FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 8 – September - 2026
Syrien: Christen in Syrien brauchen jetzt unsere Unterstützung

„Die schrittweise Islamisierung des Landes setzt sich unauffällig fort. Zwar erlässt die Zentralregierung keine entsprechenden offiziellen Entscheidungen, um ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den westlichen Staaten nicht zu gefährden, aber stattdessen treffen die Gouverneure der einzelnen Provinzen lokale Maßnahmen: Unabhängige oder christliche Richter werden entlassen, in manchen Regionen wird das Tragen des Kopftuchs vorgeschrieben, andernorts Alkohol verboten, auf Universitätsgeländen werden Moscheen errichtet – und ähnliche Entwicklungen setzen sich fort“, berichtet Dr. Nabil Antaki vom Hilfswerk der „Blauen Maristen“ Anfang August 2026 aus Aleppo.
Währenddessen reisen ausländische Delegationen weiterhin nach Syrien, um die neue Regierung kennenzulernen und sich frühzeitig einen Anteil am Wiederaufbau des Landes zu sichern. Syriens Außenminister reist unermüdlich von Land zu Land, um Unterstützung zu gewinnen, doch die dabei verkündeten Investitionszusagen und Absichtserklärungen wurden bisher nicht umgesetzt, beklagt Dr. Antaki. Die innenpolitische Lage in Syrien ist schwierig: Viele syrische Flüchtlinge sind wegen des Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah aus dem Libanon geflohen und kehren nun nach Syrien zurück. Hinzu kommen seit dem Machtwechsel im Dezember 2024 mehr als eineinhalb Millionen syrische Flüchtlinge, die aus der Türkei und Jordanien nach Hause zurückgekehrt sind. Die wirtschaftliche Lage bleibt katastrophal. Die Preise für lebensnotwendige Güter steigen weiter an, die Wohnungsmieten haben sich innerhalb von eineinhalb Jahren verdreifacht. Obwohl die Gehälter inzwischen zweimal um jeweils 200 Prozent erhöht wurden, reicht das Einkommen der meisten Familien kaum aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Inzwischen wurde das Parlament – die sogenannte Volksversammlung – gebildet. Es besteht aus 140 Abgeordneten sowie 70 Mitgliedern, die vom Übergangspräsidenten eingesetzt wurden. Das Parlament wird deutlich von islamistischen Kräften dominiert. Rund ein Drittel der Sitze entfällt auf Vertreter ehemaliger salafistischer Rebellengruppen, etwa 40 Abgeordnete gehören der Muslimbruderschaft an. Vertreter der früheren Opposition – demokratisch gesinnte Persönlichkeiten – gehören der Volksversammlung nicht an. Und die Christen sind mit nur sechs Sitzen, darunter drei Frauen, vertreten. Zu den Aufgaben dieser Volksversammlung gehören neben der Verabschiedung gewöhnlicher Gesetze die Erarbeitung einer neuen Verfassung. „Welche Staatsordnung diese Verfassung haben wird, werden wir mit großer Sorge erst in etwa drei Jahren erfahren“, meint Dr. Antaki.
Als Zeichen der Hoffnung sieht Dr. Antaki, dass die Bewohner der vier christlichen Dörfer in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens an der Grenze zur Türkei nach und nach zurückkehren. Dennoch: Viele Christen wollen auswandern. „Wir fühlen uns nicht mehr zuhause“, sagen viele, obwohl ihre Familien seit Generationen in Syrien leben. Ihre Zahl nimmt ständig ab. „Erst vor wenigen Tagen wurde in Aleppo eine Heilige Messe anlässlich des endgültigen Abschieds der Franziskanischen Missionsschwestern Mariens gefeiert, die über einhundert Jahre lang in der Stadt tätig gewesen waren. … Es kursiert das Gerücht, dass auch die Jesuitenpatres erwägen, ihre Gemeinschaft in Homs zu bündeln und Aleppo nur noch für gelegentliche pastorale Einsätze zu besuchen“, schreibt Dr. Antaki. Die IGFM hatte das Hilfswerk der Jesuiten in Homs seit 2012 mehrere Jahre unterstützt.
Die „Blauen Maristen“ haben gerade das 40-jährige Bestehen ihres Solidaritätswerks gefeiert, das 1986 unter dem Namen „Das Ohr Gottes“ gegründet wurde und seit 2012 den jetzigen Namen trägt. Unter ihrer Losung „In Solidarität mit den Ärmsten leben, Leiden lindern, den Menschen in seiner Würde fördern und Hoffnung säen“ werden sie in Aleppo ihre Projektarbeit fortsetzen. Einhundertzwanzig Kinder haben mit Unterstützung durch das Projekt „Ich möchte lernen“ gerade das Schuljahr erfolgreich abgeschlossen. Dank des Projekts „Ein Tropfen Milch“ erhalten mehr als 1.700 Kinder monatlich eine Milchration; 250 alleinstehende Seniorinnen und Senioren erhalten täglich eine warme Mahlzeit aus dem Projekt „Brot teilen“, das ihnen Freiwillige direkt nach Hause bringen. Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Hilfsprogramm, zu dem die IGFM seit etlichen Jahren das ihr Mögliche beiträgt. Bitte helfen auch Sie mit, dass Syrien für die Christen eine Heimat bleibt, und helfen wir den „Blauen Maristen“ dabei, dass es gelingt.
Foto: „Blaue Maristen“
Dieser Artikel wurde publiziert in der September - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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