Zwang zur „Kein-Kind-Politik“ in Ostturkestan

Mit Hilfe von Zwangssterilisationen und Geburtenkontrolle setzt die chinesische Regierung den Völkermord an den Uiguren in Ostturkistan fort, wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet. Zwangssterilisation und Geburtenkontrolle werden laut IGFM durchgeführt, um die Zahl der Uiguren zu dezimieren und so das Volk allmählich auszulöschen.
China führt Zwangssterilisationen und Geburtenkontrolle an Uiguren durch
Frankfurt am Main, 03. Juli 2020 – Hier ist niemand in froher Erwartung: China versucht die nächste Generation der Uiguren systematisch auszulöschen. Mit Hilfe von Zwangssterilisationen und Geburtenkontrolle setzt die chinesische Regierung den kulturellen Völkermord an den Uiguren in Ostturkistan fort, wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation verweist dabei auf den aktuellen Report des China-Experten Adrian Zenz. Eine Frau, die das drastische Vorgehen des Regimes am eigenen Leib erfahren hat, ist Mihrigul Tursun. Die Uigurin wurde mehrere Monate in einem Internierungslager festgehalten und von ihren Drillingen getrennt. Nach ihrer Flucht in die USA erzählte sie im US-Kongress, dass ihr Sohn Mohamed während ihrer Lagerhaft im Krankenhaus gestorben ist und dass sie erst in den USA durch eine medizinische Untersuchung erfahren hatte, dass sie in China zwangssterilisiert worden war.
„China begeht seit Jahren grausamste Menschenrechtsverletzungen an ethnischen Minderheiten wie den Uiguren und die Welt schaut weg. Die Kommunistische Partei inhaftiert tendenziell ein ganzes Volk in Internierungslagern, foltert es und löscht nach und nach dessen Kultur aus. Nun vergreift sich die Kommunistische Partei auch noch an der nächsten Generation und forciert eine „Kein-Kind-Politik“ in Ostturkestan“, berichtet Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Der aktuelle Report von Adrian Zenz bestätigt die Berichte ehemaliger Lagerinsassen in Ostturkestan. Es wird deutlich, dass die Zwangssterilisation und die Bevölkerungskontrolle an den Uiguren direkt auf Anweisung der chinesischen Regierung erfolgt. China benutzt laut IGFM Zwangssterilisation und Geburtenkontrolle, um die Zahl der Uiguren zu dezimieren und so das Volk allmählich auszulöschen. Dokumente aus dem Jahr 2019 belegen, dass es in ländlichen Gebieten eine Kampagne gab, Sterlisierungsmaßnahmen an 14 bis 34 Prozent der uigurischen Frauen im gebärfähigen Alter durchzuführen. Es wurden von der chinesischen Regierung finanzielle Mittel für hunderttausende solcher Prozeduren bereitgestellt. So sollten bis 2019 an mindestens 80 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter im südlichen Teil Ostturkestans entsprechende Operationen durchgeführt werden. Im Jahr 2020 wurde das Projekt weitergeführt. Doch nicht nur Frauen sind betroffen: Bei Männern wird vermutet, dass die Zwangsmedikation unter anderem dem Ziel dient, deren Fortpflanzungsfähigkeit zu stoppen. So werden nicht nur junge Frauen systematisch inhaftiert, sondern auch Männer im Alter zwischen 19 und 39 Jahren.
Bevölkerungswachstum geht stark zurück
Diese Praktiken bleiben nicht ohne Folge: Das Bevölkerungswachstum in den zwei größten Provinzen in Ostturkestan ist zwischen 2015 und 2018 um 84 Prozent zurückgegangen – im Jahr 2019 sogar noch stärker. Der Report zeigt, dass das chinesische Regime für 2020 keinerlei Wachstum in einer der uigurischen Regionen anvisiert hat. Der Weltkongress der Uiguren weiß von ehemaligen Häftlingen, dass so gut wie jede Uigurin in den Internierungslagern dazu gezwungen wird, Pillen und eine weiße Flüssigkeit zu schlucken, durch die sie benommen werden und keine Periode mehr bekommen. Einigen Frauen wurde im Lager während einer Untersuchung ohne deren Wissen ein Verhütungsmittel eingesetzt. Andere – wie Zumrat Dawut – wurden unter der Androhung, wieder in ein Lager zu müssen, zur Sterilisierung gezwungen. „Dieser Report zeigt, was wir von vielen Uiguren schon während der letzten drei Jahre erfahren haben: Die chinesische Regierung versucht uns auszulöschen. Nicht nur unsere Sprache, Geschichte, Kultur, Religion und ethnische Identität, sondern auch uns als Menschen. Das ist Genozid“, betont Dolkun Isa, der Präsident des Weltkongresses der Uiguren.
Mihrigul Tursun wurde im Lager zwangssterilisiert
Mihrigul Tursun ist eine der bekanntesten Uigurinnen, die von der Zwangssterilisation im Internierungslager erzählt hat. Sie wuchs in Xinjiang auf und zog wegen eines Jobs nach Ägypten. Am 13. März 2015 flog sie zusammen mit ihren acht Wochen alten Drillingen zu ihren Eltern in die Heimat. Bereits bei ihrer Ankunft am Flughafen wurde sie verhört. Anschließend wurde sie für drei Monate inhaftiert und ihr wurden ihre Kinder weggenommen. Als sie frei kam, sagte man ihr, dass ihr Sohn Mohaned im Urumqi Children´s Hospital verstorben sei. Ihr wurde nicht mitgeteilt, warum ihre Kinder ins Krankenhaus gebracht worden waren. Ihr Pass war auch konfisziert worden, so dass sie China nicht mehr verlassen konnte. Im April 2017 nahmen sie die Behörden im Haus ihrer Eltern in Qarqan fest – sie kam in eine überfüllte Zelle mit mehr als 50 Insassen. Ihren Angaben zufolge mussten die Frauen aufgrund der Platzprobleme in Schichten schlafen. Neun Menschen starben während ihrer Inhaftierung. Zudem habe sie im Internierungslager Drogen und Injektionen verabreicht bekommen. Danach fühlte sie sich etwa eine Woche lang müde und depressiv. Erst im Jahr 2018 konnte Mihrigul Tursun China zusammen mit ihren zwei Kindern verlassen. Sie ging erst nach Kairo und heute lebt sie in den USA. Dort erfuhr sie von einem Arzt, dass sie ohne ihr Wissen in China zwangssterilisiert worden war und berichtete schließlich von den Menschenrechtsverletzungen der chinesischen Regierung an den Behörden im US-Kongress.