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Wie viele Menschen sterben wegen ihres Glaubens?

Zahl der Todesopfer

Wie viele Menschen sterben wegen ihres Glaubens?

Wie viele ermordete Menschen haben islamische Extremisten in diesem gekennzeichneten Massengrab im Shingal-Gebirge im Nordirak verscharrt? Wie viele Personen haben sie insgesamt in dieser Region umgebracht? Zu den Opfern gehören auch Christen, vor allem aber Jesiden und Schiiten, die den sunnitischen Islamisten als „Ungläubige“ bzw. „Ketzer“ gelten. Christen erhielten in der Regel die Möglichkeit, ohne ihren Besitz das Gebiet des „Islamischen Staates“ zu verlassen oder sich bei Zahlung einer Kopfsteuer zu unterwerfen. Die Zahl der christlichen Todesopfer ist weitgehend unklar, da viele Überlebende durch Flucht und Vertreibung den Kontakt zu ihren früheren Gemeinden verloren haben.

Wie viele Menschen sterben wegen ihres Glaubens?

Regelmäßig erhält die IGFM Berichte aus und zu Konfliktgebieten, in denen sehr detaillierte Angaben zu Opferzahlen zu finden sind. Darin heißt es z. B. (um konkrete Beispiele zu nennen), dass in einem bestimmten Zeitraum in einem Gebiet „2.441“ Menschen zu Tode gefoltert oder „7.686 Frauen“ oder auch „83.598 Zivilisten“ getötet wurden.

Wie sollte es möglich sein, in Krisengebieten, nach Anschlägen, Flucht und Vertreibung genaue Zahlen zu ermitteln, wenn Gemeinden verstreut sind, der Kontakt zu Ansprechpartnern verloren gegangen ist oder Verletzte nicht am Ort selbst sterben, sondern später ihren Verletzungen erliegen? Wie kann man wissen, wie viele Menschen in einem Gefängnis zu Tode gefoltert wurden, wenn in der Regel niemand weiß, wie viele Menschen überhaupt dort gefangen gehalten werden und viele Opfer über Monate oder sogar Jahre einfach „verschwinden“?

Welche Genauigkeit kann man erwarten? Das Statistische Bundesamt schätzt den Fehler bei der Ermittlung der Einwohnerzahl in Deutschland auf rund 0,5%. Bei einer (auch für Deutschland) geschätzten Einwohnerzahl von rund 83 Millionen bedeutet das einen möglichen Fehler im Bereich von über 400.000 Menschen. Den mathematischen Profis im Statistischen Bundesamt ist nur zu deutlich, welche Schwierigkeiten und Unsicherheiten ihnen das Leben schwer machen. Und das in Deutschland, einem funktionierenden, transparenten Staat. Wie groß mögen die Fehler in Staaten wie Nigeria oder Ägypten sein?

Bei der Zahl der Menschen, die pro Jahr wegen ihres Glaubens getötet werden, stellt sich zudem die Frage: Wen soll man dazu zählen? Eine praktikable Definition dazu stammt – im Zusammenhang mit getöteten Christen – von Thomas Schirrmacher (s.u.): “Christen, die nicht getötet worden wären, wenn sie keine Christen gewesen wären.” Sie zeigt gleichzeitig, wo die Schwierigkeiten liegen, denn bei vielen Morden ist nicht klar, ob die Opfer nicht auch dann tot wären, wenn sie einen anderen Glauben gehabt hätten. Insbesondere bei Kriegen und Bürgerkriegen.

Die Angaben der Todesopfer schwanken beträchtlich und eine Bitte um detaillierte Informationen, wie eine Zahl ermittelt wurde und wie viele Opfer es in den einzelnen Ländern gegeben hat, bleibt praktisch immer unerfüllt. Die katholische Presseagentur AsiaNews berichtete im März 2008, dass im Vorjahr weltweit 123 Christen wegen ihres Glaubens getötet wurden. Gleichzeitig werden häufig Zahlen von über 100.000 christlichen Todesopfern pro Jahr genannt. Konkrete Informationen darüber, welche Opferzahlen addiert oder auf welcher Grundlage sie „geschätzt” wurden, fehlen. Meist stellt sich heraus, dass Zahlen ungeprüft übernommen und „geglaubt” wurden, weil sie bei Internetrecherchen immer wieder auftauchten – sie halten einer einfachen Überprüfung jedoch nicht stand und sind offensichtlich viel zu hoch gegriffen.

„Eine seriöse und gleichzeitig konkrete Zahl existiert nicht.“

Die Frage danach, wo und wie viele Menschen wegen ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt oder sogar getötet werden, ist wichtig. Sie zu stellen ist einfach, sie mit hinreichender Genauigkeit zu beantworten ist praktisch unmöglich. Dazu fehlen schlicht die dafür nötigen Daten. Die Zahl der Angehörigen der einzelnen Glaubensgemeinschaften in den betroffenen Ländern ist oft hochgradig umstritten. „Schätzungen” sind nichts weiter als reine Spekulation, wenn sie ohne Datenerhebung, ohne mathematisch nachvollziehbare Extrapolation und ohne Betrachtung der Fehler zustande kommen. Eine gleichzeitig konkrete und seriöse Zahl der „christlichen Märtyrer“ existiert nicht – ebenso wenig wie verlässliche Zahlen für Menschen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Religion getötet wurden.

Die weltweit beste Betrachtung zur aktuellen Zahl christlicher Märtyrer stammt vom Präsidenten des Internationalen Rates der IGFM, Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher, aus dem Jahr 2018:

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