FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 7 – August - 2026
Ägypten: Ausgegrenzten christlichen Müllsammlern durch die Krise helfen

„Die vorrangige Sorge der meisten Familien, die vom Müllsammeln leben, ist die um das tägliche Brot; Bildung oder Gesundheitsvorsorge kommen da häufig zu kurz“, berichtet Ulrike Fritz aus dem baden-württembergischen Reutlingen, die sich für diese Menschen einsetzt. Vor beinahe vier Jahrzehnten kam sie erstmals nach Ägypten, weil sie die ägyptischen Altertümer faszinierten und machte deren Erforschung zu ihrem Broterwerb. Ihre ehrenamtliche Lebensaufgabe hingegen fand sie in Sichtweite des antiken Weltwunders der Pyramiden von Gizeh in einem der Viertel für Abfallverwertung der Megametropole Kairo. Es war die „informelle“ Siedlung Moytamadeia, quasi ein Elendsviertel.
Die promovierte Ägyptologin lernte dort die damals noch bittere Lebenswirklichkeit dieser überwiegend koptischen Müllsammler kennen, die auf Arabisch „Zabbalin“ genannt werden. Die Menschen arbeiteten täglich im stinkenden Müll, und bis 2009 lebten sie zudem von der Aufzucht von Schweinen, die einen Teil des gesammelten Bio-Abfalls auffraßen. So wurden sie in der ägyptischen Gesellschaft zu Ausgegrenzten und Missachteten. „Ich war im März 1989 zum ersten Mal dort, um in einem Workcamp zu helfen, feste Häuser zu errichten. Die Zabbalin lebten damals noch in einfachen Wellblech-Baracken direkt auf ihren Müllhaufen, zusammen mit ihren Ziegen und Schweinen. Es gab viel Lärm und überall den Gestank durch die Verbrennung von Müllresten“, erinnert sich Fritz.
Heute arbeitet in dem Viertel, in dem Schätzungen zufolge mehr als 20.000 Menschen leben, mindestens jeder Vierte noch in der Sammlung sowie Verwertung von Abfällen und unter Arbeitsbedingungen mit erheblichem Risiko für Verletzungen und Infektionen. Rund 90 Prozent der Einwohner sind Christen. Schätzungsweise ein Drittel des gesamten Mülls in Kairo wird von solchen Zabbalin recycelt. Noch heute liegen die Abfälle in unmittelbarer Nähe zu den Wohnungen der Sammler, riechen nach Fäulnis und ziehen Ungeziefer an. Jedes noch so kleine Teil wird von Hand sortiert, meist von Frauen und Kindern, während die Männer die Maschinen zur Weiterverwertung bedienen.
Trotz der gesellschaftlichen Bedeutung war es nicht der Staat, der hier die Lebensbedingungen der Bewohner des Viertels in den vergangenen vier Jahrzehnten verbesserte: Insbesondere sorgte die 2015 verstorbene Ordensschwester Maria Grabis, die 1979 dort hinzog, für den Anschluss an die städtischen Versorgungsbetriebe und für wichtige Bildungseinrichtungen. Sie warb in Deutschland um Unterstützung und gründete 1981 das Hilfswerk EDAM (Environmental Development Association Moytamadeia), das von Ulrike Fritz seit Jahrzehnten ehrenamtlich unterstützt wird. EDAM führt die Schulen, organisiert Weiterbildung für Erwachsene, und hilft insbesondere mit Grundnahrungsmitteln sowie in einzelnen Fällen mit Medikamentenzuschüssen durch Krisen hindurch.
Da sie nur über das Nötigste zum Überleben verfügen, sind die meisten Menschen dort nicht krankenversichert, jedoch aufgrund der Lebensbedingungen anfälliger für chronische Leiden etwa wie Asthma, Rheuma, Nesselsucht, Bluthochdruck und Diabetes. Zu den riskanten Arbeitsbedingungen kommt noch Mangel an Bewegung, Erholung und ausgewogener Ernährung hinzu. Um die Ausgaben für medizinische Versorgung decken zu können, sind sie auf Beistand angewiesen. Mit Zuschüssen für medizinische Notfälle hat die IGFM schon wiederholt geholfen und hat dies auch jetzt wieder zugesagt. Zudem wird die IGFM die Ausgabe von Hilfspaketen unterstützen, um die EDAM aufgrund der akuten Lage gebeten hat.
Angesichts von Auseinandersetzungen im Nahen Osten seitens der USA und Israels mit dem Iran ist es seit diesem Frühjahr in Ägypten zu deutlichen Teuerungen gekommen. Diese sind besonders in den Armenvierteln schmerzhaft, wo die Menschen von der Hand in den Mund leben. Die Lage in Moytamadeia ist weiterhin angespannt. Daher wollen wir rund 100 Familien sowie alleinstehenden Senioren helfen und rechnen mit 60 Euro im Durchschnitt für Öl, Reis, Linsen, Bohnen, Tee und dringend benötigte Medikamente. Wir bitten Sie um Ihren Beitrag
Dieser Artikel wurde publiziert in der August - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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