf Erden“, „Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten“ und „Beleidigung aktueller und ehemaliger Führer der Islamischen Republik“. Seit seiner Verhaftung durfte er seine Familie nicht sehen, keinen Anwalt hinzuziehen und saß ausschließlich in Einzelhaft. Am 12. Dezember wurde Zam getötet. Die Behörden verweigerten der Familie zunächst die Übergabe des Leichnams.
Als nach der Präsidentschaftswahl im Jahr 2009 Fälschungsvorwürfe aufkamen und eine landesweite Protestwelle ausbrach, die später als Grüne Bewegung bekannt werden sollte, fiel Ruhollah trotz seines einflussreichen Vaters in Ungnade. Er wurde verhaftet, angeblich wegen aufwiegelnder Berichterstattung und konnte nach seiner Freilassung das Land verlassen. Anschließend erhielt er politisches Asyl in Frankreich und gründete von dort aus im Jahr 2015 den regimekritischen Kanal „Amad News“ auf dem Messengerdienst Telegram, in welchem er über Korruptionsfälle des iranischen Staats berichtete. Der Telegrammkanal Amad News spielte eine entscheidende Rolle für den freien Informationsfluss im Iran, insbesondere während der weit verbreiteten Proteste im Juli 2017.
Während einer Reise in den Irak im Oktober 2019 wurde Ruhollah Zam von Revolutionsgarden entführt und in den Iran gebracht. Einen Tag nach seiner Verhaftung im Oktober 2019 behauptete die französische Zeitung „Le Figaro“ in einem Artikel, iranische Sicherheitsbeamte hätten ihn unter dem Vorwand, Ayatollah Sistani – den größten schiitischen Klerus der Welt – zu treffen, ins Land gelockt und ihn nach der Einreise in die irakische Stadt Nadschaf verhaftet sowie deportiert. In einer Erklärung beschrieben die Revolutionsgarden die Verhaftung von Zam als „eine professionelle, intelligente und facettenreiche Operation, bei der neue Geheimdienstmethoden und innovative Taktiken eingesetzt wurden“. Bereits im Jahr 2017 verhafteten Sicherheitskräfte unter anderem seinen Bruder, zwei Schwestern, sowie einen Schwager, um damit Druck auf Ruhollah Zam auszuüben.
Mehrere Monate nach seiner Verhaftung wurde im iranischen Fernsehen ein offensichtlich erzwungenes Geständnis ausgestrahlt, in welchem sich Zam vor einer laufenden Kamera beim iranischen Volk und dem Regime entschuldigt. Darin berichtet er, dass er “fälschlicherweise ausländischen Regierungen vertraut habe, die ihm Sicherheit gewähren wollten, allen voran der französischen”.