Tibet

Der tibetische Schriftsteller und Mönch wurde am 2. Dezember 2020 verhaftet und wird seitdem vermisst. Gendun Lhundup hatte sich für die Autonomie Tibets eingesetzt und die Duldung der Meinungsfreiheit gefordert.
Schriftsteller wegen Einsatz für tibetische Kultur verhaftet
IGFM fordert chinesische Regierung auf, Tibets Autonomie zu respektieren und kritisiert anhaltende Menschenrechtsverletzungen in der Region
Qinghai / Peking / Frankfurt am Main, 18. Dezember 2020 – Während der Fokus der Weltöffentlichkeit aktuell immer noch auf der Bekämpfung der Pandemie liegt, gehen die Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik China weiter. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, wurde der tibetische Schriftsteller Gendun Lhundup aus dem Kreis Rebkong in Nordost-Tibet am 2. Dezember 2020 von der chinesischen Polizei festgenommen. Der 46-jährige hatte sich für Meinungsfreiheit und für den Erhalt der tibetischen Sprache und Kultur eingesetzt.
Nach Angaben der in Frankfurt ansässigen IGFM sind sein Aufenthaltsort, sein Gesundheitszustand sowie das Strafmaß bisher unbekannt. „Der Fall von Gedun Lhundup zeigt wieder einmal, dass das kommunistische Regime Chinas die Menschenrechte von Tibetern, anderer Minderheiten und von Bürgerrechtlern mit Füßen tritt. Es wird weiterhin alles dafür getan, die Kultur der Tibeter auszulöschen. Wer sich der Kulturzerstörung widersetzt, wird schikaniert, bedroht und verhaftet. Die IGFM fordert die chinesische Regierung auf, die Autonomie Tibets zu respektieren und kritisiert die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in der Region aufs Schärfste“, so die IGFM.
Sprache wichtig für Wahrung der nationalen Identität
Der ehemalige Mönch des Klosters Rongwo in Rebkong, Gendun Lhundup, ist als Verteidiger der tibetischen Kultur und Sprache bekannt. Aus diesem Grund stand er bereits lange unter chinesischer Überwachung und saß deshalb auch in der Vergangenheit schon in Haft. Erst im Oktober 2020 forderte Lhundup im Internet, dass Autoren und Künstler die Freiheit haben sollten, ihre Gedanken und Gefühle ohne Furcht vor Repression auszudrücken. Gendun Lhundup ist unter dem Künstlernamen „Lhamko“ bekannt und verfasst seit 1994 Essays. Einige seiner bekanntesten Werke sind „Schwarze Perlen“, „Lebenslieder“ oder „Das weiße Skriptbuch“. Seine Verhaftung wurde in den sozialen Medien vielfach diskutiert, wobei auch Kritik am Vorgehen der chinesischen Regierung laut wurde. Wie die IGFM erläutert, hat der Spracherhalt im Hinblick auf die Wahrung der nationalen Identität der Tibeter im Laufe der letzten Jahre an Bedeutung gewonnen. Informell organisierte Sprachkurse werden jedoch von den Behörden häufig als „illegale Versammlungen“ betrachtet und die Lehrer deshalb verhaftet.