Sepideh Farhan

Sepideh-Farhan-Demokratieaktivistin

Die iranische Bürgerrechtlerin wurde nach der Teilnahme an einer Demonstration im Jahr 2017 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Die Gefängnisstrafe musste sie Anfang 2020 im Evin-Gefängnis antreten und wurde Ende 2020 ohne Vorankündigung ins Qarchak-Gefängnis verlegt. Am 6. Juli 2021 wurde sie aus der Haft entlassen.

Nach sieben Monaten Haft aus Gefängnis entlassen

Die 1992 geborene Grafikdesignerin Sepideh Farhan Farah Abadi ist ledig und lebt in Teheran. Am 2. Januar 2017 wurde sie während landesweiter Proteste auf dem Enghelab-Platz in Teheran von Geheimdienstagenten festgenommen, misshandelt und in die Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses gebracht. Nach 47 Tagen, von denen sie 21 in Einzelhaft verbrachte, wurde sie nach Zahlung einer Kaution von umgerechnet 14.000 US-Dollar bis zum Prozess aus dem Evin-Gefängnis vorübergehend entlassen. Im Juli 2019 wurde Sepideh Farhan in Abwesenheit vom Islamischen Revolutionsgerichts von Teheran unter dem Vorsitz von Richter Mashallah Ahmadzadeh wegen „Störung der öffentlichen Ordnung durch Teilnahme an illegalen Versammlungen“ und „Absprachen mit Absicht, Verbrechen gegen die nationale Sicherheit zu begehen“ zu sechs Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt.

Das Berufungsgericht verkürzte ihre Haftstrafe auf zwei Jahre. Der von Sepideh ausgewählte Anwalt durfte während des Prozesses nicht vor Gericht erscheinen, weil er von der Justiz nicht akzeptiert wurde (Die iranische Justiz hat eine Liste zugelassener Anwälte, diese Anwälte agieren aber häufig im Interesse des Staats und nicht ihrer Klienten). Am 1. Januar 2020 wurde Sepideh in die Frauenabteilung des Evin-Gefängnisses gebracht, um ihre Haftstrafe anzutreten. Gemeinsam mit elf anderen weiblichen politischen Gefangenen, veröffentlichte Sepideh am 17. Februar 2020 einen Brief, mit dem das Volk aufgefordert wurde, die Parlamentswahlen zu boykottieren. Dabei berief sie sich auf das Fehlen demokratischer Verfahren bei den Wahlen und die Ermordung wehrloser Demonstranten in den Jahren 2017 und 2019. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus in iranischen Gefängnissen wurde sie im April 2020 für einen Monat in den Hafturlaub entlassen.

Am 5. Dezember 2020 wurde Sepideh ohne vorherige Ankündigung in das Qarchak-Gefängnis in Varamin verlegt. Das Qarchak-Gefängnis ist bekannt für seine fürchterlichen hygienischen Zustände. Aufgrund des schweren Ausbruchs des Coronavirus in iranischen Gefängnissen und des eingeschränkten Zugangs zu Desinfektionsmitteln hat sich die Lage im Qarchak-Gefängnis noch weiter verschärft.

Am 6. Juli 2021 wurde Sepideh Farhan aus der Haft entlassen.

Friedliche Proteste und brutale Unterdrückung

Über ein Jahr nach den landesweiten Protesten im November 2019 weigern sich die Justiz- und Sicherheitsbehörden der Islamischen Republik Iran weiterhin, offizielle und genaue Statistiken über die Anzahl Opfer und Häftlinge vorzulegen, die aus diesen Protesten hervorgegangen sind. Laut Informationen der IGFM wurden in 22 iranischen Provinzen mindestens 8.600 Menschen festgenommen, und etwa 1.500 Menschen durch Polizeikräfte und Geheimdienstagenten getötet.

Stand: Juli 2022

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