Harte Zeiten für Chinas Christen

Wer in China dem Christentum angehört, kann seinen Glauben entweder nur heimlich oder aber regimekonform verfolgen. Eine freie und ungestörte Religionsausübung, wie wir sie in Deutschland kennen, ist in China nicht möglich.
Xia Baolong ist neuer Vertreter Pekings in den Sonderverwaltungszonen
Xia Baolong schränkte in der Vergangenheit die freie Religionsausübung massiv ein.
Seit Februar 2020 ist Xia Baolong der neue Direktor der Hong Kong und Macau Affairs Office. In der Vergangenheit fiel er aufgrund von Angriffen auf die freie Religionsausübung christlicher Gemeinden auf. Im März 2014 veranlasste er, gegen den Willen der Gemeinden, die Entfernung der Dachkreuze von mindestens zwei Kirchen, die der Three-Self Patriotic Movement angehören. Die Three-Self Patriotic Movement ist eine protestantische religiöse Gruppierung, die der People’s Republic of China angehört. Sie zählt zu den größten protestantischen Gruppen weltweit. Der Pfarrer einer der betroffenen Gemeinden sagte dazu: „Wir haben der Entfernung der Kreuze nicht zugestimmt. Diese Aktion fand statt ohne Rücksprache mit uns oder dem Chinese Christian Congress. Sie sind direkt zur Kirche gegangen und haben in weniger als 20 Minuten das Kreuz zerstört. Dann haben sie ein kleineres Kreuz an die Wand gehängt. Sie haben gesagt, das Kreuz auf dem Dach sei zu auffällig und wir sollten ein kleineres verwenden.“ Der Pfarrer berichtete außerdem, dass am selben Morgen bereits in zwei anderen Kirchen der Provinz dasselbe passiert sei. In den Jahren 2014 bis 2016 folgten über 1.500 weitere Fälle von Kreuzentfernungen.
Diese Art der Beschneidung der Religionsfreiheit gegen die Three-Self-Church ist eher ungewöhnlich. Die Religionsgemeinschaft ist staatlich registriert und hat normalerweise mit keinen Einschränkungen zu rechnen, so lange sie den Linien der Partei folgt. Jedoch zeigen die aktuellen Fälle, dass die Regierung durchaus auch die Religionsfreiheit der Three-Self church angreift, wenn diese sich für marginalisierte Menschen einsetzt, außerhalb ihrer Region missioniert oder Kontakte ins Ausland pflegt.
Die Einsetzung Xia Baolongs ist eine Warnung an Hong Kong.
Xia Baolong ist ein enger Vertrauer des chinesischen Präsidenten Xi Jinping und war Generalsekretär der Provinz Zhejiang. Während dieser Zeit ging er, wie oben beschrieben, massiv gegen die dort ansässigen Christen vor. Er gilt als politischer Hardliner, wenn es um die Unterdrückung von Christen geht. Die von ihm 2014 und 2015 in Zhejiang veranlasste Entfernung von tausenden Kreuzen auf Kirchendächern, rief auf internationaler Ebene heftige Kritik hervor. Trotzdem wurde er in Folge dieser Maßnahme als Vorsitzender und Generalsekretär der Chinese People’s Political Consultative Conference eingesetzt.
Die Besetzung Xia Baolongs kann als Zeichen der Machtdemonstration der Volksrepublik China verstanden werden, um wieder eine intensivere und umfänglichere Kontrolle über Hong Kong zu erlangen. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien genießt Hong Kong eine vergleichsweise hohe Autonomie. Aber seit Ausbruch des Corona-Virus‘ und in Folge der Aufstände und Proteste der letzten Monate, will China diese Autonomie weiter einschränken. Nach der letzten Konferenz der Kommunistischen Partei veröffentliche diese ein Statement, nachdem nationale Interessen und die Einigkeit Chinas über den Autonomieansprüchen Hong Kongs stünden. Der Austausch des Führungspersonals zeigt deutlich, wie China den Umgang mit Hong Kong zu verändern versucht. Bereits im letzten Jahr verkündete die chinesische Regierung, dass sie in allen Bereichen; von der Bildung bis zur Wahl der politischen Vertreter, in Hong Kong einen höheren Einfluss nehmen will. Es existiert ein hohes Misstrauen der Bevölkerung in die Fähigkeiten der Regierung Hong Kongs, um die Folgen des Corona-Virus bewältigen zu können. Nach den Massenprotesten der letzten Monate ist das Ansehen und der Glaube an die Handlungsfähigkeit der Regierung stark gesunken. Ein Austausch der verantwortlichen Führungsperson soll das verloren gegangene Vertrauen wiederaufbauen und den Einfluss der chinesischen Regierung und der Kommunistischen Partei in Hong Kong stärken.

Foto: Ministry of Commerce & Industry – Government of India